Bundesliga

Probleme in der Herzkammer: Hertha ohne Stocker und Stark

Spielmacher Darida gesperrt, Stocker und Stark verletzt: Hertha braucht in Mainz Hilfe aus Reihe zwei – sonst droht ein Negativrekord.

Herthas Alexander Esswein (l.) ist mehr denn je als Torschütze und -vorbereiter gefordert. Sein bislang letzter Treffer liegt gut vier Monate zurück

Herthas Alexander Esswein (l.) ist mehr denn je als Torschütze und -vorbereiter gefordert. Sein bislang letzter Treffer liegt gut vier Monate zurück

Foto: Maja Hitij / Bongarts/Getty Images

Die Freude währte nur kurz. Am Mittwoch posierte Valentin Stocker zunächst noch lässig auf seinem Instagram-Profil, mit Heliumluftballons in der Hand, hoffnungsvollem Blick nach oben und einem zufriedenen Lächeln im Gesicht. Eine kleine Momentaufnahme anlässlich seines 28. Geburtstags, die wunderbar zu Herthas Mittelfeldspieler passte.

Ein Tor und eine Vorlage waren ihm ja zuletzt gegen Augsburg gelungen – nach frustrierenden Wochen auf der Ersatzbank schien er endlich wieder im Aufwind, befreit und leicht, bereit zum Abheben. Doch schon am Mittwochnachmittag entwich dieser Vision die Luft. Stocker musste das Training abbrechen.

Seit Freitag steht fest: Die muskulären Probleme, die sich Stocker am vergangenen Sonntag zugezogen hatte, sind zu heftig. Die Berliner müssen heute beim FSV Mainz (15.30 Uhr, Sky und im Liveticker bei immerhertha.de) ohne den torgefährlichen Nationalspieler antreten. Ein Ausfall, der zur Unzeit kommt. Weil Stocker das Momentum hat, einerseits, besonders aber, weil mit Vladimir Darida (Gelbsperre) auch Herthas Spielmacher fehlt. Statt Stocker wird nun Salomon Kalou auf die Position hinter Stürmer Vedad Ibisevic rücken.

Kritik an Haraguchi

Trainer Pal Dardai muss somit die komplette Dreierreihe im offensiven Mittelfeld verändern – und Profis aufstellen, die er gerade erst angezählt hat. „Flügelspieler haben die Aufgabe, Tore und Vorlagen zu produzieren“, sagte er mit Blick auf den bemühten, aber harmlosen Genki Haraguchi: „Er muss sich steigern, wenn er spielen will.“ Nun aber hat Dardai keine Alternative mehr auf Linksaußen.

Auf der rechten Außenbahn sieht es nicht anders aus. Mitchell Weiser laboriert noch an den Folgen eines Muskelfaserrisses, also bleibt nur Alexander Esswein, dem mit zwei Toren und zwei Vorlagen lediglich ein Scorerpunkt mehr gelang als Haraguchi (ein Tor, zwei Assists). „Ich glaube, Alex ist mit seinen Gedanken bei der Geburt seines Kindes“, hatte Dardai lange gemutmaßt. Tochter Emilia Malea kam jedoch schon vor drei Wochen zur Welt, und davon, dass der Knoten seither geplatzt wäre, kann keine Rede sein. Beim jüngsten Auswärtsspiel in Mönchengladbach vergab Esswein allein vor Torwart Yann Sommer den Ausgleich.

„Natürlich war ich sauer auf mich“, sagte er, „ich habe gewusst, was dieser Treffer bedeutet hätte, aber es bringt nichts, sich zwei Tage darüber zu ärgern.“ Sicher richtig. Richtig ist aber auch, dass Essweins Umständlichkeit vor dem Tor zu einem Mix aus Frust und Verzweiflung führt.

Rekonvaleszent Duda und Talent Kade auf der Bank

Dass Hertha dringend Tor-Nachschub aus der zweiten Reihe benötigt, ist seit Wochen unverändert – und im doppelten Sinn zu verstehen. Denn nicht nur von den Spielern hinter Ibisevic (elf Tore) und dem offensiv ausgerichteten Flügel Kalou (sechs) kommt zu wenig, auch von der Bank. Das letzte Joker-Tor liegt elf Spiele zurück.

Notgedrungen rutscht nach seinem Muskelfaserriss wieder Hoffnungsträger Ondrej Duda in den Kader. Mehr als ein Kurzeinsatz scheint jedoch unrealistisch, der Slowake hatte erst Mittwoch erstmals mit dem Team trainiert. Ein Einsatz war für das Heimspiel gegen Wolfsburg kommende Woche anvisiert.

Neben Duda wird in Mainz wieder Talent Julius Kade (17) auf der Bank sitzen – zum vierten Mal in den vergangenen fünf Spielen. Eine Notlösung. „Er braucht in seinem Alter Spielpraxis, um sich zu entwickeln“, sagt der Trainer. In der Bundesliga sitzt Kade jedoch auf der Bank, spielte erst acht Minuten. Seinen Stammplatz hat der schmächtige Zehner in der A-Jugend-Bundesliga.

Überlastung bei Sechser Niklas Stark

Seinen Stammplatz bei den Profis einbüßen, wird vorerst Sechser Niklas Stark. Beim U21-Nationalspieler ist es im Abschlusstraining am Freitag zu einer Überlastungsreaktion im rechten Fuß gekommen. Er fällt bis auf Weiteres aus. In Abwesenheit von Fabian Lustenberger (Schambeinentzündung) wird aller Voraussicht nach der Brasilianer Allan (20) zu seinem zweiten Einsatz in diesem Kalenderjahr kommen.

Allen Personalsorgen zum Trotz: Hertha reist optimistisch nach Mainz. Der FSV steht nach fünf Niederlagen knietief im Abstiegskampf. „Es sollte sich niemand durch die Tabelle blenden lassen“, warnte Herthas Manager Michael Preetz zwar, aber im Vergleich zu den Nullrunden auf Schalke, in Hamburg, Köln und Mönchengladbach ist die Chance auf Punkte in der Fremde aussichtreich wie lange nicht.

Eine weitere Niederlage brächte allerdings den traurigen Rekord von acht Auswärtspleiten in Folge in einer Saison. Dagegen spricht: Die bislang letzte Pleite an einem 29. Spieltag liegt bereits 14 Jahre zurück. Seither gab es sechs Remis und fünf Siege. Letztere allesamt auswärts.