Bundesliga

Herthas Ziel: Bremen vergessen, Leipzig schlagen

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Uwe Bremer
Lange Gesichter bei Hertha: Ondrej Duda (v.l.), Florian Baak, Rune Jarstein, Genki Haraguchi nach dem 0:2 in Bremen

Lange Gesichter bei Hertha: Ondrej Duda (v.l.), Florian Baak, Rune Jarstein, Genki Haraguchi nach dem 0:2 in Bremen

Foto: Oliver Hardt / Bongarts/Getty Images

Wie Hertha mit der neunten Auswärtsniederlage in Folge umgeht und sich dennoch den Traum von der Europa League erfüllen will.

Berlin.  Man kann über Details ­reden: Warum es Hertha BSC auswärts so gut wie nie gelingt, mal in Führung zu gehen. Warum Hertha in Bremen erneut so früh in Rückstand geraten ist (0:2 nach 15 Minuten/Endstand 0:2) – wie schon in Gladbach (0:1 nach 16 Minuten/0:1), in Köln (0:1 nach sechs Minuten/2:4) oder in Leverkusen (0:1 nach zwölf Minuten/1:3). Warum Hertha nach einem Rückstand noch jedes Auswärtsspiel in diesem Jahr verloren hat.

Man kann auch auf das große Ganze schauen: Dass die Bundesliga 2016/17 schwach ist. Weil oben vier Teams (Bayern, Leipzig, Hoffenheim, Dortmund) mit weitem Vorsprung die Champions-League-Plätze unter sich ausmachen. Weil es einen Mittelbauch gibt von Platz 5 bis 17, wo jede Mannschaft das Potenzial hat, entweder um die Europa League zu spielen – oder gegen den Abstieg. Dann ist da noch Schlusslicht Darmstadt in einer eigenen Kategorie.

Hertha holt von 21 möglichen Punkten sechs

Es ist schwer zu verstehen: Hertha hat aus den letzten sieben Partien von 21 möglichen Punkten lediglich sechs geholt – ist aber wie vor sieben Wochen auch aktuell Liga-Fünfter. Innenverteidiger Sebastian Langkamp wunderte sich nach dem 0:2 in Bremen: „Es ist wohl so, dass alle Mannschaften, die um Europa kämpfen, Wellentäler haben.“

Trainer Pal Dardai wirkte ratlos. „Das ist schon in der gesamten Rückrunde auswärts zu sehen: Wir kassieren Tore, die einfach nicht in Ordnung sind.“ Nach der neunten Auswärtspleite in Serie mag niemand mehr die Gründe hören: Dass Hertha mit John Brooks, Marvin Plattenhardt, Niklas Stark, Fabian Lustenberger, Mitchell Weiser, Valentin Stocker sechs Stammkräfte verletzt fehlen.

RB Leipzig zieht die Fans

Und Ondrej Duda kann zwar das, was Hertha schmerzlich vermisst: „Den klugen letzten oder vorletzten Pass“, wie Trainer Dardai sagt. Aber der offensive Mittelfeldspieler ist nach zehnmonatiger Zwangspause mit Blick auf das prestigeträchtige Duell am Sonnabend gegen RB Leipzig (18.30 Uhr, Olympiastadion) laut Dardai „kein Kandidat für die Startelf, dafür fehlt es noch an Kraft und Dynamik“. Die Partie gegen den Tabellenzweiten lockt die Fans. Hertha erwartet mehr als 60.000 Zuschauer.

Drei Wochen stehen noch aus, die genaue Analyse über Schwächen und Stärken werden die Hertha-Verantwortlichen nach Saisonende vornehmen. Immerhin zeigte Hertha über die gesamt Saison eine Qualität, die der sehr viel teurer besetzten Konkurrenz von Bayer Leverkusen, dem VfL Wolfsburg oder dem HSV – alle stecken in Abstiegsgefahr – abgeht: Stabilität. Hertha ist in keinem Saisonspiel untergegangen, auch in Bremen nicht. „So wenig, wie die Auswärtsschwäche zu erklären ist, so wenig ist die Heimstärke zu begründen“, sagte der derzeit verletzte Lustenberger im RBB-„Sportplatz“.

Lustenberger: Platz fünf bleibt das Ziel

Auf die setzt Hertha im Endspurt. 37 Punkte haben die Berliner im Olympiastadion geholt, nur Hoffenheim und Leipzig sind mit 38 Punkten zu Hause besser, ­allerdings haben beide bereits ein Heimspiel mehr bestritten. Im Restprogramm der Blau-Weißen stehen zwei anspruchs­volle Heimgegner (Leipzig/6. Mai und Leverkusen/20. Mai). Da­zwischen führt die letzte Auswärtsreise der Saison nach Darmstadt (13. Mai).

Lustenberger wunderte sich über die Stimmung unter Fans und Medien: „Ich bin im Moment ja etwas weiter weg. Wenn man so zuhört und liest, könnte man meinen, dass wir irgendwo abgeschlagen im Nirgendwo liegen.“ Richtig sei aber das Gegenteil: „Wir spielen im zweiten Jahr in Folge eine gute Saison. Platz fünf haben wir uns erarbeitet. Den wollen wir verteidigen, mindestens Sechster werden. Das war das Ziel, das wir im Winter ausgegeben haben. Daran halten wir fest.“

Dardai: Die Realität verdient Respekt

Trainer Dardai klingt fatalistisch. „Wir brauchen aus den letzten drei Partien zwei Siege, dann spielen wir in Europa.“ Und wenn nicht? Dardai: „Die Realität verdient Respekt. Wenn wir es nicht schaffen, sind wir nicht so weit.“