Bundesliga

Kalou gegen Gomez: Duell der Volltreffer

Hertha gegen Wolfsburg oder Kalou gegen Gomez. An das Champions-League-Finale von 2012 erinnert sich der Wolfsburger nur ungern.

2012 begegneten sich Salomon Kalou, damals für den FC Chelsea (r.), und Mario Gomez, im Bayern-Trikot, im Endspiel der Champions League. Der Favorit aus München unterlag im „Finale dahoam“  dem Außenseiter aus London im Elfmeterschießen

2012 begegneten sich Salomon Kalou, damals für den FC Chelsea (r.), und Mario Gomez, im Bayern-Trikot, im Endspiel der Champions League. Der Favorit aus München unterlag im „Finale dahoam“ dem Außenseiter aus London im Elfmeterschießen

Foto: Getty Images / AFP/Getty Images

Berlin.  Salomon Kalou versucht es mit der einfachsten aller Erklärungen: „Vielleicht ist es nur Glück?“ Er schaut den Fragesteller an und dann auf den Zettel, der vor ihm auf dem Tisch liegt. Dort steht: 24. September 2014 Hertha - VfL Wolfsburg 1:0. Torschütze Kalou, es war damals sein erster Treffer in der Bundesliga. 20. Februar 2016 Wolfsburg - Hertha 1:1. Berliner Torschütze: Kalou. 3. Dezember 2016 Wolfsburg - Hertha 2:3. Torschütze des Siegtreffers in der Nachspielzeit: Kalou per ­Foulelfmeter.

Kalou strahlt: „Irgendwie treffe ich gerne gegen Wolfsburg.“ Eine Serie, die er an diesem Sonnabend fortschreiben will, wenn Hertha BSC den VfL Wolfsburg empfängt (15.30 Uhr, Olympiastadion/Sky, Liveticker bei immerhertha.de). Zumal Kalou am 30. Bundesliga-Spieltag auf einen Konkurrenten trifft, der ihm auch am wichtigsten Abend seiner Fußball-Karriere als Gegner gegenüber gestanden hat.

Was macht einen Torjäger aus?

Am 19. Mai 2012 gewann Kalou mit Außenseiter FC Chelsea in der Champions League das „Finale dahoam“ im Elfmeterschießen beim FC Bayern. Mittelstürmer der Münchener war Mario Gomez, der in dieser Saison für das Toreschießen bei Wolfsburg zuständig ist.

Gomez und Kalou stehen mit mittlerweile 31 Jahren im Herbst ihrer Fußball-Karriere. In ihren Mannschaften sind beide jedoch unersetzbar. Der Ivorer, seit 2014 im Hertha-Trikot, erklärt warum. „Bei einem 4:0 die letzten beiden Tore in der Nachspielzeit zu erzielen - da hat man als Stürmer keinen Druck.“ Kalou überlegt einen Moment, ehe er fortfährt. „Ein guter ­Stürmer ist der, der trifft, wenn seine Mannschaft ein Tor am nötigsten braucht. Mario ­Gomez gehört ­unbedingt in diese ­Kategorie.“

14 Saisontore für Wolfsburg

Der VfL-Angreifer ist mit 14 Saisontreffern nicht nur mit Abstand der gefährlichste Spieler der Gäste. Er bestätigt auch die Eigenschaften, mit denen Kalou einen Torjäger beschreibt. Allein fünf Mal hat Gomez das Siegtor erzielt – in Wolfsburg mögen sie sich gar nicht ausmalen, wo der VfL ohne Gomez-Tore stehen würde in einer ohnehin enttäuschenden Saison.

Bei Hertha sind sie vorbereitet. Innenverteidiger Sebastian Langkamp sagt: ­„Gomez hat unter Trainer Jonker seine Stärke wiedergefunden. Man muss ihm den Zahn ziehen, ihm die Lust am Fußball ­nehmen.“ Trainer Pal Dardai gibt seiner Mannschaft zwei Mittel auf den Weg, um den deutschen Nationalstürmer des VfL (70 Länderspiele) nicht ins Spiel kommen zu lassen: „Wir müssen die Flanken auf Gomez ­verhindern. Und ihn am besten aus dem Strafraum heraushalten.“

Hertha liegt weiter auf Kurs Europa League

Kalou verfolgt den Weg von Gomez viel länger, als es mutmaßlich umgekehrt der Fall sein wird. Seit fast zehn Jahren „höre ich diesen Namen“, erzählt Kalou. Weil Arthur Boka, ein Kumpel aus dem Nationalteam der Elfenbeinküste – dort war Kalou 92 Mal im Einsatz – 2008 zum VfB Stuttgart gewechselt war. Er habe ­häufig telefoniert. „Arthur hatte eine gute Zeit, weil es in der Mannschaft einen Mario gab, der laufend Tore ­geschossen hat.“

Dieser Mario war so erfolgreich, dass die nächste Karrierestation der FC Bayern war. Dort sollte die Krönung 2012 erfolgen. Gomez und Kalou standen jeweils in der Startelf. Die Lehre, die Kalou aus dem Überraschungssieg mit dem FC Chelsea mitgenommen hat: „Du musst immer an dich glauben.“ Die zweite Lehre ­versucht er vor allem den jungen Spielern bei Hertha zu ­vermitteln: Alles dranzusetzen, um nächste Saison in der Europa League zu spielen.

Gomez erstmals im Abstiegskampf

Klar, nach der erneuten Auswärtsniederlage (0:1 in Mainz) ist es offensichtlich, „dass wir Probleme haben“, so Kalou. „Aber wir sind immer noch Fünfter, wir liegen weiter im Plan. Es gibt keinen Grund, in Panik zu ­verfallen.“ Mit Blick auf die Verfolger Köln, Bremen, Frankfurt oder Mönchengladbach sagt Kalou: „So sehr, wie wir bei Hertha den Druck spüren in die Europa League zu ­kommen – die Konkurrenten haben mindestens genau so viel Druck - aber sie haben weniger Punkte.“

Von wegen Druck: Gomez war nach Wolfsburg gewechselt, um in die Champions League zu kommen. Tatsächlich jedoch erlebt er mit Andries Jonker den dritten Trainer in neun Monaten – und kämpft erstmals in seiner Karriere gegen den Abstieg. Der VfL steht nur einen Zähler vor Relegationsrang 16. „Man macht sich in einer solchen Situation noch selbst etwas mehr Druck“, sagt Gomez, „weil man weiß, dass alle Fans und die Mitarbeiter im Verein mitleiden und von einem Abstieg besonders betroffen wären. Das ist schon eine emotional sehr ­fordernde Situation.“

Der Stolz, mit Hertha in Europa zu spielen

Kalou hingegen wirbt bei den Hertha-Kollegen. „Ich habe mit Feyenoord Uefa-Cup und mit Chelsea Champions League gespielt. Das ist eine unglaubliche Chance. Die jungen Spieler werden überrascht sein, wie viele Erfahrungen sie machen können. Europacup ist für gut den Verein und für die Fans.“ Und eine weitere Eigenschaft treibt Kalou: „Ich möchte nächste Saison in der Europa League zeigen, dass Hertha zu den Topklubs der Bundesliga gehört.“