Bundesliga

Hertha-Torwart Jarstein: Mit Mister Cool nach Europa

Der norwegische Nationaltorwart spielt zum zehnten Mal zu Null. Im Saisonfinale bringt nur Platz fünf Planungssicherheit

Hertha-Torwart Rune Jarstein brachte mit seinen Paraden den VfL Wolfsburg zur Verzweiflung

Hertha-Torwart Rune Jarstein brachte mit seinen Paraden den VfL Wolfsburg zur Verzweiflung

Foto: Boris Streubel / Bongarts/Getty Images

Berlin.  Auch für Anhänger, die sich intensiv mit ihrem Klub befassen, gibt es immer noch etwas Neues. So erzählte Hertha-Trainer Pal Dardai, dass der eingewechselte Jordan Torunarigha, ein Manndecker aus dem Hertha-Nachwuchs, nicht zufällig als Sturmspitze die Position von Kapitän Vedad Ibisevic übernommen hat. „Jordan ist schnell und eigentlich Stürmer mit Tor-Genen“, sagte Dardai, „er ist nur irgendwann zum Innenverteidiger umgebastelt worden.“ Und Rune Jarstein, bester Mann im Olympiastadion beim 1:0 (0:0) von Hertha BSC gegen den VfL Wolfsburg, erklärte seine fußballerischen Stärken so: „Ich habe in der Jugend immer eine Halbzeit im Tor gespielt und in der zweiten im Sturm.“

Am Mikrofon des RBB-„Sportplatzes“ sagte der Hertha-Schlussmann: „Ich mag es, draußen zu spielen und oft den Ball zu haben.“ Deshalb sei es kein Zufall, dass in der Bundesliga Jarstein mit großen Abstand der Torwart ist, der die meisten langen Bälle spielt.

Paraden gegen Malli und Gomez

Dass die Berliner gegen Wolfsburg zu Null spielten, haben sie ihrem norwegischen Nationaltorwart zu verdanken. Jarstein war, anders als seine Kollegen, bereits nach 20 Sekunden hellwach und parierte gegen den Wolfsburger Yunus Malli. Noch spektakulärer war die Parade gegen den frei vor ihm ­auftauchenden Mario Gomez.

„Ich bin zwei, drei Schritte nach vorne und habe dann reagiert“, beschreibt Jarstein seinen Sprung nach rechts, als er den Ball mit einer Hand am Tor vorbei lenken konnte. Es war die zweite Großchance binnen sechs Minuten, die Hertha den Gästen ermöglichte – nun wurde Jarstein laut. „Wir waren etwas unkonzentriert. Ich wollte sagen, dass wir uns steigern müssen.“

Dank an „den lieben Gott und Rune“

Ein starker Jarstein und ein effizienter Torjäger Ibisevic, der seine einzige Chance zum Siegtreffer nutzte (59.) – auch wenn Herthas zwölfter Heimsieg glücklich war, war er eminent wichtig. „Wir müssen uns beim lieben Gott und bei Rune bedanken“, sagte Trainer Dardai. Sein Team liegt nach 30 Bundesliga-Runden auf dem fünften Platz.

So sehr der schwache Start den Coach verärgert hatte, so sehr lobte er die Reaktion: „Die Mannschaft hat sich selbst aus den Problemen befreit, in die sie sich gebracht hat. Vor allem in der zweiten Hälfte war es gut.“ Jarstein ist Herthas Mr. Cool. Zum zehnten Mal spielte der Torwart zu Null – in der Liga ist nur Manuel Neuer von Meister und Tabelleführer Bayern München (14) besser. Jarstein gibt das Ziel für den Endspurt aus. „Wir wollen Fünfter bleiben.“ Hertha hat es noch zu tun mit Werder Bremen (auswärts), RB Leipzig (heim), SV Darmstadt (a) sowie Bayer Leverkusen (h).

Das Rätsel: Welcher Platz berechtigt wofür?

Zu den Eigenheiten der Liga gehört, dass vier Wochen vor Saisonende immer noch nicht klar ist, was genau welche Bundesliga-Platzierung zum Saisonende bedeutet. Derzeit stellt sich die Situation für Hertha so dar:

Rang fünf Der Wunschplatz. Weil Hertha als Bundesliga-Fünfter direkt für die Gruppenphase der Europa League 2017/18 qualifiziert ist. Die ­bedeutet garantierte sechs inter­nationale Begegnungen.


Rang sechs Eigentlich muss der Sechste zwei K.o.-Runden überstehen (die dritte Qualifikationsrunde zur Europa League sowie die Play-off-Runde), um die Gruppenphase zu ­erreichen. Es sei denn, der FC Bayern oder Borussia Dortmund (beide potenzielle Champions-League-Teilnehmer 2017/18) gewinnt den DFB-Pokal. Da der DFB-Pokalsieg mit einem automatischen Europa-League-Startplatz gekoppelt ist, würde in diesem Fall der Fünfte auf dem DFB-Pokal-Ticket in die Europa League einziehen. Der Sechste übernimmt dann den Startplatz in der Gruppenphase des ­Fünften. So ist es dem FSV Mainz im vergangen Sommer ergangen (nach dem DFB-Pokalsieg der Bayern).

Rang sieben Der Risiko-Platz. Gewinnt Frankfurt oder Gladbach den DFB-Pokal und beendet die Liga-Saison nicht unter den ersten Sechs, geht der Siebte leer aus. Holen aber die Bayern oder der BVB den Pott, übernimmt der Siebte den Europa-League-Startplatz, der eigentlich für den Sechsten vorgesehen ist: Es sind dann zwei K.o.-Runden (dritte Qualifikationsrunde und Play-off-Runde) zu überstehen, um in die Gruppenphase der Europa League zu gelangen. Auf diesem Ticket ist Hertha im vergangenen Sommer ­gefahren (1:0, 1:3 gegen Bröndby IF).

Auflösung eventuell erst nach dem Pokalfinale

Heißt: Als Liga-Sechster oder -Siebter weiß Hertha unter Umständen am Saisonende (20. Mai) nicht, was der Platz bedeutet. Klarheit gibt es erst, wenn das DFB-Pokalfinale am 27. Mai im Olympiastadion gespielt ist. Einer Hängepartie, der Hertha entgehen kann, indem die ­Saison auf Platz fünf beendet wird.

Jarstein: „Ich habe mit Rosenborg in der Europa League gespielt. Das ist gut für den Klub und für die Stadt.“