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Warum Hertha gegen Köln chancenlos sein wird

Herthas kommender Gegner greift tief in die Trickkiste. Von einem fairen Duell kann keine Rede mehr sein.

Pal Dardai

Pal Dardai

Foto: RALPH ORLOWSKI / REUTERS

Die Lage ist aussichtslos. Pal Dardai kann seine Spieler in dieser Woche über den Trainingsplatz scheuchen wie er will, kann eine gewiefte Taktik ausbaldowern oder feurige Motivationsreden schwingen. Hertha wird am Sonnabend trotzdem chancenlos sein, denn Gegner 1. FC Köln hat in der Vorbereitung auf das Duell mit dem Hauptstadtklub alle Register gezogen. Die Rheinländer arbeiten im Rennen um die Europapokalplätze mit allen Tricks, und damit sind nicht nur die Machenschaften auf dem Platz gemeint. Nein, die Kölner denken in größeren Zusammenhängen.

Schon Anfang der Woche hyperventilierten die Medien der Domstadt den neuesten Coup der Klub-Bosse in den Äther. Für Maskottchen Hennes VIII., seines Zeichens stolzer Geißbock, wurde eine neue Herzensdame gefunden. Endlich, und ja, es ist eine Jüngere. Was zunächst harmlos klingt, ist in Wahrheit natürlich Vereinspolitik höchster Schule, denn was nützt einem schon ein Glücksbringer, der seit Wochen ein frustriertes Single-Dasein fristet? Eben. Die jüngste Bilanz des Effzeh spricht Bände: sechs Spiele, kein Sieg, vier Niederlagen. Überflüssig zu erwähnen, dass der sportliche Sinkflug mit dem tragischen Liebesdrama begann, das Hennes unlängst ertragen musste.

Seit dem Wiederaufstieg 2014 strebte Köln in der Tabelle nach oben

Die vergangenen Wochen, sie waren aufwühlend für den Geißbock, der bei jedem Heimspiel im Stadion weilt. Ende Januar verstarb seine bisherige Partnerin Anneliese an den Folgen einer Fehlgeburt, die Ärzte konnten nichts mehr für sie tun. In den vorangegangen Jahren hatte Anneliese zweimal erfolgreich geworfen, kurioserweise, obwohl Hennes kastriert ist. Der Gehörnte ertrug's mit rheinländischer Gelassenheit, galt als glücklich mit seiner Patchworkfamilie.

Seine Profession als Talisman erledigte er jedenfalls tadellos. Seit dem Wiederaufstieg 2014 strebte Köln in der Tabelle kontinuierlich nach oben. Bis zu Hennes' Schicksalsschlag. Aber: Mit der Tristesse ist es nun vorbei. Neue Liebe, neues Glück – Hennes ist ja nicht das erste Wesen, das von einer jungen Dame zu neuen Höhen getrieben wird.

Eines muss man den Kölnern lassen: Sie wissen, wie man Fortuna auf die Sprünge hilft. Schon 1950 führten sie als erster deutscher Klub ein Maskottchen ein. Hennes I., ein Geschenk eines Zirkusdirektors auf einer Karnevalssitzung (wo sonst?), ging zunächst sogar mit auf Auswärtsfahrten, bis der Busfahrer aus naheliegenden Gründen auf die Barrikaden ging. Dennoch: Beim Start der Fußball-Bundesliga 1963 hatte der Effzeh dank Hennes bereits ein kleines Glückspolster angehäuft und wurde auf Anhieb Deutscher Meister. Ein Beispiel, das Schule machen sollte. Für die zweite Spielzeit legten sich die findigen Bremer einen Heidschnuckenbock zu. Die Folge ahnen Sie. Werder wurde Meister. Fußball kann so einfach sein.

Was Maskottchen bewirken können, weiß Pal Dardai aus eigener Erfahrung

Ganz so einfach ist es dann natürlich doch nicht, wie die teils erbärmlichen Nachahmungsversuche beweisen. Vielerorts wurde versucht, das Glück mit der Kombination aus Mensch und unförmigem Plüschkostüm zu kitzeln. Sicher pflegeleichter als ein echtes Tier, aber in der Umsetzung oft unausgereift. Der Grotifant, glückloser Glücksbringer des KFC Uerdingen, wagte sich einst zu nah an den Gästeblock und wurde von aufgebrachten Fans mit dem Rüssel am Tribünenzaun fixiert. Ebenfalls unvergessen: Eine riesige Getränkeflasche auf zwei Beinen bei Arminia Bielefeld, die dank fehlender Arm-Löcher häufiger lag als stand. Fehlgriffe, über die die Experten in Köln nur lachen können.

Was gut aufgelegte Maskottchen bewirken können, weiß Pal Dardai aus eigener Erfahrung. Vor Herthas Europacupspiel bei Benfica Lissabon kreiste 2010 der Klub-Adler der Portugiesen durchs Stadion, ehe er unter großem Geraune eine Punktlandung auf den Handschuh seines Falkners hinlegte. Die Berliner erstarrten – 0:4. So kann's gehen. Herthas Maskottchen Herthinho, Typ "brasilianischer Braunbär", wird Sonnabend also alles geben müssen, um Hennes Paroli bieten zu können. Falls Sie noch eine fidele Bärendame kennen, ich könnte da etwas arrangieren…

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