Bundesliga

Hertha kämpft gegen die Auswärtsschwäche

Bei elf Reisen in die Fremde gelangen Hertha nur zwei Siege. Sonntag geht es zum Hamburger SV.

Szene aus der Hinrunde: Herthas Sebastian Langkamp im Duell mit HSV-Stürmer Pierre-Michel Lasogga

Szene aus der Hinrunde: Herthas Sebastian Langkamp im Duell mit HSV-Stürmer Pierre-Michel Lasogga

Foto: dpa Picture-Alliance / Jan Kuppert/SVEN SIMON / picture alliance / SvenSimon

Berlin.  Die Profis von Hertha BSC erhielten einen Vorgeschmack auf das, was sie in den kommenden Tagen erwartet. Athletiktrainer Henrik Kuchno hatte einen 25-Meter-Parcour aufgestellt, alle fünf Meter stand ein rotes Hütchen. Die Aufgabe lautete: Lossprinten bis zum ersten Hütchen, umdrehen, zurücksprinten, an der Startlinie umdrehen, zum zweiten Hütchen sprinten ... immer mit dem Ball am Fuß.

Die Spieler des Bundesliga-Fünften werden Übungen dieser Art noch einige Male in dieser Trainingswoche machen. Denn bei Hertha wissen die Verantwortlichen: Die Berliner sind mit 28 Punkten und einem Torverhätlnis von plus 14 zwar das stärkste Heimteam der Liga, die Ausbeute in der Fremde ist dagegen ernüchternd gering: elf Auswärtsspiele, neun Punkte. Nur Schalke (ein Auswärtssieg) und Darmstadt (kein Sieg) haben in der Fremde seltener gewonnen als Hertha, weil man lediglich in Ingolstadt (2:0) und Wolfsburg (3:2) drei Punkte einfahren konnte. „Wenn wir uns oben etablieren wollen, müssen wir uns auswärts ­steigern“, sagt Trainer Pal Dardai vor der Dienstreise am Sonntag zum Hamburger SV (17.30 Uhr).

Hertha hat noch kein Kontertor erzielt

Die Auswärtsschwäche hat Gründe. Daheim profitiert Hertha davon, dass vor der Saison ein System einstudiert wurde, in dem die Mannschaft um Kapitän Vedad Ibisevic mit möglichst viel Ballbesitz versucht, Dominanz aufzubauen. Und viel Geduld mitbringt und den Ball wiederholt durch die eigenen Reihen wandern lässt, bis sich endlich eine Lücke in der gegnerischen Defensive erspähen lässt. Auswärts hingegen ist Hertha die einzige Mannschaft der Liga, die noch kein Kontertor erzielt hat. Niklas Stark, Defensivspieler von Hertha, findet es nicht so einfach, eine Erklärung für die zwei Hertha-Gesichter zu finden: „Vielleicht geben wir im Olympiastadion mit der Unter­stützung unserer Fans ein, zwei Prozent mehr?“

Der Trainer hat gleich mehrere Ursachen ausgemacht. Und lässt sie deshalb in der Vorbereitung des HSV-Spiels gezielt trainieren: „Wir müssen uns bei der Dynamik verbessern und im schnellen Umschalten bei Kontern. Das gilt auch für das Führen von Zweikämpfen.“

Haraguchi und Esswein treffen zu selten

Hier dürfte besonders die Mittelfeld-Achse mit Stark, Per Skjelbred und Vladimir Darida gemeint sein. Dass sie noch energischer versuchen, in Zweikämpfe zu kommen – dann braucht es aber auch präzise Pässe zu den Offensivspielern. Da hat Hertha den Nachteil, dass die beiden torgefährlichsten Profis, Vedad Ibisevic (zehn Saisontore, drei Vorlagen) und Salomon Kalou (5/4), nicht zu den schnellsten Stürmern gehören. Für Geschwindigkeit stehen im Hertha-Kader Genki Haraguchi und Alexander ­Esswein, die aber noch reichlich Luft nach oben haben in Sachen Tor­gefahr: ­Haraguchi (1/2), Esswein (2/1).

Nachdem Hertha im vergangenen Sommer in der Qualifikation zur Europa League gescheitert war (1:0, 1:3 gegen Bröndby Kopenhagen), soll es für den Hauptstadt-Klub in dieser Saison klappen mit einem internationalen Startplatz. Die Gelegenheit, sich dem Ziel zu nähern, erscheint Sonntag beim HSV besonders günstig, da der 1. FC Köln (33 Punkte) als Siebter am Wochenende gegen den FC Bayern spielt. Im besten Fall, wenn Hertha in Hamburg gewinnt und Köln verliert, können die Berliner daher sieben Punkte Vorsprung auf Rang ­sieben herausarbeiten.