Jubiläumsspiel

Liverpool erteilt Hertha zum Geburtstag eine Lehrstunde

Hertha war chancenlos beim Jubiläumsspiel gegen den FC Liverpool. Trainer Dardai sagt: „Der Unterschied war zu groß“.

Zu schnell, zu gut: Liverpools Emre Can lässt Skjelbred und Lustenberger aussteigen

Zu schnell, zu gut: Liverpools Emre Can lässt Skjelbred und Lustenberger aussteigen

Foto: dpa/Sören Stache

Berlin. Am Ende feierte nur ein Lager, und das trug Rot statt Blau-Weiß. Während die Fans des FC Liverpool ihrem Team ein stolzes „You’ll never walk alone“ entgegen schmetterte, hatten etliche Hertha-Fans bereits das Weite gesucht. Zu ernüchternd war das 0:3 (0:2) im Jubiläumsduell, in dem der Europa-League-Starter aus Berlin dem Champions-League-Anwärter aus England klar unterlegen war. „Es war nur ein Vorbereitungsspiel“, sagte Herthas Auffälligster, Mitchell Weiser, „aber das ärgert uns natürlich trotzdem.“ Auch Trainer Pal Dardai wollte nichts beschönigen. „Man muss ein wenig schlucken“, sagte der Ungar, „der Unterschied war zu groß.“

Jubel für Beer, Pantelic, Rekdal und Friedrich

Mit der große Jubiläumsparty wurde es also nichts im Olympiastadion. In besonderer Erinnerung wird die Partie gegen den FC Liverpool bei den 54.279 Zuschauern dennoch bleiben - zumindest den Berlinern -, allein schon wegen der Rahmenbedingungen mit prominentem Gegner und reichlich Fußball-Prominenz. Fans beider Lager feierten sich und ihre Klubs schon Stunden vor Anpfiff, später dann viele ihre alten Helden: Von Ete Beer und Carl-Heinz Rühl über Kjetil Rekdal und Marco Pantelic bis zu Zecke Neuendorf und Arne Friedrich – Hertha ließ es sich nicht nehmen, vor der Partie prägende Figuren der Klub-Geschichte zu würdigen, darunter auch Manager ­Michael Preetz und Dardai.

Der Coach wendete sich jedoch schnell der unmittelbaren Zukunft zu: dem Spiel, das er zum ersten ernstzunehmenden Test erklärt hatte und mit seiner „ersten Elf“ begann. Welche Profis die Nase vorn haben? Nun, die Abwehrreihe vor dem rechtzeitig genesenen Keeper Jarstein bildeten Weiser, Lustenberger, Rekik und Plattenhardt, davor agierte das Duo Skjelbred/Darida. Offensiv vertraute Dardai einer Dreierreihe aus Leckie, Duda und Kalou plus Sturmspitze Ibisevic. Eine Formation, die angesichts der aktuellen Verletzungen nicht überraschte. Weitere Kandidaten wie Stark, Langkamp, Torunarigha oder Selke fehlen den Berlinern verletzt.

Vor allem die Rückkehr des Verteidiger-Trios werden sie bei Hertha wohl noch häufiger herbeisehnen. Von der Stabilität der Vorsaison war gegen Liverpool wenig zu sehen, im Gegenteil: Die Berliner machten es den Gästen zu einfach, verteilten Jubiläumsgeschenke. Exemplarisch das erste Gegentor, als Liverpools Lallana vom rechten Strafraumeck flanken durfte und Lustenberger Angreifer Solanke aus den Augen verlor. Jener wusste seine Freiheit zu nutzen und köpfte im hohen Bogen über Jarstein, der ebenfalls keine gute Figur machte. 0:1 (15.) – La-Ola-Stimmung dahin, und auch Ehrengästen wie Jürgen Klinsmann, Otto Rehhagel oder Marius Müller-Westernhagen schwante Böses.

Hertha fehlte es an Ballsicherheit und Ideen

Der Vierte der vergangenen Premier-League-Saison, der nach drei Übungseinheiten am Freitag nicht vor Frische strotzte, wirkte dennoch in vielen Situationen cleverer, souveräner, abgezockter. Hertha ­hingegen fehlte es nicht nur an ­Ballsicherheit, sondern auch an Ideen. Einzig der angriffslustige Weiser riss mit frechen Einzelaktionen Lücken und kreierte so die beste Berliner Chance. Nach einem Solo legte der U21-Europameister von der rechten Grundlinie zurück auf Duda, dessen Schuss jedoch zur Ecke abgeblockt wurde (30.). Ansonsten wurde Hertha nur noch durch Standards gefährlich. Einen Plattenhardt-Freistoß lenkte Gäste-Keeper Mignolet über die Latte. „Unsere Abläufe haben noch nicht ­gestimmt“, sagte Weiser, „man hat ­gesehen, was noch fehlt.“

Eine der Qualitäten, die Hertha fehlte, war die nötige Präzision, die Liverpool noch vor der Pause demonstrierte. Wijnaldum nahm von der Strafraumkante Maß und schoss den Ball flach ins linke Eck – die Berliner hatten in der Entstehung des 0:2 nur zugeschaut (38.). „Man darf auf diesem Niveau keine Fehler machen“, sagte Weiser, „das wird eiskalt bestraft. Wir haben heute leider drei gemacht.“ Beim dritten Gegentreffer rannte Liverpools 42-Millionen-Einkauf Salah Herthas Innenverteidigern Rekik und Lustenberger schlicht davon – 0:3 (62.).

Nach 65 Minuten wechselte Dardai fast sein gesamtes Team und brachte die Eigengewächse Maier, Baak, Kade und Mittelstädt. Das machte Hoffnung und passte zum neuen Klub-Motto. „Die Zukunft gehört Berlin“, hing als gigantisches Transparent überm Marathontor. Wann die Zukunft beginnt? Ansichtssache. Bis zum ersten Pflichtspiel hat Hertha noch zwei Wochen.