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Karim Rekik - der nächste Baustein für die Zukunft

Hertha holt mit Karim Rekik einen weiteren jungen Spieler mit Potenzial – und will sich erneut als Entwicklungskatalysator beweisen.

Karim Rekik (r.) erhält bei Hertha einen Vertrag bis 2021. Manager Michael Preetz (l.) zahlte eine Sockelablöse von 2,5 Millionen Euro

Karim Rekik (r.) erhält bei Hertha einen Vertrag bis 2021. Manager Michael Preetz (l.) zahlte eine Sockelablöse von 2,5 Millionen Euro

Foto: Twitter/@michaelpreetz

Berlin.  Viel bleibt der Fan-Fantasie ja nicht mehr überlassen. Handy-Fotografen lauern heute an jeder Ecke, und genauso schnell wie ein Schnappschuss gemacht ist, lässt er sich via Twitter, Facebook und Co. auch verbreiten. Die Ankunft von Herthas neuem Abwehrspieler Karim Rekik (22) lieferte mal wieder ein Musterbeispiel dafür – am Freitag ließ sich der Tagesablauf des Niederländers fast in Echtzeit verfolgen. Rekik bei der Ankunft am Flughafen in modisch zerrissenen Jeans, Rekik oben ohne beim Belastungstest auf dem Fahrradergometer und Rekik beim Medizincheck im Schlüpfer. Hat die Kamera das? Ja, sie hat das. Schnell geht das alles, rasend schnell.

Ebenfalls ziemlich flott unterwegs ist derzeit Michael Preetz, der um 16:56 Uhr den obligatorischen Transfer-Vollzugs-Tweet absetzte. „Wir bauen die Zukunft, bevor wir Geschichte schreiben“, schrieb Herthas Manager. Mit Rekik hat er nach Mathew Leckie (26) und Davie Selke (22) bereits den dritten Zugang dieses Sommers nach Berlin gelotst – und das zu einem relativ frühen Zeitpunkt. Während Hertha in den vergangenen Jahren oft erst spät auf dem Transfermarkt zuschlug, drückte Preetz diesmal auf Tempo.

Die Berliner bleiben ihrer Transferpolitik treu

Womit wir beim zentralen Stichwort wären. „Unser großes Manko war bislang die Schnelligkeit“, wurde Trainer Pal Dardai ja nicht müde zu betonen. Ganz gleich, über welche Position der Ungar sprach, stets wünschte er sich mehr Speed. Einen dynamischen Stürmer etwa, den er in Person von Selke auch bekam. Dazu hatten die sportlichen Verantwortlichen Bedarf auf der Rechtsverteidigerposition und auf dem Flügel ausgemacht, wo der flinke Leckie helfen kann.

Beim Confed Cup wird der Australier zwar – wie zuvor in Ingolstadt – offensiv auf der Außenbahn agieren; bei Hertha liebäugeln sie jedoch damit, den Rechtsfuß zum Verteidiger umzuschulen. Bleibt Rekik, ein eher außerplanmäßiger Transfer, der erst durch den Rekord-Verkauf von John Brooks nach Wolfsburg notwendig wurde. „Wir sind von Karims Potenzial überzeugt und glauben, dass er sich bei Hertha weiter steigern wird“, sagte Preetz.

Die Verpflichtung von Rekik ist ein Paradebeispiel für die Ausrichtung der Berliner, die sich immer klarer als Aus- und Weiterbildungsverein positionieren. Weil andere Klubs über größere Finanzkraft verfügen, sind Preetz und Dardai – anders als Social-Media-affine Hertha-Fans – sehr wohl auf ihre Fantasie angewiesen. Sie müssen Potenziale aufspüren, die andere übersehen. So wie bei Mitchell Weiser, der bei Bayern München nicht vorankam. Oder bei Marvin Plattenhardt, der sich erst unter Dardai derart entwickelte, dass er nun sogar Nationalspieler ist.

Körperliche Robustheit und sicheres Passspiel

Bei Rekik soll es im besten Fall ähnlich laufen. „Hertha ist ein ambitionierter Verein“, sagte der Neu-Berliner, „das passt zu mir, ich will immer das Maximum rausholen.“ Der Sohn eines tunesischen Vaters und einer holländischen Mutter war für eine kolportierte Ablöse von 2,5 Millionen Euro zu haben, eine durchaus verträgliche Summe für einen Profi, der vor ein paar Jahren als eines der größten Abwehrtalente des Kontinents galt. Das Gute für Hertha: Die in ihn gesetzten Erwartungen hat Rekik nie so recht erfüllen können, zumindest nicht auf höchstem Level.

Bei Olympique Marseille kam er zuletzt auf nur zehn Einsätze in der Ligue 1, eine Zahl, mit der man sich nicht in die Notizbücher internationaler Top-Klubs spielt. Aber in das von Hertha BSC, schließlich hat er seine Anlagen nicht verloren. Rekik ist körperlich robust, verfügt über eine (mitunter zu) resolute Zweikampfführung und bringt ein sicheres Passspiel mit. Mit Eigengewächs Jordan Torunarigha (19) wird er sich in der Innenverteidigung ein spannendes Duell um Spielzeit liefern.

Manager Preetz sucht noch nach einem Flügelspieler

Fest steht: An Einsatzgelegenheiten wird es nicht mangeln. Bis zur Winterpause stehen durch die Europa-League-Teilnahme zehn englische Wochen an. „Wir werden die ganze Breite des Kaders nutzen“, hat Preetz angekündigt, „wir werden mehr rotieren.“

Auch wenn die To-do-Liste des Managers inzwischen deutlich kürzer geworden ist: Einen schnellen Mann für den Flügel sucht Preetz immer noch. Derzeit werden die Namen Valentino Lazaro (21, Red Bull Leipzig, Kauf) und Felix Passlack (19, Borussia Dortmund, Leihe) gehandelt. Der Österreicher Lazaro bringt große Vielseitigkeit und noch größeres Tempo mit, war zuletzt in 29 Ligaspielen an neun Toren beteiligt. Ein Spieler, der bestens zu Hertha passen würde. Noch aber bleibt seine Ankunft in Berlin: eine Fantasie.