Bundesliga

Hertha BSC empfängt RB Leipzig: Fan-Proteste erwartet

Hertha empfängt mit Leipzig den umstrittensten Klub des Landes. Fan-Aktionen sind programmiert, das Spieltagskonzept wird angepasst.

Im Hinspiel wurde in Herthas Fan-Block ein geschmackloses Banner gezeigt, dass die Burn-out-Erkrankung von Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick 2011 aufgriff

Im Hinspiel wurde in Herthas Fan-Block ein geschmackloses Banner gezeigt, dass die Burn-out-Erkrankung von Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick 2011 aufgriff

Foto: imago sport / imago/Matthias Koch

Berlin.  Die Anspannung steigt, natürlich, schließlich kommt am Sonnabend nicht irgendein Bundesligist ins Olympiastadion, sondern das klubgewordene Feindbild im deutschen Fußball. Hertha empfängt um 18.30 Uhr RB Leipzig, jenen auf millionenschweren Brause-Bläschen emporgesprudelten Aufsteiger also, dem aus den Fankurven der Republik entschiedene Ablehnung entgegenschlägt. Oft sogar blanker Hass.

Auch in Berlin werden sich die Anhänger etwas einfallen lassen, um ihre Kritik am Konstrukt Rasenballsport auszudrücken. Im besten Fall etwas Gewitztes, Originelles – Spruchbänder, die sich jenseits tumber Hetze bewegen. Schlimmstenfalls, das haben die Attacken auf RB-Fans in Dortmund Anfang Februar gezeigt, eskaliert der Protest jedoch in Gewalt. Damals waren auch Kinder, Frauen und Familien angegangen worden, wenn nicht physisch, dann aufs Derbste verbal. Ein Vorfall, der die gesamte Liga in Aufruhr versetzt hatte.

DFB schickt Sicherheitsbeobachter

„Wir tun in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden alles dafür, dass jeder Besucher des Olympiastadions sich sicher fühlt“, sagt Thomas E. Herrich, der als Mitglied der Hertha-Geschäftsführung für die Durchführung der Heimspiele verantwortlich ist. Erwartet werden am Sonnabend mehr als 60.000 Besucher, bis zu 10.000 davon aus Leipzig. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB), der zwischen normalen Spielen, Spielen unter Sicherheitsbeobachtung und Risikospielen unterscheidet, ordnet die Partie der mittleren Kategorie zu. An und in der Arena werden die Fanlager daher strikt getrennt, außerdem wird im Stadion nur alkoholfreies Bier ausgeschenkt.

Zusätzlich entsendet der Verband Beobachter nach Berlin, die die Lage vor Ort begutachten – so wie letztmals am 22. Spieltag gegen Eintracht Frankfurt. Hertha wird überdies mehr Ordner als üblich einsetzen. Genaue Zahlen werden aus Sicherheitsgründen geheim gehalten.

Welch hässliche Blüten der Widerstand gegen Champions-League-Anwärter RB treiben kann, zeigte schon das Hinspiel in Leipzig. Damals wurde im Berliner Fan-Block ein Banner präsentiert, das sich an Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick richtete. „Ey Ralf, wir warten sehnlichst auf deinen nächsten Burnout“, stand dort blau auf weiß. Mehr als eine Geschmacklosigkeit, von der sich Manager Michael Preetz noch während des Spiels via Twitter im Namen des gesamten Klubs distanzierte.

Zwist zwischen Präsident Gegenbauer und den Ultras

Auch aus Teilen der Fanszene war seinerzeit zu vernehmen, dass diese Aktion weit über das Ziel hinausgeschossen sei. Am Grundsatz, beim Thema RB Leipzig zu provozieren und zu Diskussionen anzuregen, hat das jedoch nichts geändert. Öffentlich äußern möchte sich zu dem Thema aber niemand aus dem Fanlager. Bei Hertha halten sie sich ebenfalls bedeckt. Statt der Fanbetreuung kommuniziert lediglich Herrich.

Dass die Ostkurve auf Anti-RB-Statements verzichtet, ist jedoch kaum vorstellbar. Zu gewaltig ist der Groll auf den Retortenklub, dem seit Gründung 2009 der Vorwurf anhaftet, nur als Marketinginstrument des Getränkeherstellers Red Bull zu existieren. RB-Bashing ist längst Fan-Volkssport – auch in Berlin, zumal sich Hertha aus Sicht einiger Ultras nicht entschieden genug gegen Leipzig positioniert.

Als Präsident Werner Gegenbauer auf der Mitgliederversammlung im Dezember gefragt wurde, wie man sich pro Tradition und contra Kommerz aussprechen wolle, fiel die Antwort eindeutig aus. Gar nicht. Die Aufgabe sei es, RB sportlich zu besiegen, nicht aber „zu kritisieren, dass Leipzig auf die Landkarte des Fußballs zurückgekommen ist“, sagte Gegenbauer harsch. Daran hat sich nichts geändert. Eine Sichtweise, die viele Ultras nicht akzeptieren wollen.

Kritik am Ton in den Fan-Kurven

Der Ton und das Verhalten in den Fankurven beunruhigt inzwischen auch die Verantwortlichen der Deutsche Fußball-Liga (DFL). Die Verhaltensweise einiger Fans sei „asozial“, wetterte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert vorige Woche – „das hat nichts mehr mit kritischer Meinungsäußerung zu tun. In Wahrheit sind diese Personen die Totengräber der Fankultur, um die es ihnen angeblich geht.“ Kritik, die sich nicht nur auf den ausufernden Protest gegen RB Leipzig bezog, sondern auch auf Schmähplakate gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp und den Einsatz von Pyrotechnik.

Fan-Schlagzeilen in Zusammenhang mit RB Leipzig waren in dieser Saison fast im Zwei-Wochen-Takt zu lesen – nicht nur wegen teils menschenverachtender Transparente. Fans des 1. FC Köln verzögerten mit einer Sitzblockade die Anreise des neuen, ungeliebten Konkurrenten. Bei Leipzigs Pokalspiel in Dresden wurde ein echter Bullenkopf aus dem Dynamo-Fanblock in den Stadioninnenraum geworfen. In Dortmund schließlich wurden vor der Arena Leipziger Fans angegriffen.

Vorkommnisse dieser Art hat es im und am Olympiastadion lange nicht gegeben. Wenn, dann kam es außerhalb der Arena zu Krawallen, sei es auf Autobahnen, Bahnhöfen oder anderen Orten, die nicht in Herthas Zuständigkeit liegen. Für Sonnabend ist zu hoffen, dass es sowohl im Stadion als auch außerhalb fair zugeht.