Hertha BSC

52 Punkte sollten für Europa reichen

Hertha-Trainer Dardai fordert noch zwölf Zähler im Saisonendspurt. Dann hätte Hertha 52, und das langte meist für den Europapokal.

Zwei Kandidaten für eine neue Rolle: Salomon Kalou (l.) und Genki Haraguchi gelte

Zwei Kandidaten für eine neue Rolle: Salomon Kalou (l.) und Genki Haraguchi gelte

Foto: Thomas Eisenhuth / picture alliance / Thomas Eisenh

Berlin.  Darüber reden mag er eigentlich nicht, aber Pal Dardai bleibt nichts anderes übrig. Die Fragen nach den Europapokal-Chancen von Hertha BSC reißen nun mal nicht ab, schließlich hatten Trainer, Manager und Team die Ambitionen ja selbst formuliert. Auf Platz sechs wolle man am Saisonende einlaufen, verkündete der Bundesligist zu Jahresbeginn. Damals war man Dritter und hatte auf den Fünften Hoffenheim zwei Punkte Vorsprung. Seit dem 1:3 gegen die TSG am Freitag sind es nun acht Zähler Rückstand.

"Ich weiß gar nicht, ob wir Fünfter oder Sechster sind", sagt Dardai, "ich habe nicht auf die Tabelle geschaut." Ein Satz, der mindestens zwei Anmerkungen verdient hat. Erstens: Ja, Hertha steht nach wie vor auf Platz fünf. Und zweitens: So desorientiert, wie es den Anschein macht, ist der Chefcoach natürlich nicht. Wie viele Punkte es noch braucht, um kommende Saison international spielen zu dürfen, hat Dardai genau kalkuliert. Holt Hertha noch zwölf Zähler, wird es reichen, meint er.

Ein Dutzend Punkte aus acht verbleibenden Spielen also – damit stünden die Berliner dann bei 52 Zählern. Schaut man auf die Abschlusstabellen der vergangenen zehn Spielzeiten, hätte das in sechs Fällen zu Platz sechs gereicht. In der Vorsaison landete Mainz mit 50 Punkten knapp vor Hertha, 2014/15 reichten Schalke 04 sogar 48. Dass es auch anders laufen kann, bewies 2013/14 der nächste Gegner der Berliner (Mittwoch, 20 Uhr). Mönchengladbach benötigte damals 55 Zähler. Im Durchschnitt aber reichten tatsächlich: 52.

Die Konkurrenz konnte den Fauxpas nicht ausnutzen

"Wir müssen nicht über Europa reden", sagt Dardai zurückhaltend, "sondern einfach immer aufs nächste Spiel schauen." Und auf die Spiele der Konkurrenz. Die vermochte nämlich nicht, Herthas Nullrunde auszunutzen.

Der direkte Verfolger 1. FC Köln? Kassierte eine Last-Minute-Niederlage beim Hamburger SV (1:2). Frankfurt und Gladbach? Klauten sich beim 0:0 gegenseitig Punkte. Und die bislang überraschend starken Freiburger? Enttäuschen beim 2:5-Debakel gegen Bremen auf ganzer Linie.

Dennoch: Die zehn blau-weißen Punkte aus den neun Spielen im Kalenderjahr 2017 bleiben eine durchwachsene Bilanz. "Wir haben viele knappe Spiele verloren", sagt Dardai – Spiele, in denen Hertha in der Hinrunde meist das bessere Ende erwischt hatte.

Kalou oder Haraguchi als Ibisevic-Ersatz in Gladbach

Dardai weiß: Um erfolgreich zu sein, muss sein Team am Limit agieren. Wenn bei den Abständen zwischen seinen Spielern nur ein halber Meter fehle, gebe es Probleme, sagt er. Gegen Hoffenheim fehlte mit Maximilian Mittelstädt (Gelb-Rot) ein ganzer Spieler.

Nun aber richtet sich der Blick bereits auf Gladbach. Und auf die Frage, wer Vedad Ibisevic ersetzen soll. Für den gelbgesperrten Kapitän könnten Salomon Kalou oder Genki Haraguchi vom Flügel in die Spitze rücken. Mit Sami Allagui stünde zudem ein Strafraumstürmer parat.

Für Kalou (31) spricht seine überragende Trefferquote (fast jeder vierte Torschuss landet im Netz), seine Spielstärke und Übersicht machen ihn jedoch auch als Flügelspieler enorm wertvoll. Haraguchi (25), der die Rolle im japanischen Nationalteam schon übernommen hat, kann mit seiner Schnelligkeit punkten, verzettelt sich jedoch allzu oft beim Abschluss.

Bleibt Reservist Allagui (30), der um einen neuen Vertrag spielt und zuletzt mit guten Trainingsleistungen überzeugte. "Wir müssen erstmal eine Idee entwickeln", sagt Dardai, "dann werde ich die Jungs genau beobachten."

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