Politik

Endlich nicht mehr Zonenrandgebiet

Hertha und Union sorgen dafür, dass der Fußball in Berlin in der Saison 2017/18 präsent sein wird wie noch nie

Nun ist es raus: Hertha BSC startet in die neue Bundesliga-Saison mit einem Heimspiel gegen Stuttgart, auswärts geht es nach Dortmund, dann kommt Bremen. Die Spielplan-Ansetzer der Deutschen Fußball-Liga haben auch Zweitligist 1. FC Union ein spannendes Startprogramm verordnet: Die Eisernen beginnen auswärts beim Bundesliga-Absteiger Ingolstadt, im ersten Heimspiel kommt Holstein Kiel, am dritten ­Spieltag tritt Union in Nürnberg an.

Die neue Saison wartet mit einer Reihe von Änderungen auf: Die spektakulärste ist die Einführung des Videoschiedsrichters. Der hat reelle Chancen, als Buhmann der Fans mit dem Schiedsrichter gleichzuziehen, der diese Rolle seit Jahrzehnten allein ertragen muss.

Auch wenn die Unparteiischen des Deutschen Fußball-Bundes besser vorbereitet sein werden als die der Fifa beim derzeit laufenden Confed-Cup: Nach der Einführung des Hawk-Eyes (2015 in der Bundesliga) ist der Videobeweis die zweite große Veränderung im Regelwerk, die dafür sorgt, dass der Profifußball anders gespielt wird, als der Fußball der unteren Klassen.

Auch für die Zuschauer ändert sich einiges: So setzt die DFL den Salami-Trend bei der Spieltag-Gestaltung fort. Bisher wurden die neun Begegnungen auf fünf Termine zwischen Freitag und Sonntag verteilt. Künftig wird an fünf Sonntagen jeweils eine Partie bereits um 13.30 Uhr angepfiffen. Erstmals wird auch montags Bundesliga gespielt: An fünf Montagen gibt es eine Partie um 20.30 Uhr. Hertha hat eine realistische Chance, an einem der neuen Termine angesetzt zu werden. Die DFL hat die Änderungen eingeführt, um Klubs, die donnerstags in der Europa League im Einsatz sind, zusätzliche Optionen zu eröffnen. Auch für den TV-Kunden ändert sich die Bundesliga. Wer bisher alle Spiele sehen wollte, war mit einem Sky-Abo versorgt. Nun nicht mehr. „Eurosport“ hat die Rechte für 45 Spiele exklusiv gekauft: Wer freitags Bundesliga schauen will oder zu den neuen ­Terminen am Sonntag oder Montag, muss dafür einen Zugang zum Livestream auf dem ­„Eurosport-Player“ erwerben.

Man wundert sich ja, dass der Stellenwert des Fußballs seit Jahren steigt und steigt. Ob Gehälter, Ablösesummen, TV-Zeiten – wo liegt die Grenze? Mit dem Blick auf Berlin sage ich: Die beste Zeit beginnt gerade. Das Thema Fußball wird in der jetzt beginnenden Saison so wichtig sein noch nie in der Hauptstadt. Allein bis Weihnachten wird Hertha – erstmals seit 2010 international qualifiziert – ein Feuerwerk von bis zu 26 Bundesliga-, DFB-Pokal- und Europa-League-Spielen zünden. Union startet erstmals mit dem klaren Ziel Bundesliga-Aufstieg ins neue Spieljahr.

Weiter beschäftigen sich beide Vereine mit ehrgeizigen Stadionplänen: Hertha ringt um die Zukunftsperspektive einer Fußballarena, Union will die Kapazität der Alten Försterei fast verdoppeln. Die Verantwortlichen beider Klubs treibt die gleiche Sorge: So ­herausfordernd die Gegenwart ist – es gilt darüber hinaus, Hertha und Union fit zu machen für die Zukunft.

Der Fußball-Aufschwung, den die WM 2006 in Deutschland ausgelöst hat, ist an Berlin weitgehend vorbeigegangen. Auch wenn es das Selbstverständnis des Berliners kränkt: Was Topfußball angeht, ist Berlin viele Jahre Zonenrandgebiet gewesen.

Das ändert sich gerade. Bei Hertha sprechen diverse Anzeichen dafür, dass der ersehnte Einstieg eines zweiten Großinvestors, Realität werden könnte. Dessen Finanzkraft – Hertha träumt von 100 Millionen Euro – soll vor allem die Qualität der Mannschaft verbessern. Mittlerweile haben sich die Blau-Weißen und die Rot-Weißen ein Standing erarbeitet, um selbstbewusst an die Herausforderungen zu gehen. Der Preis ist für Hertha und Union Fluch und Segen zugleich: Siege ebenso wie Niederlagen werden in dieser Saison in Berlin noch stärker Resonanz finden als bisher. Das gleiche gilt für die Stadion-Diskussionen, die sich bis weit ins Jahr 2018 ­hinein erstrecken werden.