Herthas neues Stadion

„Ein neues Stadion ist für Hertha alternativlos“

Detlef Kornett war einst der Mann hinter dem Bau der O2 World. Für Hertha sieht er beim Stadionbau große Chancen, aber auch Risiken.

Hier könnte eine mögliche neue Hertha-Arena im Olympiapark (mittig) auf dem Gelände des jetzigen Olympiastadions (links) gebaut werden.

Hier könnte eine mögliche neue Hertha-Arena im Olympiapark (mittig) auf dem Gelände des jetzigen Olympiastadions (links) gebaut werden.

Foto: AS+P / dpa

Berlin.  Mit dem Neubau einer Arena, die das Berliner Sportleben revolutionierte, geriet Detlef Kornett (53) einst in den öffentlichen Fokus. Als Europachef der Anschutz Entertainment Group war er verantwortlich für die Errichtung der Mercedes-Benz Arena, die damals noch O2 World hieß. Der Mann weiß also, was auf den Fußball-Bundesligisten Hertha BSC zukommt bei dessen geplantem Stadionprojekt. Welche Fallstricke lauern, wie man voranschreiten muss auf den verschiedenen Ebenen.

Heute führt Kornett als Vorstand das Auslandsgeschäft des Konzertveranstalters Deutschen Entertainment AG, berät in Fragen rund um Veranstaltungsorte und ist beteiligt an einer Firma, die ein innovatives Heizungssystem vertreibt. Sport-Themen beschäftigen ihn natürlich trotzdem weiterhin. Vor allem bezüglich seiner Beratertätigkeit interessiert sich Kornett auch sehr für Herthas Stadionpläne. „Für mich ist ein neues Stadion alternativlos“, sagte Kornett der Berliner Morgenpost: „Moderner Fußball findet in modernen Fußballarenen statt. Das Erlebnis Fußball und die Vermarktung hängen daran. Dort ist es leichter, Vermarktung und Faninteressen zusammenzubringen.“ Nur in so einem Umfeld könne sich ein Klub weiterentwickeln. Das Olympiastadion sieht er als ein Korsett, einen Ort mit begrenztem Handlungsspielraum.

Eröffnung war sieben Jahre nach dem Grundstückskauf

Hertha strebt bekannt den Bau einer Arena mit 55.000 Plätzen an, in der man ab 2025 spielen möchte. Das erfordert einen verkehrsmäßig gut erschlossenen Standort, speziell bezüglich des öffentlichen Nahverkehrs. Die generellen Rahmenbedingungen werden gerade geprüft. Es ist wichtig, keine Zeit zu verlieren. „Es gibt viele Sachen, an denen man schon bald mit hohem Druck arbeiten muss“, sagt Kornett. Er unterzeichnete 2001 den ersten Teilkaufvertrag für das Gelände am ehemaligen Ostgüterbahnhof. 2006 folgte die Grundsteinlegung, 2008 wurde die Arena mit einer ziemlichen Punktlandung in Zeit und Budget (165 Millionen Euro) fertiggestellt. Kornett: „Es war nicht freiwillig, dass das so lange gedauert hat.“

Das Problem sind verschiedene Interessenlagen. In diesem Fall heißt das: Das Land Berlin sieht die Erhaltung des Olympiastadions in Gefahr, Hertha will unbedingt eine eigene Spielstätte. Möglichst im Olympiapark, zur Not im brandenburgischen Ludwigsfelde. „Um ein solches Großprojekt zu realisieren, ist es wichtig, dass es einen einheitlichen, parteiübergreifenden politischen Willen gibt, damit daraus etwas wird“, erzählt Kornett.

Ist der nicht gegeben, türmen sich immer wieder neue Hindernisse auf, Pläne sind dann kaum einzuhalten. „Da sehe ich im Moment mit Sorge, dass die Positionen eher konfrontativ sind als konsensfähig, dass die Politik das eher als Profilierung nutzt“, so der Manager. Einer der wesentlichen Gründe, warum in Frankfurt am Main, einer Stadt, in der viel Geld unterwegs ist, noch immer keine Multifunktionsarena steht, war bis vor Kurzem die schwierige politische Lage dort. Es gab keine Einigkeit.

Hertha braucht ein Gesicht für den Stadionbau

Herthas Finanzchef Ingo Schiller bekam schon einen Vorgeschmack darauf, was ihm noch bevorsteht. Bei seinem ersten Auftritt im Abgeordnetenhaus musste er in einer Stunde etwa 40 Fragen beantworten. Kornett, der mit dem damaligen Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) einen offenen und durchsetzungsfähigen Ansprechpartner hatte, tagte einst mit allen Parteien in einzelnen Sitzungen, auf Landes- und Bezirksebene. Auch dort herrschen unterschiedliche Interessen. „Gerade in der Bezirkspolitik findet die eine oder andere Sitzung in einer Gastronomie statt, das dauert dann“, sagt Kornett und lacht.

Insgesamt sei es wichtig, sich Beratung zu holen und eine Strategie zu entwickeln. Diese Lobbyarbeit gleicht einem Vollzeitjob. Deshalb empfiehlt er Hertha, „ein Gesicht für diese Aufgabe“ zu finden. Jemanden, der sich bei Hertha ausschließlich darum kümmert. Aus dem aktuellen Management könne diese zusätzliche Arbeit kaum jemand nebenbei leisten.

Den Olympiapark findet Kornett „richtig gut“, die verkehrliche Erschließung ist bereits vorhaben. Außerdem, gibt er zu bedenken, habe die Politik über viele Jahre eine große Unzufriedenheit in der Nutzung des Geländes beklagt, weil jene zu viele Zuschüsse kostet. Das dürfe nun nicht vergessen werden. Ludwigsfelde sieht der Manager hingegen kritisch, weil es ein sehr am Rand gelegener Standort sei, der dem Einzugsgebiet von Hertha vielleicht nicht genug entspreche.

Wohnraumknappheit und Tierschutz könnten problematisch werden

Um politische Einigkeit zu erzielen, sollten nicht mehr als zwei Jahre vergehen (Ludwigsfeldes Bürgermeister fordert eine Entscheidung noch 2018). Parallel müssten bereits Infrastrukturplanungen laufen, bei denen viel in der öffentlichen Hand liegt. Spätestens 2021 sollte das definitive Startsignal zum Bau kommen, um nach allen Genehmigungsverfahren mit einer reinen Bauzeit von rund drei Jahren fristgerecht eröffnen zu können. Um die Finanzierung macht sich Kornett keine Sorgen, vielmehr könnten noch einige Widerstände auf den Klub zukommen. Etwa sei wegen der Wohnungsknappheit mit Gegenwind zu rechnen, schließlich könnte das Gelände auch für Wohnraum genutzt werden. Auch der Tierschutz sei nicht zu vergessen. „So viel Wirbel wie bei der Erschließung des Areals zwischen Ostbahnhof und Warschauer Straße erwarte ich jedoch nicht“, so Kornett. Er musste damals auf Empfehlung des Bundeskriminalamtes sogar mit Personenschutz an Ausschusssitzungen teilnehmen.

Hertha ist gerade dabei, Arbeitsgruppen zu bilden für die politischen Fragen, die zunächst zu klären sind. Mit Blick natürlich zuvorderst auf ein neues Stadion im Olympiapark. „Ich glaube, für die Stadt Berlin wäre das eine Supernummer“, sagt Detlef Kornett, der einst die Vision vom neuen Stadtviertel zwischen Ostbahnhof und Warschauer Straße umsetzte, in dessen Kern die Arena steht.