Bundesliga

Hertha fehlt der Biss in der Fremde

Hertha verliert nach schwacher Leistung in Hamburg und wartet auf den ersten Auswärtspunkt seit Dezember.

 Berlins Ondrej Duda (v.l.), Hamburgs Bobby Wood und Berlins Per Ciljan Skjelbred kämpfen um den Ball.

Berlins Ondrej Duda (v.l.), Hamburgs Bobby Wood und Berlins Per Ciljan Skjelbred kämpfen um den Ball.

Foto: Axel Heimken / dpa

Das Teamhotel lag etwas weiter entfernt vom Stadion. An irgendeinem Tierpark, sagte Pal Dardai. "Mit Löwen und Giraffen und so." Aber richtig kenne er sich nicht aus in Hamburg. Und, trotzdem gut die Unterkunft, fragt man Herthas Cheftrainer am Sonntag nach seiner Ankunft in der HSV-Arena. "Es ist ja so: Gewinnen wir, war das Hotel super. Verlieren wir, was es schlecht." Es ist hier also festzuhalten, dass es sich bei der Berliner Bleibe um eine ziemlich schäbige Bude gehandelt haben muss.

Stark hat Glück, dass er nicht vom Platz fliegt

Denn mit 0:1 (0:0) verlor Hertha BSC am Sonntag vor 44.445 Zuschauern beim Hamburger SV durch einen Treffer von Albin Ekdal (77.). Die Blau-Weißen bleiben zwar Tabellenfünfter, verpassten aber nach der Niederlage von Eintracht Frankfurt gegen Freiburg (1:2) die Gelegenheit, sich im Kampf um die Europa-League-Plätze Luft nach unten zu verschaffen.

Das lag vor allem daran, dass die Berliner eher wie Giraffen, denn wie Löwen auftraten – ohne Biss. Kaum eine vernünftige Torchance brachte Hertha über 90 Minuten zustande, verlor damit verdient beim Abstiegskandidaten und wartet auf den ersten Auswärtssieg seit Anfang Dezember. Nur drei Mannschaften sind in der Fremde schlechter. "Das tut weh", sagte Dardai. "Wir haben ein Tor kassiert, das unnötig war, und wenn wir unsere Konter nicht ausspielen, können wir auswärts nicht gewinnen."

Der Ungar hatte keinen Grund gesehen, seine Elf vom 2:0 gegen Frankfurt personell zu verändern. Aber es schien trotzdem eine andere Mannschaft auf dem Feld zu stehen als noch vor einer Woche. Behäbig begann Hertha, fast so, als dauere der Mittagsschlaf aus dem Teamhotel noch an. Und hätte Schiedsrichter Felix Brych nach einer Viertelstunde auf Elfmeter für den HSV entschieden, weil Marvin Plattenhardt im Strafraum auf den Fuß von Hamburgs Aaron Hunt getreten war, hätte sich Hertha nicht beklagen dürfen (15.). Brych tat es nicht. Wenige Augenblicke später musste Torwart Rune Jarstein einen seiner Jarstein-Momente haben, um Hertha vor dem Rückstand zu bewahren: Nicolai Müller tauchte völlig frei vor dem Norweger auf, Schuss, doch die Hand des Keepers schnellte raus, Glanzparade (19.).

Jarstein war allerdings der einzige Berliner, der in Normalform erschienen war. John Brooks, seit Wochen in wechselhafter Verfassung, leistete sich Flüchtigkeitsfehler wie ein aufgeregter Viertklässler bei der Leistungskontrolle an der Tafel. Selbes Bild bei Niklas Stark: Der zuletzt so hervorragende Defensiv-Alleskönner hatte Glück, nach zwei gelbwürdigen Fouls kurz vor der Pause nicht vom Platz zu fliegen.

Es war schwach, was Dardais Mannschaft zeigte. Außer einem Versuch aus 25 Metern von Vladimir Darida in seinem 100. Bundesligaspiel in der vierten Minute, brachte Hertha bis zur Pause keine vernünftige Torgelegenheit zustande. Der HSV störte das Berliner Aufbauspiel früh, und erstickt war jegliche Kreativität.

Dardai reagierte nach der Halbzeit: Für den diesmal schlechten Stark brachte er kurz nach Wiederanpfiff Ondrej Duda, der im Sommer ja geholt worden war, um Kreativimpulse zu setzen. Der lange am Knie verletzte Slowake kam damit zu seinem zweiten Einsatz für Hertha, nachdem er zuletzt gegen Frankfurt ein paar Sekunden mitspielen durfte. Aber weiter spielte hauptsächlich der abstiegsbedrohte HSV. Und wenn sich dann doch endlich mal eine Gelegenheit bot, wie nach dem feinen Konter über den um Präsenz bemühten Duda, und plötzlich Vedad Ibisevic vor dem Hamburger Tor auftauchte, dann schlich sich wieder eine Ungenauigkeit ein. Pass auf Darida, zu weit, Chance verpufft (67.). Hertha bleibt die einzige Bundesligamannschaft ohne Auswärtstreffer nach einem Konter.

Plattenhardts Ballverlust wird eiskalt bestraft

Schlimmer aber, dass sich zu der schon bekannten Konterschwäche diesmal auch Abwehrschnitzer gesellten. Vor dem eigenen Strafraum ließ sich Linksverteidiger Plattenhardt den Ball vom Ex-Unioner Bobby Wood stibitzen. Der US-Amerikaner passte auf Hunt, dessen Rückgabe versenkte Ekdal aus elf Metern unhaltbar im rechten Toreck (77.). "So ein Fehler ist natürlich Mist", wusste Plattenhardt, "da muss ich den Ball wegschlagen."

Bei derart unrunden Spielen gewinnt meist das Team, das den ersten Treffer erzielt. Und das war auch diesmal so. "Diese Niederlage nervt", sagte Innenverteidiger Sebastian Langkamp. "Wenn man nicht in der Lage ist, zu gewinnen, sollte man wenigstens in der Lage sein, nicht zu verlieren". Hertha muss schleunigst den Mittagsschlafmodus verlassen. Am Sonnabend reist Borussia Dortmund an – bekanntlich ein größeres Kaliber als der HSV.

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