Hertha BSC

Jarsteins Aussetzer bleibt ohne Folgen

Herthas Torhüter muss keine Sperre fürchten – aber in drei anderen Fällen ermittelt der DFB gegen den Berliner Fußball-Bundesligisten.

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Berlin.  Rune Jarstein kann tief durchatmen. Herthas Nummer eins im Tor hatte sich nach dem 1:1 gegen den FC Bayern ja einen unrühmlichen Aussetzer geleistet, als er den Ball nach dem späten Gegentor voller Frust an den Rücken von Münchens Xabi Alonso getreten hatte. „Das war keine Absicht, sondern ein Versehen“, eines, für das er sich auch persönlich in der Kabine des Rekordmeisters entschuldigt habe, erzählte Jarstein zwar der norwegischen Tageszeitung „Verdens Gang“. Wer die Szene aber live oder in einer der vielen Wiederholungen gesehen hat, kann das nur schwer glauben. Jarstein nahm zumindest in Kauf, dass er einen Gegenspieler treffen könnte.

Am Montag gab der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nun bekannt: Eine Ermittlung gegen den seit Wochen besten und beständigsten Hertha-Profi bleibt aus – und damit auch eine mögliche Sperre. Schiedsrichter Patrick Ittrich (Hamburg) hatte Jarsteins Entgleisung prompt mit Gelb geahndet – eine Tatsachenentscheidung, die im Nachhinein nicht mehr angefochten wird.

Ein Hertha-Offizieller im Visier des Verbands

Stattdessen nimmt der DFB-Kontrollausschuss drei andere Vorgänge mit Hertha-Beteiligung genau unter die Lupe. Bei den Delikten eins und zwei handelt es sich um vermeintliche Fan-Attacken gegen Bayern-Trainer Carlo Ancelotti und Schiedsrichter Ittrich. Beide waren angeblich nach Spielschluss auf dem Weg in die Katakomben von den Rängen bespuckt worden. Der dritte Vermerk des Unparteiischen richtet sich gegen einen Hertha-Offiziellen, der Ittrich und seine Assistenten mit unsportlichen Äußerungen bedacht haben soll.

„Wir werden der Aufforderung nach einer Stellungnahme selbstverständlich bis zum Ablauf der Frist am kommenden Montag nachkommen“, wurde Hertha-Manager Michael Preetz auf der Klub-Homepage zitiert. „Bis dahin werden wir alles daran setzen, den Sachverhalt aufzuklären.“ Sollten sich die Vorgänge bestätigen, decke sich dies in keiner Weise mit den Werten von Hertha BSC und sei nicht zu tolerieren.

Auch Ancelotti und Gladbach droht eine Strafe

Ob die Berliner Konsequenzen aus den Vorfällen ziehen werden, wollten die Verantwortlichen indes nicht beantworten. Bislang ist die breite Treppe, über die die Protagonisten den Stadion-Innenraum verlassen, ungeschützt. Ein Spielertunnel existiert in der WM-Arena nicht, schien bis Sonnabend aber auch nicht vonnöten. Seit dem Stadionumbau 2004 war es an dieser Stelle nie zu Zwischenfällen gekommen. Bei den Plätzen über der Treppe handelt es sich um einen VIP-Bereich.

Auch von Ancelotti wurde vom DFB eine Äußerung eingefordert. Der Italiener hatte auf den mutmaßlichen Speichel-Angriff mit einem ausgestreckten Mittelfinger gen Tribüne reagiert, er werde der Forderung des Verbands aber „selbstverständlich“ nachkommen. Eine Sperre scheint jedoch unwahrscheinlich. „Ich kann Ancelotti gut verstehen“, sagte sein Gladbacher Kollege Dieter Hecking, „da ist eine Hemmschwelle überschritten worden.“

Heckings Borussia droht derweil selbst eine Strafe. Gladbacher Anhänger hatten während der Partie gegen RB Leipzig ein geschmackloses Schmäh-Spruchband (Wir verurteilen jeden geworfenen Stein... der Euch Kunden nicht getroffen hat“) präsentiert.