Hertha BSC

Michael Hartmann bekommt endlich seine Fußballlehrer-Lizenz

Drei Mal hat der DFB den Ex-Profi abgelehnt. Nun ist Herthas heutiger U19-Coach am Ziel. Für seinen Klub sind das gute Nachrichten.

Michael Hartmann kann auf 340 Profi-Einsätze zurückblicken

Michael Hartmann kann auf 340 Profi-Einsätze zurückblicken

Foto: Revierfoto / picture alliance / dpa

Berlin.  Ein letzter Rest Ungewissheit bleibt. "Noch weiß ich nicht zu hundert Prozent, ob es gereicht hat", sagt Michael Hartmann, "aber ich gehe mal stark davon aus." Sollte er alle Prüfungen gemeistert haben, erhält Herthas U19-Trainer heute in Frankfurt/Main seine Fußballlehrer-Lizenz. Endlich, muss man sagen, denn der frühere Profi musste sich lange genug gedulden.

Dreimal hatte er sich beworben beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), hatte die umfangreiche Eignungsprüfung bestanden und auf einen der begehrten Plätze gehofft, doch dreimal erhielten andere Bewerber den Vorzug. Von rund 70 Kandidaten bekommen nur 24 eine Einladung zum zehnmonatigen Lehrgang. Da bleibt selbst einer wie Hartmann mal auf der Strecke, vier Länderspiele hin, 340 Profi-Einsätze her.

So richtig verstanden hat Hartmann (42) das nie. Es sei ihm nicht um seine Meriten als Spieler gegangen, betont er, wohl aber um seine Arbeit als Coach. "Es wurden zum Teil Trainer ausgewählt, die deutlich weniger Erfahrung und Erfolg hatten als ich", sagt er. Mit der U19 von Hansa Rostock wurde er schon in seinem dritten Jahr an der Seitenlinie Deutscher Meister (2010). Mit Herthas A-Jugend gewann er 2015 den DFB-Pokal. Trotzdem wurde ihm der nächste Schritt in seiner Karriere erst im vierten Anlauf gewährt.

Profitrainer Pal Dardai macht es vor

An Hartmanns Zielen hat sich trotz der neuen Lizenz wenig geändert. "Ich habe immer gesagt, dass ich mich im Nachwuchs wohl fühle. Mir macht es Spaß, junge Menschen nach oben zu führen", erzählt er, "jetzt habe ich noch eine Option mehr." Die, in den Profibereich zu wechseln. Ausschließen will er das nicht. Wie schnell der Weg aus der Jugendarbeit in die Bundesliga gehen kann, haben etliche Beispiele aus der Bundesliga gezeigt – allen voran Herthas Cheftrainer Pal Dardai, der vor seine Beförderung die U15 verantwortete.

Mit Dardai (41) spielte Hartmann einst Seite an Seite in Blau-Weiß. Gemeinsam mit Ante Covic (41), aktuell Trainer der U23, brachten sie den Hauptstadtklub bis in die Champions League. Heute macht sich das Trio daran, die Nachwuchsakademie zu einem echten Aushängeschild zu verwandeln. Talente wie Arne Maier oder Florian Baak (beide 18) trainieren bereits bei den Profis, andere werden behutsam aufgebaut, der Austausch ist intensiv. "Wir profitieren davon, dass Pal aus dem Nachwuchs kommt", sagt Hartmann.

Ohne einen multinationalen Konzern oder schwerreichen Mäzen im Rücken sind die Möglichkeiten auf dem Transfermarkt begrenzt. Umso mehr ist Hertha auf eine gute Talentförderung angewiesen, doch auch hier muss sich der Klub an der Konkurrenz aus Leipzig oder Wolfsburg messen lassen. "Es gibt kaum noch einen U19-Trainer, der nicht Fußballlehrer ist", erzählt Hartmann. Ein Faktor, der im Kampf um Talente nicht zu vernachlässigen ist. "Die Lizenz ist gut für ihn und gut für uns", sagt Manager Michael Preetz. "Mit ihm, Ante, Andreas Thom und Frank Vogel haben wir jetzt vier Fußballlehrer. Das ist wichtig für uns."

Eine Fahrgemeinschaft mit Unions André Hofschneider

Perspektiven und Wege aufzuzeigen, darum geht es Hartmann. "Ich versuche, den Jungs mit auf den Weg zu geben, was sie im Profifußball erwarten kann", sagt er. Sie sollen auf alle Szenarien vorbereitet sein, auch auf das Scheitern. An gesammelten Erfahrung hat es Hartmann dabei noch nie gemangelt, nun aber hat er sein Rüstzeug nochmals erweitert.

Von Psychologie und Rhetorik über Ernährungslehre und, na klar, Fußballlehre – das Spektrum der Ausbildung ist breit gefächert. Als Gast-Dozenten wurden unter anderem Christoph Daum und Volker Finke eingeladen, Bayerns Kaderplaner Michael Reschke referierte über Scouting, die Jugendnationaltrainer des DFB über die Sichtung von Spielern.

Trotz solch hervorragender Bedingungen: Ein Selbstläufer ist die Ausbildung freilich nicht. Neben vollgepackten Lehrtagen, meist von acht bis 19 Uhr, galt es auch, den organisatorischen Aufwand zu meistern. Seit Juni lebte Hartmann schließlich in zwei Welten: von Sonntagabend bis Mittwoch in der Sportschule in Hennef, gut 600 Kilometer entfernt von Berlin, ab Donnerstag wieder im U19-Alltag bei Hertha.

"Da bleibt wenig Freizeit und Zeit für Familienleben", so Hartmann. Der Lehrgang hatte auch verbindenden Charakter – über Vereinsgrenzen hinweg. Hartmann bildete nämlich eine Fahrgemeinschaft mit André Hofschneider vom 1. FC Union und teilte auch sein Zimmer mit dem Nachbarn aus Köpenick. "In den zehn Monaten war ich wahrscheinlich häufiger mit André zusammen als mit meiner Frau", schmunzelt er. Das wird sich nun ändern. Ganz gewiss.

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