Bundesliga

Hertha geht in einer Viertelstunde k.o.

In Bremen kassiert Hertha BSC die neunte Auswärtsniederlage in Folge, hält als Fünfter aber weiter Kurs Europa

Werders Max Kruse trifft zum 2:0

Werders Max Kruse trifft zum 2:0

Foto: imago sport / imago/Nordphoto

Bremen.  Vielleicht sollte sich Hertha das Geld für die letzte verbleibende Auswärtsfahrt der Saison sparen. Die Berliner könnten die Punkte in zwei Wochen einfach kampflos abgeben und so Kräfte schonen für das Saisonfinale im Olympiastadion. In der Fremde jedenfalls – das bewies der 31. Spieltag einmal mehr – bleiben Bundesligapunkte nur ein frommer Wunsch. Bei Werder Bremen verlor die Mannschaft von Trainer Pal Dardai mit 0:2 (0:2), was vor allem daran lag, dass die Gäste bei den Treffern von Fin Bartels (9. ­Minute) und Max Kruse (15.) kräftigst mithalfen. „Wir verteilen Geschenke bei den Gegentoren“, sagte Trainer Pal Dardai, „das war viel zu naiv.“ Seine Wortschöpfung lautete: „Das sind begleitete Tore.“ Am Ende stand die neunte Auswärtsniederlage in Folge.

Der Vorsprung auf den Verfolger aus dem Norden schmolz somit auf ein Pünktchen. Trotzdem verteidigten die Berliner in der Tabelle Rang fünf, weil Verfolger Freiburg bei Schlusslicht Darmstadt patzte. Die Europa-Pokal-Chancen sind somit weiter intakt. „Wir können die Saison noch immer gut beenden“, sagte Maximilian Mittelstädt.

Zur Ehrenrettung der Berliner sei gesagt, dass die Vorzeichen in Bremen nicht eben verheißungsvoll waren. Einerseits, weil Werder nach einem zehn Spiele währenden Erfolgslauf vor Selbstvertrauen fast platzte. Vor allem aber, weil mit John Brooks und Marvin Plattenhardt (beide Muskelfaserriss) die halbe Abwehr fehlte. So lag die Verantwortung auf der linken Defensivseite in den Füßen von Jordan Torunarigha (19) und Mittelstädt (20), die ihre Sache anständig machten.

Rune Jarstein: Das war einfach schlecht

In den Mittelpunkt rückte stattdessen ein anderer Youngster: der Brasilianer Allan (20), der im defensiven Mittelfeld zum dritten Mal den verletzten Niklas Stark vertrat. Als Werder nach einem Darida-Freistoß zum Konter ansetzte, wusste der Sechser dem flinken Fin Bartels nichts entgegenzusetzen, ließ sich viel zu leicht abschütteln. So rannte der Bremer allein aufs Berliner Tor zu und schob mit Bedacht flach ein – 0:1 (9.). „Wir wussten, dass Bremen konterstark ist“, ärgerte sich Kapitän Vedad Ibisevic, „so eine Szene wollten wir unbedingt verhindern.“

Dass Allan auch beim zweiten Gegentreffer beteiligt war, lässt sich nicht verschweigen, nur relativieren. Diesmal übernahm er lediglich eine Nebenrolle, als er Torhüter Rune Jarstein mit einem Rückpass forderte, aber nicht übermäßig in die Bredouille brachte. Umso erstaunlicher kam der Blackout des sonst so zuverlässigen Keepers. Jarstein schob den Ball direkt in die Füße von Bartels, der gedankenschnell quer legte auf Kruse. Pitsch, patsch, 0:2 (15.) – mehr Gastgeschenke lassen sich kaum verteilen. „Es gibt keine Entschuldigung“, sagte Jarstein, „das war einfach schlecht.“ Seine Kollegen versuchten zu trösten: „Er hat uns im letzten Spiel den Arsch gerettet“, meinte Ibisevic, „wir können ihm keinen Vorwurf machen.“

Dass das Gros der 42.100 Zuschauer im Weserstadion nach 20 Minuten siegessicher zu singen begann, kam nicht von ungefähr. Hertha bekam keinen Zugriff, wirkte unsortiert und fahrig, kurz: chancenlos. „Steht auf, wenn ihr Bremer seid“, schallte es aus Ostkurve. Der Gästeblock auf der Gegenseite meldeten sich nun ebenfalls zu Wort: „Wir wollen euch kämpfen sehen“, riefen die 3000 mitgereisten Berliner. Nach 45 Minuten fiel Herthas Zweikampfquote desolat aus: 36 Prozent. Pal Dardai blieb – untypisch für ihn – die gesamte erste Hälfte sitzen und verzichtete auf Anweisungen. Eine Geste, die für sich sprach.

Nun war es nicht so, dass Hertha offensiv nicht stattgefunden hätte. Um von ernsthafter Torgefahr zu sprechen, bedurfte es allerdings einigen Wohlwollens. Zu einem 20-Meter-Freistoß von Vladimir Darida (24., drüber) und einem Kopfball des Tschechen nach Flanke von Peter Pekarik (37., vorbei) gesellten sich nach dem Seitenwechsel noch Gelegenheit für Salomon Kalou (52., vorbei) und Ibisevic (83., per Kopf in die Arme von Werder-Torwart Felix Wiedwald). Aussichtsreicher agierten die Bremer, die zwar zunehmend ihrer Kräfte schonten, nach 71 Minuten aber die Riesenchance zum dritten Tor ­hatten, doch Theodor Gebre Selassie schoss über den Hertha-Kasten.

Pech hatte Hertha auch noch. Ein klares Foul von Lamine Sané an Ibisevic im Bremer Strafraum ließ Schiedsrichter Patrick Ittrich, der freie Sicht auf die Szene hatte, ungeahndet (81.) – eine krasse Fehlentscheidung. Ibisevic verstand die Welt nicht mehr: „Was soll ich dazu noch sagen?“, fragte der Stürmer ratlos. Dardai ging es ähnlich. „Das war ein Elfmeter, aber wir ­erhalten nur sehr selten Elfmeter“, meinte der Coach.

Etwas Positives gab es dann doch noch mitzunehmen aus Bremen. Mit Florian Baak (18) gab in der Schlussphase ein weiteres Eigengewächs sein Bundesliga-Debüt. Und wichtiger noch: Sebastian Langkamp kam ohne fünfte gelbe Karte durchs Spiel. Am Sonnabend im Heimspiel gegen RB Leipzig kann der Verteidiger somit mitwirken.