Bundesliga

Wie Ex-Herthaner Maximilian Philipp in Freiburg aufblüht

Bei Hertha wurde Maximilian Philipp einst aussortiert. Nun trifft er als Leistungsträger des SC Freiburg auf seinen Ex-Klub.

 Mut zur Lücke: Freiburgs Maximilian Philipp (M.) entwischt Herthas Sebastian Langkamp (l.) und Per Skjelbred

Mut zur Lücke: Freiburgs Maximilian Philipp (M.) entwischt Herthas Sebastian Langkamp (l.) und Per Skjelbred

Foto: Michael Sohn / picture alliance / AP Images

Berlin.  Im Wettkampf um das Supertalent Alexander Isak hat Borussia Dortmund dieser Tage den Champions-League-Sieger Real Madrid ausgestochen. Rund zehn Millionen Euro Ablöse überweist der BVB für den 17-jährigen Schweden an AIK Solna. Außerdem gelang es den Dortmundern, den Vertrag mit Christian Pulisic (18) vorzeitig bis 2020 zu verlängern.

Isak, der jüngste Spieler, der je ein Tor für die schwedische Nationalmannschaft erzielt hat, gilt in seiner Heimat als „der neue Zlatan Ibrahimovic“. Pulisic, der auch von Jürgen Klopps FC Liverpool umworben war, wird als jüngster Torschütze in einem WM-Qualifikationsspiel für die USA gehypt. Zwei Youngster, die in die Schlagzeilen stürmen. Doch es gibt auch andere Wege in den Profifußball – jenseits der gängigen Superlative.

Bei Hertha zerbricht für das Talent eine Welt

Etwa den von Maximilian Philipp. Der gebürtige Berliner, aufgewachsen in Lankwitz, war nach der C-Jugend bei Hertha BSC aussortiert worden. Im Frühjahr 2008 wurde ihm mitgeteilt: mit 1,55 Meter zu klein und zu schmächtig. „Da ging für mich zunächst eine Welt unter“, erinnert sich Philipp. „Ich habe acht Jahre lang in der Jugend von Hertha BSC gespielt, bis zur C1, und ich war in dieser Zeit oft auch als Balljunge im Olympiastadion im Einsatz.“

Philipps Weg ist ein Beleg dafür, dass nicht jede Karriere geradlinig von der Deluxe-Ausbildung bei einem Topverein ins Millionen-Geschäft Bundesliga führt. Sein Weg mäanderte über die B-Jugend von Tennis Borussia zu Energie Cottbus und von dort in die A-Jugend des SC Freiburg.

Mittlerweile ist er 22, gewachsen ist er auch (1,83 Meter) – und längst bei den Profis angekommen. An diesem Sonntag (15.30 Uhr) empfängt der Offensivspieler mit dem SC Freiburg seinen Ex-Verein. „Ein wenig kribbelt es schon, aber mittlerweile ist es das vierte Mal, das ich gegen Hertha spiele“, erzählt Philipp der Berliner Morgenpost.

Bester Torschütze der Breisgauer

Über das Klischee vom beschaulichen Freiburg muss er schmunzeln. Ja, sagt Philipp, „die Fans freuen sich, dass wir in Freiburg Bundesliga-Fußball haben. Spiele gegen die Bayern oder Dortmund sind Feiertage“. Aber niemand schenkt dem Aufsteiger etwas. Umso bemerkenswerter ist, dass Freiburg mit dem drittkleinsten Etat der Liga eine überdurchschnittliche Bundesliga-Hinrunde gespielt hat, in der der Klub bereits 23 Punkte sammelte. Damit rangieren die Breisgauer vor der deutlich wohlhabenderen Konkurrenz aus Wolfsburg (19), Mönchengladbach (17) oder Hamburg (16). Übermütig wird deshalb natürlich niemand. „Jedes Jahr, das wir in der Bundesliga spielen, ist ein Wunder“, betont Freiburgs Sportvorstand Jochen Saier gern.

In der landesweiten Wahrnehmung fliegt der SC nach wie vor zumeist unter dem Radarschirm. 90 Minuten im frei empfangbaren Fernsehen wie am vergangenen Freitag gegen den FC Bayern, beim denkbar knappen 1:2, sind die Ausnahme. Umso mehr dürften die Fußballfans gestaunt haben, über den Freiburger Stil. „Wir sind taktisch flexibel, stellen uns auf den Gegner ein“, sagt Philipp. „Grundsätzlich wollen wir aber immer Fußball spielen. Unser Stil ist es nicht, lange Bälle nach vorne zu bolzen. Wir wollen schon sauber kombinieren.“

Dortmund, Leverkusen und Wolfsburg zeigten Interesse

Gut organisiert, kompakt, lauffreudig, guter Teamgeist – die Eigenschaften, die Freiburg auszeichnen, beschreiben auch den aktuellen Hertha-Jahrgang. Was für ein Spiel erwartet er? „Hertha ist ein schwieriger Gegner“, sagt Philipp, „sehr strukturiert, sehr stabil. Das wird ein intensives Spiel, in dem vielleicht die Kleinigkeiten entscheiden werden.“

Philipp ist gemeinsam mit Florian Niederlechner und Nils Petersen (alle fünf Treffer) der beste Torjäger im Team. Bereits am Aufstieg in der vergangenen Saison hatte er mit acht Toren und elf Assists gehörigen Anteil. Das ist auch der Konkurrenz nicht entgangen. Im Sommer 2016 waren Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen, der VfL Wolfsburg und der Hamburger SV an dem beidfüßigen Offensiv-Allrounder interessiert. Große Namen mit großen Ambitionen, doch statt den Lockrufen zu erliegen, verlängerte Philipp seinen Vertrag beim kleinen SC Freiburg bis 2019, weil er sich dort mehr Spielpraxis ausgerechnet hat.

Eine Rechnung, die bisher aufgeht. Im November und Dezember verpasste er zwar drei Spiele wegen eines Bänderrisses im Sprunggelenk, ansonsten aber stand er in 13 von 14 Partien in der Startformation.

Schwieriges Verhältnis zum Ex-Klub

Im vergangenen Herbst wurde Philipp erstmals zur deutschen U21-Nationalmannschaft eingeladen. Mittlerweile hat er vier Länderspiele absolviert. Fragen, ob der Sprung zu Bundestrainer Joachim Löw der nächste Schritt sei, wehrt Philipp ab: „Es ist ein absolutes Highlight, dass ich bei der U21 das Nationaltrikot meines Landes tragen darf.“

Auch Dortmund hat einst in der B-Jugend einen Youngster weggeschickt: zu klein, zu schmächtig. Viele Jahre später hat der BVB Marco Reus für 17 Millionen Euro Ablöse aus Mönchengladbach zurückgekauft. Ein Szenario, das auch für Philipp mit Hertha denkbar ist? Zumal seine Familie weiter in Berlin lebt und er bei jeder sich bietenden Gelegenheit von Basel in die Heimatstadt fliegt?

„Ich bin Berliner und werde später auch wieder dort leben“, sagt er, „und meine Familie ist mir total wichtig. Aber mit einer Rückkehr zu Hertha beschäftige ich mich nicht. Ich habe ganz andere Dinge im Kopf.“ Etwa, am Sonntag im Kampf um den Klassenerhalt drei Punkte einzufahren.