Fußball-Arena

Senat dämpft Herthas Stadion-Euphorie

Herthas Finanzchef Ingo Schiller wirbt im Abgeordnetenhaus um Unterstützung. Senator Geisel verweist auf viele zu lösende Probleme-

So sieht die Wunschlösung von Hertha BSC aus: Eine reine Fußball-Arena im Olympiapark in unmittelbarer Nähe zum Olympiastadion

So sieht die Wunschlösung von Hertha BSC aus: Eine reine Fußball-Arena im Olympiapark in unmittelbarer Nähe zum Olympiastadion

Foto: AS+P / dpa

Es war ein kleiner Fehlstart, den Ingo Schiller am Freitag im Berliner Abgeordnetenhaus hinlegte. Der Sportausschuss hatte den Geschäftsführer Finanzen von Hertha BSC eingeladen, um über die ehrgeizigen Stadionpläne des Klubs zu diskutieren. Doch nach der Präsentation eines kurzen Werbefilms zeigten sich einige Abgeordnete verwundert. "Die Tonalität gefällt mir nicht", sagte der Sportexperte der SPD, Dennis Buchner. Gerade erst hätten sich Hertha und der Senat zu Gesprächen über das Stadionprojekt verabredet, da wolle Hertha Fakten schaffen und verfahre nach dem Motto: Entweder stellt das Land die gewünschten Flächen im Olympiapark zur Verfügung, oder der Verein geht nach Brandenburg, kritisierte Buchner. Auch FDP-Politiker Stefan Förster war "irritiert" über die klaren Ansagen des Bundesligisten.

Hertha hatte in der vergangenen Woche die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie für den Bau eines reinen Fußballstadions vorgestellt. Aus 50 geprüften Standorten blieben am Ende zwei Favoriten übrig: Am liebsten würde Hertha die 55.000-Plätze-Arena direkt neben dem alten Stadion auf dem Olympiagelände errichten. Sollte das nicht möglich sein, strebt der Verein einen Neubau im Brandenburg Park bei Ludwigsfelde an.

Geisel: Wir nehmen Herthas Anliegen ernst

Schiller warb am Freitag bei den Landespolitikern für das Stadionprojekt. "Ich möchte dafür werben, dass alle, denen Hertha am Herzen liegt, das Vorhaben unterstützen", sagte Schiller. Hertha sei ein Berliner Traditionsvereine, aber auch ein mittelständische Unternehmen mit 100 Millionen Euro Jahresumsatz. Das Stadionprojekt sei ein zukunftsicherndes Vorhaben für den Klub, der als einziger der derzeit 18 ­Bundesligisten noch nicht über ein ­reines Fußballstadion verfüge.

Sportsenator Andreas Geisel (SPD) zeigte sich gesprächsbereit. "Selbstverständlich sehen wir die Probleme, die Hertha mit dem Olympiastadion hat", sagte Geisel. "Was Hertha vorträgt, ist ernst zu nehmen." Seit Jahren beklagt der Bundesligist, dass das Stadion zwar für Großereignisse wie das Pokalendspiel oder Länderspiele hervorragend geeignet sei, nicht aber für den Bundesliga-Alltag. Die Auslastung ist schlecht, die Stimmung bei durchschnittlich 47.000 Zuschauern steigerungsfähig. "Dann sieht das Stadion etwas leer aus", räumte Geisel ein.

Wie geht es im Olympiastadion weiter?

Gleichzeitig verwies er auf eine Reihe ungeklärter Probleme rund um den geplanten Wunschneubau auf dem Olympiagelände. Das Olympia­stadion, für die Olympischen Spiele 1936 errichtet, dürfe nicht zu einem Millionengrab werden. Bei den Planungen müsste von Anfang der Denkmalschutz einbezogen werden, da das komplette Olympia­gelände als Gartendenkmal ausgewiesen ist. Zudem müssten Lösungen für Anwohner gefunden werden, die in unmittelbarer Nähe des künftigen Stadions wohnen.

"Es ist eine Vielzahl von Punkten zu klären", drückte Geisel bei den Stadionplänen auf die Euphoriebremse. Vor allem die Frage, wie es mit dem Olympiastadion weitergehen soll sei noch ungeklärt, wenn Hertha in einer neuen Arena spielt. Diese Fragen soll jetzt zunächst eine Arbeitsgruppe klären, um auszuloten, ob die Stadionpläne auf dem Olympiagelände tatsächlich realisiert werden können.

Die Zeit läuft. Damit Hertha 2025 tatsächlich in einer reinen Fußballarena spielen kann, braucht der Verein Planungssicherheit mutmaßlich im Lauf des Jahres 2018.

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