Berlin

Die Wiedererstarkten

Hertha BSC findet zurück in die Erfolgsspur – auch weil Schlüsselspieler Ibisevic und Darida in Form kommen

Berlin.  Am Abend runter zu kommen, ist schwer. Wenn die Partie einen unglücklichen Ausgang genommen hat, wie in der Vorwoche mit dem späten Ausgleich des FC Bayern bei Hertha BSC (1:1). Aber auch bei einem positiven Ende wie nun dem 2:0 (0:0) gegen Eintracht Frankfurt. „Der Körper ist voller Adrenalin, da kommt man nicht zur Ruhe“, sagte Pal Dardai. Der Trainer von Hertha BSC hat sich am Sonnabend auf der heimischen Couch bei einem Glas Rotwein noch mal die Schlüsselszenen des 22. Bundesliga-Spieltages angeschaut. So sehr die Berliner gegen die Bayern mit dem Schiedsrichter und dessen langer Nachspielzeit gehadert hatten, so sehr profitierte Hertha diesmal von einer wohlwollenden Einschätzung von Referee Sascha Stegemann beim 1:0 durch Vedad Ibisevic. Ob die Szene abseits gewesen sei, ob Hertha hätte Elfmeter bekommen müssen, ob das Tor von Ibisevic regulär war – „wir sind alle froh, dass der Schiedsrichter entschieden hat, wie er entschieden hat“, sagte Hertha-Manager Michael Preetz.

Der Hertha-Kapitän Ibisevic erfüllte mit seinem zehnten Saisontreffer die Forderung seines Trainers. Zur Pause hatte Dardai in der Kabine geschimpft. „Der Sechser, der Achter, der Zehner - wir waren wieder einen Tick gelähmt“, sagte Dardai. Gemeint waren Niklas Stark, Per Skjelbred in seinem 100. Spiel für Hertha und Vladimir Darida. Mehr Aggressivität, mehr Entschlossenheit, eine bessere Körpersprache hatte der Trainer gefordert. Und vor allem: „Frankfurt hatte seinen Matchball – da hat uns Torwart Rune Jarstein mit einer tollen Parade im Spiel gehalten. Wir werden unseren Matchball bekommen. Den müssen wir aber nutzen.“

Rune Jarstein spieltzum achten Mal zu Null

So kam es. Ibisevic verwandelte die erste Hertha-Chance zur Führung. Dass Darida mit einem sehenswerten Kopfball den 2:0-Endstand herstellte, passte ins Bild. Die Berliner Defensive steht – zum achten Mal in dieser Saison spielte Torwart Jarstein zu Null. Im Vorwärtsgang ist es weiter so, dass die Berliner sich relativ wenig Möglichkeiten herausspielen. Aber Ibisevic und Darida sorgten dafür, dass die Effektivität wieder da ist. Darida sagte: „Es ist sehr gut, dass wir wieder effektiv waren. Das hat uns auch letztes Jahr stark gemacht.“ Das beurteilte Niko Kovac, im Wedding aufgewachsener Ex-Herthaner und seit zehn Monaten Trainer von Eintracht Frankfurt, ähnlich: „Wenn Hertha führt, dann ist es sehr schwer, hier in Berlin überhaupt etwas ­mitzunehmen“, sagte Kovac.

Vor zwei Wochen, nach dem 0:2 auf Schalke, der fünften Niederlage innerhalb von sieben Bundesliga-Partien, hatte Dardai noch gemahnt: „Wir haben ein kleines Loch, aus dem müssen wir uns rausarbeiten.“ Nach dem Remis gegen Meister München und dem Arbeitssieg gegen Frankfurt stellte der Ungar fest: „Solange, wie ich hier bin, haben wir diese sogenannten Big-Point-Spiele nie gewonnen. Gegen Frankfurt ist uns das zum ersten Mal geglückt.“ Mit vier Zählern aus den letzten beiden Partien haben die Blau-Weißen zudem die Ängstlichen unter den Fans beruhigt, die fürchteten, dass Hertha erneut eine schwache Rückrunde hinlegen würde. Tatsächlich jedoch hatten die Berliner das, was mit Ausnahme der beiden führenden Klubs, FC Bayern und RB Leipzig, jeder Konkurrent in der Liga schon hatte: eine Delle.

Trainer Dardai freute sich, dass sein Team wieder in der Spur ist. Manager Preetz freute sich über eine „sensationelle Heimbilanz“ mit nun neun Siegen, einem Remis und einer Niederlage. Enttäuscht war Preetz über die Resonanz: Immerhin trafen der Fünfte und Sechste aufeinander, aber lediglich 43.323 Zuschauer besuchten das Olympiastadion. Von Diskussionen, ob Hertha als Tabellen-Fünfter nun ein Spitzenteam ist, hält Dardai nichts. „Wir sind noch in der Phase des Sammelns.“ Die nächsten Spiele bis zur Länderspielpause Ende März würden entscheiden, wie weit oben die Berliner einlaufen können. Hertha spielt Sonntag in Hamburg, dann gegen Dortmund (11. März) und auswärts in Köln (18.). Darida sieht noch Steigerungspotenzial: „Wir müssen ruhiger mit dem Ball sein und mutiger nach vorn spielen.“

HoffnungsträgerOndrej Duda

Einer, der eigentlich zu Saisonbeginn erwartet worden war, soll nun im letzten Saisondrittel helfen. Ondrej Duda hat seine langwierige Knieverletzung auskuriert und gab gegen Frankfurt ein 60-Sekunden-Debüt im Hertha-Trikot. „Ondrej hat das, was ein Manko bei uns ist: Er geht in die Tiefe und ist torgefährlich“, schwärmt Dardai. Allerdings erwartet der Trainer keine Wunder­dinge. Realistisch sei, dass Duda Ende März richtig angreifen könne.