Hertha BSC

Allan verpasst Arbeitserlaubnis für Premier League

Hertha überlegt noch, ob die Leihgabe von Jürgen Klopp vom FC Liverpool auch für die kommende Saison verpflichtet werden soll

Energsich: Herthas-Mittelfeldspieler Allan (r.) im Zweikampf mit dem Wolfsburger Daniel Didavi

Energsich: Herthas-Mittelfeldspieler Allan (r.) im Zweikampf mit dem Wolfsburger Daniel Didavi

Foto: Boris Streubel / Bongarts/Getty Images

Berlin.  19 Seiten juristischen Text umfasst das Regelwerk des englischen Football Association (FA) allein für den Frage: Wann darf man im englischen Profifußball spielen? Das Punkte-System ist kompliziert: Wie alt ist der Spieler? Kommt er aus einer Nation, die in der Weltrangliste unter den Top-10-Teams steht? Oder zwischen 11 und 20? Hat der Spieler in einer der sechs großen europäischen Ligen gespielt? Hat er Länderspiele absolviert? Im A-Nationalteam oder bei den Junioren? Qualifikations- oder Turnier-Spiele? Reichen die Sprachkenntnisse des Spielers, um den Englisch-Test des Innenministeriums zu bestehen? Und viele Anforderungen mehr.

Eigentlich, so war es geplant, hat Jürgen Klopp als Trainer des FC Liverpool den Brasilianer Allan ­Souza an Hertha BSC ausgeliehen, damit der 20-Jährige in Deutschland Einsätze erhält, um jene Punktzahl zu sammeln, die ein Profi für die Arbeitsgenehmigung in der Premier League braucht.

Preetz: Allan erreicht nicht die nötigen Punkte

Die Hertha-Juristen stöhnen unter der Komplexität der Bedingungen – doch mittlerweile sind die Details egal. „Allan wird, selbst wenn er in allen ausstehenden vier Saisonspielen zum Einsatz käme, die nötige Punktzahl nicht erreichen“ sagte Herthas Manager ­Michael Preetz der Morgenpost.

Allan, ein defensiver Mittelspieler, kommt bisher auf elf Bundesliga-Einsätze, dazu eine Partie im DFB-Pokal. Nach den Ausfällen von Fabian Lustenberger (Schambein-Entzündung) und Niklas Stark (Ermüdungsverletzung) ist Allan erstmals seit seiner Ankunft in Berlin im vergangenen August erste Wahl. Der Brasilianer stand gegen Mainz (0:1) und Wolfsburg (1:0) in der Startelf. Und wird wohl auch am Sonnabend bei ­Werder ­Bremen (15.30 Uhr) in der ­Anfangsformation stehen.

Hertha ist für Allan die dritte Station in Europa

Trainer Pal Dardai hatte zur Pause der Wolfsburg-Partie noch geschimpft: „Allan war überall auf dem Platz, aber zu selten auf seiner Position. Das können wir uns nicht leisten. In der zweiten Hälfte hat er es dann gut gemacht.“ ­Allan ist robust im Zweikampf und ­ballsicher. Schon bei der Balleroberung denkt er offensiv und versucht den Gegner mit mutigen Abspielen nach vorn unter Druck zu setzen. Aber es mangelt nach wie vor am Spielverständnis. Allan sagte nach dem Wolfsburg-Spiel: „Ein wichtiger Sieg für den Endspurt.“

Hertha ist die dritte Station für Allan in Europa. Liverpool (wo er ja nicht spielen darf) hatte ihn im Sommer 2015 von Internacional Porto Alegre geholt und ihn für jeweils sechs Monate ausgeliehen an SJK Seinäjoki/Finnland und St.-Truiden/Belgien. Wie es nun weitergeht, ist offen. Hertha hat nicht vergessen, dass Allan entgegen aller Ratschläge fünf Wochen mit der brasilianischen U-20-Nationalmannschaft bei der Südamerikameisterschaft in Ekuador unterwegs war. Dort kam Allan dann aber zu nur drei Einsätzen.

Der Vertrag beim FC Liverpool läuft bis 2020

Als er Mitte Februar zurückkam, hatte er den Anschluss verpasst. Es lagen fast vier Monate und 13 Bundesligaspiele zwischen Allans letztem Einsatz in 2016 (0:2 in Leipzig) und dem nächsten gegen Augsburg (8. April/2:0). „Wir waren nicht glücklich über diese Reise“, bekennt Preetz.

Der Manager wird mit Trainer Dardai entscheiden, ob Allan Hertha in der kommenden Saison hilft. „Wir sind im regelmäßigen Austausch mit Liverpool“, sagt Preetz. Die Entscheidung liegt bei den Briten, dort steht Allan bis 2020 unter Vertrag. Prognose: Da Hertha auf Kurs Europa League liegt und so nächste Saison mehr Spiele ­hat, wird Allan hier helfen.