Japaner in der Bundesliga

Haraguchi und Hasebe sind big in Japan

Herthas Haraguchi und Frankfurts Hasebe sorgen in ihrer Heimat für Interesse an der Bundesliga. Nun treffen sie aufeinander.

Genki Haraguchi hat seit 2014 für Hertha 73 Bundesligaspiele bestritten

Genki Haraguchi hat seit 2014 für Hertha 73 Bundesligaspiele bestritten

Foto: dpa Picture-Alliance / nordphoto / Engler / picture alliance / nordphoto

Berlin.  Für Genki Haraguchi wird das Spiel gegen Frankfurt am Sonnabend nicht nach 90 Minuten enden. Auch nicht nach 96, falls der Schiedsrichter wieder länger Lust hast. Für Herthas Angreifer gibt es auf jeden Fall eine Verlängerung. Sie wartet im Stadiontunnel, wo sich Profis und Medien treffen. Nach jeder Partie umzingelt eine Traube japanischer Journalisten den 25-Jährigen. Sie sprechen ihn an mit „Haraguchi Athlet“, wie es die Höflichkeit gebietet.

Haraguchi antwortet artig und ausdauernd, während nicht selten in seinem Rücken Teamkollegen wortlos an der heimischen Presse vorbeistapfen. Man kennt und respektiert sich. Für ihn allein ist die Traube ja da.

Es ist eine Parallelwelt, in der Haraguchi und seine Begleiter sich bewegen. Acht japanische Profis spielen aktuell in der Bundesliga. In den vergangenen Jahren waren es mehr. Aber die, die da sind, bringen eine Entourage an Pressevertretern mit, welche fast ausschließlich über sie berichtet. Bei Hertha BSC sind es laut Vereinsangaben acht bis zehn bei jedem Heimspiel.

Hasebe stellt einen Rekord ein

Eine davon ist Takako Maruga. Sie schreibt als freie Journalistin für täglich erscheinende japanische Sportzeitungen. Sie sagt, dass Interesse an japanischen Profis im Ausland sei groß. Neben den Zeitungen schicken auch Nachrichtenagenturen ihre Leute. Ein Onlineportal entsendet sogar einen eigenen Fotografen.

Sonnabend ist für die in Berlin lebende Maruga ein einträglicher Tag. Bei Herthas Gegner Eintracht Frankfurt spielt Makoto Hasebe (31) und Kapitän der japanischen Nationalelf. Er wird in Berlin einen Rekord einstellen: Es wird sein 234. Spiel in der Bundesliga. Hasebe zieht gleich mit Yasuhiko Okudera, der 1977 als erster Japaner in die Bundesliga kam – noch als Amateur und belächelt. Doch Okudera wurde Meister mit Köln und spielte 1980 auch eine Saison lang für Hertha.

Damals waren Japaner noch Exoten in der Liga. Heute sind sie neben guten Fußballern auch gute Vermarktungsmöglichkeiten für ihre Klubs in Fernost. „Außer beim FC Bayern oder Dortmund interessieren sich die Leute meist nur für die Bundesligavereine, in denen ein japanischer Profi spielt“, sagt Maruga. Seit Augsburg im Sommer Takashi Usami verpflichtet hat, sei der FCA plötzlich in Japan ein Begriff. „Holt Ingolstadt einen Japaner, würden sich die Leute sofort für Ingolstadt interessieren“, sagt Maruga.

“Haraguchi kann das Gesicht der neuen Generation werden“

Gestiegenes Interesse am Klub bedeutet gestiegene Vermarktungschancen – bei manchen Transfers von asiatischen Spielern spielt das eine Rolle. Hertha überlegt, einen eigenen Twitterkanal auf japanisch anzubieten. „Sportler haben in Japan noch einen höheren Stellenwert als in Deutschland“, sagt Kiyoshi Runze. Er ist ein deutsch-japanischer TV- und Werbefilmproduzent, der auch schon einen Film über Haraguchi gedreht hat.

„Wenn Toni Kroos bei Real Madrid spielt, ist das für deutsche Medien interessant“, sagt Runze, „aber keineswegs so sehr wie wenn Haraguchi bei Hertha spielt für japanische Medien“. Fußballer, die es im Ausland geschafft haben, werden in Japan verehrt. Dort sei Baseball immer noch die Sportart Nummer eins, aber der Fußball sei im Aufwind.

„Ich bin dankbar, dass durch die japanischen Journalisten in Deutschland Nachrichten über mich nach Hause gelangen“, sagt Haraguchi. Neulich war ein TV-Team in Berlin, um einen Film über Haraguchi zu drehen. Der Kameramann näherte sich ihm in gebückter Haltung. Haraguchi sagt: „Deutsche Medien fragen positive und negative Dinge gerade heraus, japanische Medien nehmen auf den Spieler Rücksicht.“ Eine fremde Welt.

Haraguchi Nationalelfkollege Hasebe, auf den er am Sonnabend trifft, sagt: „Ich sehe mich auch als Botschafter für meinen Klub in Japan.“ Er und Haraguchi sind in Deutschland keine Stars. Das ist zu Hause anders. Für die Nationalelf haben beide den Vorteil, dass sie in ihren Vereinen fast immer spielen, während andere Legionäre wie Dortmunds Shinji Kagawa und Keisuke Honda vom AC Mailand nur auf der Bank sitzen. Nationaltrainer Vahid Halilhodzic aber setzt in der WM-Qualifikation nur auf Stammspieler. Japan steht vor einem Umbruch. „Wenn Genki den nächsten Schritt macht, kann er das Gesicht der neuen Nationalelf-Generation werden“, sagt Korrespondentin Maruga.

Vertragsverlängerung in Berlin rückt näher

Auch bei Hertha hoffen sie auf einen nächsten Schritt: „Ich würde mir wünschen, dass bei ihm mehr Tore und Vorlagen kommen“, sagt Trainer Pal Dardai über Haraguchi. Im Moment sind es ein Treffer und zwei Assists. Hertha möchte seinen bis 2018 gültigen Vertrag trotzdem verlängern. Das haperte bisher auch am Berater, der ihn zu einem größeren Klub transferieren wollte. Haraguchi hat sich von ihm getrennt. Ein gemeinsames Frühstück mit Dardai und Manager Michael Preetz soll bald Einigung bringen.

Wo Haraguchi sich sieht, beschreibt sein Vergleich mit Hasebe. Er sagt: „Makoto ist eine Führungskraft. Ich bin ein Spieler, der sich noch hauptsächlich auf seine Aufgabe konzentrieren muss. Irgendwann würde ich auch gern eine Führungskraft werden.“ So oder so, die Journalisten-Traube wird dabei sein.