Immer Hertha

„Das ist für mich viel zu viel Geld“

Die Transfersummen in der Bundesliga explodieren. Ein Berliner liefert das beste Beispiel dafür.


Herthas Fabian Lustenberger (r.) und Maximilian Philipp von Freiburg kämpfen um den Ball

Herthas Fabian Lustenberger (r.) und Maximilian Philipp von Freiburg kämpfen um den Ball

Foto: Patrick Seeger / dpa

„Maximilian WER?“, fragt mich meine Freundin mit entgeistertem Blick. „Maximilian Philipp“, antworte ich, „kennste nicht?“ „Der spielt in Freiburg“, schiebe ich noch schlaubergerhaft hinterher, „ist aber Berliner.“ Nachdenklich kneift sie ihre Augen zusammen, dann schüttelt sie den Kopf. „Nee“, sagt sie, „nie gehört. Und für den geben die so viel Geld aus?“ Mir bleibt nur ein ratloses Schulterzucken. „Ja, sieht so aus.“

15 Millionen Euro hat Borussia Dortmund am Mittwoch für diesen ominösen Fußballer mit dem Allerweltsnamen gezahlt, Erfolgsprämien von bis zu fünf Millionen werden noch hinzukommen. Summen, die belegen, wie sehr sich die finanziellen Verhältnisse in der Branche verschoben haben. Meine Freundin, die Fußball wirklich mag, aber keinen „Kicker“ unterm Kopfkissen braucht, um ruhig zu schlafen, dürfte schließlich kein Einzelfall sein. 20 Millionen – für Philipp WEN noch mal?

Nein, eben nicht Philipp. Sondern Maximilian. Maximilian Philipp, 23 Jahre jung und ein ziemlich vielseitiger Offensivspieler. Die vergangene Saison war seine allererste in der Bundesliga, und man muss zugeben: Sie lief ziemlich gut. Im beschaulichen Freiburg gelang ihm mit seinen Kollegen sogar ein echter Coup. Der Aufsteiger, zugleich das Team mit dem drittkleinsten Etat der Liga, qualifizierte sich sensationell für den Europapokal. Philipp steuerte neun Tore und drei Vorlagen bei.

"Diese Summen sind meines Erachtens unmenschlich"

Von der Underdog-Rolle kann sich der bislang zweitteuerste Bundesliga-Einkauf dieses Sommers (Bayern München hat den bisherigen Leihspieler Kingsley Coman für 21 Millionen verpflichtet) getrost verabschieden. Künftig wird er vor der größten Stehplatztribüne des ganzen Kontinents auflaufen, für eine der ambitioniertesten Mannschaften Europas. Ein Umstand, der ihm noch nicht ganz geheuer ist. Natürlich sei der Transfer schmeichelhaft, sagt er, „aber diese Summen sind meines Erachtens unmenschlich. Das ist für mich viel zu viel Geld.“

Mit Blick auf die Entwicklung der Boom-Branche Bundesliga muss man jedoch konstatieren: Für Spieler der Marke Philipp – talentiert, noch jung, aber schon erfahren – wird das Preissegment zwischen 15 und 20 Millionen immer normaler. Hertha verkaufte John Brooks (24) unlängst für ebenfalls rund 20 Millionen Euro nach Wolfsburg, Schalke erwarb Nabil Bentaleb (22) für 19 Millionen, und auch die Bayern kratzten für Niklas Süle (21) an der 20-Millionen-Marke. Zum Vergleich: Den hochdekorierten Topstar Arjen Robben hatten die Münchner 2009 für 24 Millionen erstanden.

Dass die Preise durch die Decke gehen, liegt vor allem am neuen TV-Vertrag, der den Bundesligisten künftig über eine Milliarde Euro pro Jahr einbringt statt der bisherigen 628 Millionen. „Spieler, die vor zwei Jahren noch zwei, drei Millionen gekostet hätten, kosten jetzt sieben oder acht“, sagt Mönchengladbachs Manager Max Eberl. Oder entsprechend mehr. Im Fall Philipp wollte Dortmund wohl auch ein Zeichen an den mitbietenden Emporkömmling RB Leipzig senden.

Für Hertha wird die Luft da ziemlich dünn

Für einen Klub wie Hertha, im Ligavergleich eher Mittelständler, wird die Luft da ziemlich dünn. Er sehe eher den Trend, U-Nationalspieler zu verpflichten, hatte Manager Michael Preetz unlängst erklärt. Doch selbst die tragen inzwischen schwindelerregende Preisschilder. Für U21-Nationalspieler Davie Selke gaben die Berliner vorige Woche 8,5 Millionen aus – mehr als je zuvor für einen einzelnen Profi. Verglichen mit Philipp, auch er im U21-Team des DFB, ein Schnäppchen.

Preetz und Co. werden dessen Wechsel interessiert verfolgt haben, bis zur C-Jugend war Philipp schließlich Herthaner. Als er 2008 als zu klein und zu schmächtig aussortiert wurde, sei für ihn „eine Welt untergegangen“, erzählte Philipp der Morgenpost. Seinen Weg hat er trotzdem gemacht, über Tennis Borussia und Cottbus bis nach Freiburg – und nun eben nach Dortmund. Dort wird von ihm noch viel zu hören sein, allein schon wegen seiner Ablösesumme. Meine Freundin soll nicht sagen, ich hätte sie nicht vorgewarnt.

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