Hertha gegen Bayern

Rune Jarstein – Ein Lichtblick in Handschuhen

Bei Hertha BSC hat nur Torwart Rune Jarstein seine gute Form der Hinrunde gehalten. Die braucht es nun dringend gegen den FC Bayern.

Rune Jarstein blieb in dieser Saison bisher sieben Mal mit Hertha BSC in der Liga ohne Gegentor. Seit Wochen ist der Norweger der beste Berliner

Rune Jarstein blieb in dieser Saison bisher sieben Mal mit Hertha BSC in der Liga ohne Gegentor. Seit Wochen ist der Norweger der beste Berliner

Foto: imago sport / imago/Camera 4

Berlin.  Man kann natürlich auch mal ein bisschen spinnen. Man kann dann einen unvergleichlichen Torwart wie Manuel Neuer einfach mal mit einem anderen messen. Zum Beispiel mit Rune Jarstein. Dann könnte man neben der herkömmlichen These, dass der eine die Kategorie Weltklasse und der andere die des gehobenen Bundesliganiveaus trifft, zu der Überzeugung gelangen, dass es einer der beiden deutlich schwerer hat: Neuer. Klar.

Rune Jarstein ist Torwart bei Hertha BSC und in der norwegischen Nationalmannschaft. Schon mehrfach hat er in beiden Funktionen gegen Neuer gespielt, nie gewonnen und trifft nun an diesem Sonnabend beim Heimspiel der Berliner gegen den FC Bayern (15.30 Uhr/Sky) erneut auf Deutschlands Nummer eins. Es wird dann wahrscheinlich wieder so ablaufen wie immer: Während Jarstein die Bälle um die Ohren fliegen und er alle Hände voll zutun hat, wird Neuer größtenteils einen gemütlichen Nachmittag verleben.

Nur drei Stammkeeper der Liga mussten häufiger parieren

Der Münchner kommt sich ja manchmal vor wie ein Sicherheitschef im Museum. Die meiste Zeit über kann er ungestört die Kunstwerke seiner Vorderleute bestaunen. Aber falls dann doch mal ein Strolch die Punkte klauen will, muss er wachsam sein.

Bei Jarstein ist das im Moment genau umgekehrt: Kunstwerke haben seine Vorderleute bei Hertha seit Wochen nicht zu bieten, und er muss jetzt höllisch aufpassen, dass sich sein Team nicht den anvisierten Europapokal-Platz klauen lässt. Nur drei von allen Stammtorhütern der Liga mussten in dieser Saison mehr Paraden zeigen als Jarstein (60). Nur einer weniger als Neuer (40).

Jarstein findet, dass es für den bayrischen Kollegen daher komplizierter ist als für ihn selbst: „Wenn du das ganze Spiel über wenig zutun bekommst und dann plötzlich da sein musst, ist das unglaublich schwer“, sagt der 32-Jährige. Er hat nichts dagegen, wenn er gleich zu Beginn einer Partie eingreifen muss. „Ich brauche eine gute Parade, um reinzukommen. Dann kommt das Selbstvertrauen. Dann kommt das gute Gefühl“, sagt Jarstein.

Damit konnte Hertha seit Jahresbeginn durchaus dienen: Zuletzt gegen Schalke (0:2) und beim Pokal-Aus in Dortmund ließ die Defensive beste Gelegenheiten zu, sodass der Torwart mit herausragenden Reflexen dafür sorgen musste, dass die Spiele nicht früh entschieden war.

Lediglich Dortmunds Entdeckung Dembélé hat noch bessere Noten

Jarstein ist der einzige im Team der Blau-Weißen, der seine starke Form der Hinrunde konserviert hat. Ein Lichtblick in einer langsam grauer werdenden Hertha-Realität. „Rune hat sich in der Rückrunde noch einmal gesteigert“, finden gar Pal Dardai, der Berliner Cheftrainer. Der Ungar war nach seiner Ankunft vor zwei Jahren nicht unbedingt ein Fan des Norwegers, weil er fand, dass der damalige Ersatzkeeper Jarstein zwar im Training oft gut hielt, aber seine Mannschaften meist verloren. Ein guter Schlussmann strahlt aber Willen und Überzeugung auf seine Vorderleute aus. Neuer zum Beispiel.

Jarstein hat das verinnerlicht und ist heute deutlich präsenter als früher. Er sagt: „Ich fühle mich gut und versuche, das in unser Spiel einzubringen.“ Nur ein einziger Profi bekommt beim „Kicker“ in dieser Saison eine bessere Durchschnittsnote als Jarstein (2,60): Dortmunds Ousmane Dembélé (2,50).

Gegen den FC Bayern, das torgefährlichste Team der Liga (bisher 45 Treffer), das am Mittwoch beim 5:1 gegen den FC Arsenal in der Champions League bewiesen hat, dass es nicht nur zum Ende einer Partie Tore reinschummeln kann wie zuletzt in der Liga, wird es sehr wahrscheinlich auf Jarstein ankommen, wenn Hertha der erste Sieg gegen die Münchner seit acht Jahren (2:1 im Februar 2009) gelingen soll.

„Wir glauben, dass wir das Spiel gewinnen können“

Er selbst glaubt daran: „Es ist immer möglich, etwas zu schaffen. Auch gegen die Bayern. Wir haben gegen Dortmund im Pokal gezeigt, dass wir gegen gute Offensiven bestehen können. Wir glauben, dass wir dieses Spiel gewinnen können“, sagt Jarstein. Obwohl Hertha schlecht in die Rückrunde gestartet sei, könne am Ende immer noch ein sehr guter Platz rausspringen, findet der Norweger. Überzeugt sein, und das dann ausstrahlen.

Bliebe also noch der Vergleich mit Manuel Neuer. „Jeder Torwart hat seine eigene Identität“, sagt Jarstein, verhehlt aber auch nicht seine Bewunderung für den Münchner: „Bei ihm ist seine Athletik und seine Coolness beeindruckend. Ein überragender Torwart.“

Neuer führt die Liste der Keeper an, die in dieser Saison am meisten zu null gespielt haben: neun Mal. Jarstein steht immerhin auf Rang drei mit sieben gegentorlosen Partien, kann aber bei einer Sache nicht mithalten: Neuer hat noch nie gegen Hertha verloren.