Bundesliga

Herthas Per Skjelbred ist der Mann für den roten Bereich

Herthas Motor Per Skjelbred will gegen unbequeme Freiburger den Ton vorgeben – und Trainer Dardai den Grund zum Nörgeln nehmen.

 Kämpfernatur: Per Skjelbred (r.), hier im Duell mit Kölns Marco Höger, ist bei Hertha unumstrittene Stammkraft. Sein Vertrag läuft noch bis 2019

Kämpfernatur: Per Skjelbred (r.), hier im Duell mit Kölns Marco Höger, ist bei Hertha unumstrittene Stammkraft. Sein Vertrag läuft noch bis 2019

Foto: Getty Images / Bongarts/Getty Images

Berlin.  Schon wieder Blut. Das blaue Auge aus dem Winter-Trainingslager ist zwar kaum noch zu erkennen, dafür erscheint Per Skjelbred aber mit frisch verarztetem Finger zum Gesprächstermin. „Ach das“, sagt er beim Blick auf den dunkelroten Fleck im weißen Verband, „das ist nix. Ich habe vorhin im Kraftraum nicht richtig aufgepasst.“ Nur eine weitere kleine Kerbe im Körper von Herthas Mittelfeld-Malocher, der sich ja auffällig oft dort tummelt, wo es weh tut.

Erst zwei Wochen zuvor, Stichwort blaues Auge, hatte Skjelbred einen Ellenbogen ins Gesicht bekommen, zum Ende eines belanglosen Testspiels, wohlgemerkt. Die klaffende Wunde wurde mit drei Klammern getackert, was den Norweger aussehen ließ wie einen ramponierten Boxer, aber nicht davon abhielt, tags darauf als einer der Ersten auf den Rasen zu marschieren. „Was für ein Sechser“, freute sich Coach Pal Dardai, der einst selbst das defensive Mittelfeld beackerte.

Was fehlt, sind die Tore

Das Einstecken gehört für Skjelbred (29) zu seiner Berufsauffassung, vor allem dann, wenn es um die Seitenhiebe seines eigenen Trainers geht. „Ich muss mir ziemlich häufig anhören, dass Pal früher mehr Tore geschossen hat als ich“, sagt er müde lächelnd, „aber das ist Gott sei Dank nicht meine Hauptaufgabe.“ Entledigen würde er sich der Sticheleien trotzdem gern, am liebsten schon an diesem Sonntag (15.30 Uhr, Sky und im Liveticker bei immerhertha.de) in Freiburg – dort, wo ihm vor gut drei Jahren der erste von nur zwei Bundesligatreffern gelang. Damals erzielte er den 1:1-Endstand – nach langem Einwurf von Ronny.

Nicht nur deshalb ist Freiburg positiv besetzt für Skjelbred. Im beschaulichen Schwarzwald-Stadion, 25.000 Plätze, sei es „etwas anders“, sagt er, „so gemütlich“. Eine Idylle, der man nicht erliegen sollte, denn mit Anpfiff wird es für Gästeteams ziemlich schnell ziemlich unbequem. So wie am vergangenen Wochenende für den FC Bayern, dem die laufwütige SC-Elf um ein Haar den Jahresauftakt vermiest hätte. „Freiburg“, warnt Skjelbred, „ist immer unangenehm.“ So wie er selbst.

Sonnyboy-Image trifft auf Kampfschwein-Mentalität

Auch bei ihm selbst täuscht die Fassade ja. Mit seinen strahlend hellblauen Augen und den blonden Strubbelhaaren erscheint er äußerlich wie ein skandinavischer Sonnyboy, doch auf dem Platz mutiert er zu jenem Spielertyp, der gemeinhin als Kampfschwein gelabelt wird. Hohe Intensität, unbändige Laufbereitschaft, Aggressivität und taktische Disziplin – niemand im Berliner Team verkörpert diesen Mix besser als Skjelbred. „Manchmal ist mein Körper im roten Bereich oder sogar drüber“, sagt er, „das tut vielleicht weh, aber es gehört zu meinen Stärken, dass ich trotzdem die Konzentration halten kann.“

Im Norwegischen, meint Skjelbred, würde ihn wohl am besten der Begriff „Motor“ charakterisieren. Das scheint treffend, tatsächlich erinnert er nicht nur wegen seiner hohen Drehzahlen, sondern vor allem wegen seiner Beständigkeit an eine menschliche Maschine. Klammert man die Innenverteidiger aus, weist er bei Hertha die beste Passquote (gut 84 Prozent) und die stärksten Zweikampfwerte (knapp 57 Prozent) auf, dabei wirft sich kaum ein Kollege derart häufig ins Getümmel wie er.

Erstaunlich dabei: In der laufenden Saison ist Skjelbred bislang ohne Gelbe Karte ausgekommen. „Ich gehe schon mit meinem Körper in die Duelle“, sagt er, „aber ich bin kein unfairer Spieler und ich glaube, ich habe einen guten Ton mit den Schiedsrichtern.“

Trainer Dardai hat den Norweger besser gemacht

Den Ton seines Teams hatte Dardai zu Wochenbeginn ja noch kritisiert. Zu brav, zu lieb sei Hertha beim jüngsten 1:3 in Leverkusen aufgetreten, auch in der Kommunikation mit dem Unparteiischen. Also, Per Skjelbred, ist Hertha zu brav? „Ich finde nicht“, sagt er, „wir haben wir eine gute Mischung verschiedener Charaktere.“ Geht es nach Dardai, würde er in puncto Mentalität aber wohl am liebsten elf Per Skjelbreds aufstellen. Sollte er einen einzelnen Spieler hervorheben, hatte der Coach schon im Vorjahr gesagt, dann den fleißigen Teamplayer auf der Sechs. Nur die Sache mit den Toren ...

Ausgerechnet Dardai war es jedoch, der Skjelbreds Fokus endgültig auf das Spiel gegen den Ball ausrichtete. „Er hat mich besser gemacht“, sagt Skjelbred, der bei seiner Ankunft in Berlin 2013 noch offensiver agierte. Früher sei er meist seinem Instinkt gefolgt, unter Dardai habe er jedoch entscheidende Nuancen im Stellungsspiel gelernt. Ein Meter weiter links, ein Schritt tiefer – wie viele Angriffe er so schon verhindert hat, erfasst leider keine Statistik.

„In Freiburg erwartet uns ein echtes Kampfspiel“, sagt Skjelbred und scheint sich innerlich schon warmzulaufen. Spätestens um 15.30 Uhr wird der Motor wieder auf Temperatur sein.