Bundesliga

Hertha stößt in neue Dimensionen vor

Warum Hertha durch den neuen TV-Vertrag kommende Saison auf 53,3 Millionen Euro Fernsehgeld hoffen darf.

Die Hertha-Profis feiern mit den Fans oder Geld kauft keinen Erfolg. Aber Geld kauft gute Spieler. Und gute Spieler erhöhen die Wahrscheindlichkeit auf Erfolg

Die Hertha-Profis feiern mit den Fans oder Geld kauft keinen Erfolg. Aber Geld kauft gute Spieler. Und gute Spieler erhöhen die Wahrscheindlichkeit auf Erfolg

Foto: imago sport / imago/Sven Simon

Berlin.  Bei den Finanzchefs der Liga laufen in diesen Wochen die Rechenschieber heiß. Weil mit dem letzten Spieltag am Sonnabend die Platzierungen in der Abschlusstabelle feststehen. Davon hängt die Position im Fernseh-Ranking ab, die bei den meisten Vereinen den größte Posten ausmacht bei der Finanzplanung.

Die Zahlen sind diesmal besonders spannend, weil im kommenden Spieljahr der neue, noch mal lukrativere ­Fernseh-Vertrag greift. 2017/18 wird die Deutsche Fußball-Liga (DFL) eine Milliarde Euro an die 36 ­Profivereine der ersten und Zweiten Liga verteilen (aktuell 673 ­Millionen).

Hertha überholt Augsburg, Bremen und Mainz

Wer nun argumentiert: Das Thema mit den höheren Einnahmen, über die sich die Klubs freuen, sei eine Milchmädchenrechnung. Im Detail werde niemand Vorteile haben. Schließlich würde allen mehr Geld in die Kasse gespült. Doch wer sich die konkreten Zahlen anschaut, wird eines Besseren belehrt. So wird das Resultat für Hertha BSC besonders erfreulich ausfallen.

Nach zwei Zweitliga-Jahren (2010/11 und 2012/13) musste sich der Hauptstadt-Klub nach dem Wiederaufstieg hinten in der TV-Geldrangliste anstellen. Und hat sich nach 33 Runden auf einen beachtlichen achten Rang vorgearbeitet. Den hat Hertha so gut wie sicher und kann ihn nur theoretisch verlieren an den FSV Mainz. Bleibt es in der Geldrangliste bei Platz acht, erhält Hertha 2017/18 aus der nationalen TV-Vermarktung 48,8 Millionen Euro.

4,5 Millionen aus der internationalen Vermarktung

Dabei bleibt es nicht. Der "Kicker" berichtet, dass die DFL zusätzlich 194 Millionen aus der internationalen TV-Vermarktung ausschütten wird. Davon gehen fast 70 Prozent an die Klubs, die international im Einsatz waren (der FC Bayern erhält allein aus diesem Topf 40,5 Millionen Euro).

Auch Hertha wird bedacht. Rund 4,5 Millionen aus der internationalen Verbreitung stocken den Betrag aus den Medien-Rechten 2017/18 auf 53,3 Millionen Euro auf. Was für ein Sprung - zum Vergleich: 2015/16 erlöste Hertha aus diesem Bereich "nur" 30,1 Millionen.

"Sportlicher Erfolg zahlt sich nach dem neuen Berechnungsmodell aus", sagt Ingo Schiller, Geschäftsführer ­Finanzen bei Hertha. "Jetzt sieht man, wie wertvoll das gute Abschneiden in dieser und der vergangenen Saison ist."

Schiller lobt Erfolge der Mannschaft

Nachdem Hertha 2013 nach der Rückkehr in die Bundesliga auf den Plätzen elf und 15 gelandet war, wurde die vorangegangene Spielzeit auf Rang sieben beendet. Aktuell, bei einem ausstehenden Heimspiel am Sonnabend gegen Bayer Leverkusen (15.30 Uhr, Olympiastadion), steht das Team von Trainer Pal Dardai sogar auf Platz fünf.

Dass es sich beim neuen TV-Vertrag eben nicht um eine Querverschiebung (Motto: "alles wie immer, nur immer mehr") handelt, zeigt sich im Vergleich. So rangierten 2015 etwa Werder Bremen (damals 27,4 Mio. Euro TV-Geld) und Hannover 96 (32,4 Mio.) deutlich vor Hertha (21,2 Mio.).

Neuer TV-Vertrag von 2017 bis 2021

In der kommenden Saison werden sich die Gewichte deutlich verschieben: Werder kommt dann auf 49,1 Millionen. Hannover wird, den Wiederaufstieg angenommen, das eine Jahr in der Zweiten Liga viel Geld gekostet haben: 96 erhält als Aufsteiger 34,9 Millionen, Hertha freut sich über 53,3 Millionen. Heißt: Konnten die Berliner vor drei Jahren neun Millionen weniger ausgeben als Hannover, können die Berliner in der kommenden Spielzeit 18,4 ­Millionen mehr investieren.

Die Statik im neuen TV-Vertrag, der von 2017 bis 2021 gilt, ist so angelegt, dass diese Schere zwischen mehr und weniger Erfolg weiter auseinander gehen wird. "Da die Summen steigen, wird die Wichtigkeit von sportlichem Erfolges noch weiter zunehmen", sagt Herthas Finanzchef Schiller. So werden sich die Beträge, die die DFL ausschüttet, von einer ­Milliarde gestaffelt ­erhöhen auf 1,4 ­Milliarden in 2020/21.

Wolfsburg droht Minus von 40 Millionen

Die Kehrseite der Medaille: Die Fallhöhe besonders für etablierte Klubs, die absteigen, wird immer größer. Aktuell bedroht das besonders den VfL Wolfsburg. Der DFB-Pokal­sieger und Vizemeister von 2015 ist Fünfter der TV-Geldrangliste – schwebt aber in akuter Abstiegsgefahr. Sollte der Werksklub tatsächlich runtergehen, gibt es 2017/18 statt 69,5 Millionen im Oberhaus im Unterhaus nur 29 Millionen.

Für Hertha sind noch mehr als die genannten 53,3 Millionen zu gewinnen. Erreichen die Berliner die Europa League, fließen weitere fünf Millionen Euro (Startgeld, Zuschauereinnahmen, Einnahmen aus dem Marketingpool). Schon klar: Dagegenzurechnen sind dann Erfolgsprämien, die Schiller an die Hertha-Profis zu zahlen hätte.

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