Hertha-Frankfurt

Fußball-Krawalle in Moabit waren vermutlich geplant

Laut Polizei verhielten sich die Anhänger von Frankfurt konspirativ. Polizei verteidigt Festsetzen in Gaststätte.

Die Polizei nimmt randalierende Fußballfans fest

Die Polizei nimmt randalierende Fußballfans fest

Foto: Gandzior

Nach der Massenschlägerei in Moabit am Sonnabend vor der Partie zwischen Hertha BSC und Eintracht Frankfurt verdichten sich die Hinweise, dass es sich um eine geplante Aktion gehandelt hat. So hätten sich die Frankfurt-Anhänger laut Polizei konspirativ verhalten. Viele Hooligans seien in kleinen Gruppen mit Privatfahrzeugen und Transportern angereist und seien fünf Stunden vor Spielbeginn an einem bekannten Treff von Hertha-Ultras an der Beusselstraße in Moabit aufgekreuzt. Für die Beamten, die Problemfans im Blick haben sollten, sei die Situation schlicht nicht vorhersehbar gewesen, hieß es aus Polizeikreisen.

Anhänger beider Teams gingen am Sonnabend in Moabit zum Teil mit Schlagwerkzeugen aufeinander los. Es gab sechs Verletzte. Die Polizei nahm 96 randalierende Hooligans beider Fan-Gruppierungen vorübergehend fest. Sie erhielten Platzverweise und ein Stadionverbot für das Bundesliga-Spiel, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Unter den Randalierern waren viele Hooligans der Kategorien B und C. Diese Einteilung der Polizei beschreibt, wie hoch das Gewaltpotenzial ist.

B-Fans sind solche, die zu Gewalt neigen, die der Kategorie C solche, die Gewalt suchen. Ein Teil der Frankfurter Anhänger, die nicht ins Stadion gelassen wurden, musste die Zeit während des Spiels unter Polizeiaufsicht in einer Hertha-Stammkneipe in Stadionnähe verbringen.

„Pragmatische Lösung der Situation“

„Das war eine pragmatische Lösung der Situation im Sinne der Gefahrenabwehr“, sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf der Berliner Morgenpost. Anders hätte das nicht gelöst werden können. Die Entscheidung, die Frankfurter in der Gaststätte festzusetzen, wurde von der Polizeiführung getroffen, weil der diensthabende Amtsrichter eine pauschale Ingewahrsamnahme abgelehnt hatte. Alternativ hätte jeder einzelne an der Schlägerei beteiligte Hooligan dem Amtsrichter vorgeführt werden müssen. Selbst wenn es pro Person nur fünf Minuten gedauert hätte, wäre der diensthabende Richter mehrere Stunden damit beschäftigt gewesen – bei der schwierigen Personalsituation an Berliner Gerichten ein unrealistisches Szenario.

Trotzdem will man bei der Polizei nun noch einmal das Gespräch mit der Justiz suchen. Auch polizeiintern soll der Vorgang ausgewertet und ein Konzept entworfen werden, wie man künftig mit solchen Situationen umgeht.

Offen ist auch, wie es für die Hooligans weitergeht. Stadionverbote gegen einzelne Personen kann nur der DFB verhängen. „Viele zeigen auf die Polizei. Hausrecht haben aber die Vereine“, fasst ein Polizist die Situation zusammen. Nichts tue einem Fußballanhänger mehr weh, als von Spielen seiner Mannschaft ausgeschlossen zu werden.

Mehr zum Thema:

Wie Hertha mit der Schlägerei in Moabit umgeht

96 Hooligans bekamen nach Massenschlägerei Stadionverbot

Hertha gewinnt Verfolger-Duell gegen Frankfurt