Bundesliga

Hertha wird von Kölns Modeste versenkt

Die Berliner verschlafen in Köln die erste Halbzeit und verlieren 2:4. Der französische Angreifer trifft gleich dreimal

Mann des Tages: Anthony Modeste (r.) trifft zum 2:0 für Köln gegen Hertha. Berlins Niklas Stark kann nur zugucken

Mann des Tages: Anthony Modeste (r.) trifft zum 2:0 für Köln gegen Hertha. Berlins Niklas Stark kann nur zugucken

Foto: imago sportfotodienst / imago/Moritz Müller

Köln.  Per Skjelbred vergrub sein Gesicht tief unter einer Kapuze, Niklas Stark kaute frustriert auf seiner Unterlippe. Während die übrigen Hertha-Profis nach dem ernüchternden 2:4 (0:3) beim 1. FC Köln am Sonnabend kopfschüttelnd in die Kabine stapften, unternahmen die beiden Mittelfeldspieler zumindest den Versuch einer Erklärung. Leicht fiel das nicht.

Wie soll man es auch erklären, dass man erst gegen die Champions-League-Truppe von Borussia Dortmund brilliert und nur eine Woche später beim Tabellensiebten untergeht? "Wir waren bei den Gegentoren einfach nicht richtig da", sagte Stark, und ja, dieses Ergebnis sei "bitter".

Es ist die sechste Berliner Auswärtspleite in Serie

Yuya Osako (6. Minute) und dreimal Topstürmer Anthony Modeste (35., 37., 63.) hatten für die Kölner getroffen. Vedad Ibisevic per Foulelfmeter (50.) und John Brooks (69.) schenkten den Blau-Weißen in der zweiten Halbzeit zumindest ein wenig Hoffnung. Zu spät. "Wir haben wieder die erste Halbzeit verschenkt", ärgerte sich Trainer Pal Dardai, "wie bisher immer in diesem Jahr auswärts. Das hat mehr mit dem Kopf zu tun als mit dem Können."

Langsam aber sicher nimmt Herthas Misere in der Fremde unheimliche Züge an. In Köln kassierten die Berliner bereits die sechste Auswärtspleite in Serie. Dass die Hauptstädter in der Tabelle vorerst Platz fünf verteidigten, blieb ein schwacher Trost. Verfolger Köln, zuvor fünf Ligaspiele ohne Sieg, ist nun wieder bis auf drei Punkte dran. Statt mit einem schönen Vorsprung verabschiedet sich Hertha mit einem Dämpfer in die Länderspielpause.

Dabei waren die Berliner voller Hoffnung gen Westen gereist, mit der Sensation gegen den BVB im Rücken und dem Wissen, in den vergangenen Jahren fast immer gut ausgesehen zu haben in Köln (sechs der jüngsten sieben Partien wurden gewonnen). Alles geschenkt, stattdessen dauerte es nur sechs Minuten, bis das Unheil seinen Lauf nahm: Osako fackelte nicht lange, als ihn niemand entschieden angriff, und zog aus der zweiten Reihe kraftvoll ab. Torwart Rune Jarstein touchierte den Ball nur noch mit den Fingerspitzen, ehe er im oberen Eck einschlug – 0:1 (6.). Ein Torwartfehler des bis hierhin fehlerlosen Norwegers.

Kalou muss früh verletzt ausgewechselt werden

Dardai war seiner Stammformation in Köln treu geblieben. Zum fünften Mal in Folge schickte er dasselbe Personal auf den Platz, das hatte es bei Hertha zuletzt 1982 gegeben. Doch lange sollte die Elf nicht bestehen, weil sich Salomon Kalou bei einem Zusammenprall verletzte. Nach 30 Minuten kam Mitchell Weiser für ihn. Doch vorerst drückte weiter Köln: Osako, erneut zu unbehelligt, bediente von der linken Strafraumkante Modeste im Zentrum, dessen Linksschuss ins Tor sprang – 0:2 (35.).

Aber es sollte noch dicker kommen. Kaum war die Partie wieder eröffnet, lag der Ball zum dritten Mal im Berliner Netz. Wieder war's Modeste, diesmal nach einem Konter (37.). "Jeder Schuss war ein Treffer", sagte Skjelbred, "das macht es schwer."

Was man Hertha zugute halten musste, war die Reaktion in Durchgang zwei, in der sich die Mannschaft energisch um eine Wende bemühte. Zwischenzeitlich durften die mitgereisten Berliner unter den 49.500 Zuschauern sogar von einer Sensation träumen. Nur fünf Minuten nach Wiederanpfiff zeigte Schiedsrichter Marco Fritz auf den Elfmeterpunkt, nachdem FC-Keeper Timo Horn im Strafraum Stark in den Rücken gesprungen war.

FC-Torwart Horn hält am Ende zweimal spektakulär

Ibisevic drosch den Ball mittig ins Tor, nur noch 1:3 (50.). Aber: Ehe Köln richtig in die Bredouille kam, war erneut Modeste zur Stelle, gewann nach einem Steilpass von Marco Höger das Laufduell gegen Brooks und überwand Jarstein erneut (63.). "Wir konnten ihn einfach nicht halten", musste Dardai eingestehen, "Modeste ist mit seiner Schnelligkeit eine andere Dimension."

Dass Brooks per Kopf nach einer Ecke von Vladimir Darida noch den zweiten Berliner Treffer markierte (69.) fiel nicht mehr ins Gewicht, genauso wenig wie die sehr guten Gelegenheiten von Ibisevic (82.) und Brooks (89.), die Kölns Keeper Horn spektakulär entschärfte. Am Ende standen vier Gegentore, das hatte es letztmals im April 2016 beim 0:5 in Mönchengladbach gegeben. Jenes Debakel, das in der Vorsaison den Beginn von Herthas Einbruch markierte. Die Reaktion in Halbzeit zwei macht jedoch Hoffnung, dass es in diesem Jahr besser läuft. "Die Mannschaft hat einen guten Charakter", so Dardai, "aber auswärts müssen wir etwas ändern. Und zwar schnell."

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