Zweite Heimpleite

Hertha vergeht gegen Hoffenheim das Lachen

Nach Pekariks erstem Bundesliga-Tor dreht 1899 die Partie. Ein fragwürdiger Handelfmeter und eine Platzverweis helfen kräftig mit.

Herthas Trainer Pal Dardai bejubelt mit Peter Pekarik dessen erstes Bundesligator, doch danach gerät das Berliner Spiel aus den Fugen

Herthas Trainer Pal Dardai bejubelt mit Peter Pekarik dessen erstes Bundesligator, doch danach gerät das Berliner Spiel aus den Fugen

Foto: Soeren Stache / dpa

Berlin.  Irgendwann wurde der Druck einfach zu groß. 18 Minuten lang hatte sich Hertha der TSG Hoffenheim in Unterzahl aufopferungsvoll entgegengestemmt, nachdem Maximilian Mittelstädt mit Gelb-Rot vom Platz geflogen war (58. Minute). Auf den Platzverweis folgte eine mehr als turbulente Phase, in denen Pfosten und Querlatte gleich dreimal retten mussten für die Berliner, doch beim Gewaltschuss von Niklas Süle war auf keine Hilfe mehr zu hoffen. Aus knapp 25 Metern drosch Hoffenheims Nationalspieler den Ball unhaltbar in den linken Winkel – 1:2 (76.), die Entscheidung. Dass Andrej Kramaric kurz vor Schluss noch zum 1:3 (1:1)-Endstand traf (86.) – nach Vorarbeit des permanent ausgepfiffenen Ex-Herthaners Sandro Wagner (dem zudem zwischendurch ein ausgekugelter Finger eingerenkt werden musste)– ,fiel danach kaum noch ins Gewicht.

Es war ein mitreißendes, ein packendes Spiel, das sich die beiden Europapokalanwärter am Freitagabend lieferten, mit Tempo und Leidenschaft, Toren, Kuriositäten und reichlich Drama. Zur tragischen Figur avancierte dabei Hertha Maximilian Mittelstädt (20), der der Partie in gleich zwei Szenen eine entscheidende Wendung verlieh. Zunächst unterlief dem Vertreter von Linksverteidiger Marvin Plattenhardt (Mittelohrentzündung) ein Handspiel im Strafraum, das Kramaric vom Elfmeterpunkt zum 1:1 nutzte (39.). Später stieg der Youngster etwas zu ungestüm mit gestrecktem Bein gegen Hoffenheims Nadiem Amiri ein und kassierte einen harten, aber wohl vertretbaren Platzverweis. „Das war der Knackpunkt“, sagte Verteidiger Sebastian Langkamp, „danach haben wir uns hinten reindrängen lassen.“ Es war der Anfang vom Ende.

Dabei war der Start für die Berliner wunderbar verlaufen – auch für Mittelstädt. Der rettete nach sieben Minuten auf der Linie, ehe Peter Pekarik mit einem Flachschuss aus der rechten Strafraumhälfte dann sogar die Führung gelang (32.). Ein Tor, für das der Begriff „Seltenheitswert“ geschaffen wurde: Für den Slowaken war es im 151. Bundesligaspiel der erste Treffer überhaupt. Einzig: Die Ekstase bei ihm, Trainer Pal Dardai und den 42.401 Zuschauern – darunter auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller – hielt nicht lang.

Kapitän Vedad Ibisevic, der die fünfte gelbe Karte sah und nun Mittwoch in Mönchengladbach fehlen wird, schimpfte nach der Partie auf Schiedsrichter Benjamin Brand. Das Handspiel, der Platzverweis – „das war nicht fair“, meinte der Bosnier. Sein Trainer klang ähnlich. Mit der zweiten Heimniederlage der Saison mussten beide trotzdem leben. Platz vier und damit die Champions-League-Qualifikation kann man mit nun acht Punkten Rückstand auf Hoffenheim abschreiben. „Darum“, sagte Langkamp ernüchtert, „haben wir eh nicht gespielt.“