Bundesliga

Hertha BSC mit neuem Selbstbewusstsein

Warum die Berliner erstmals seit 2003 wieder mutig mit dem Saisonziel Europacup in die Öffentlichkeit gehen.

In Feierstimmung: Vedad Ibisevic (mit Binde) feiert einen von bisher sieben Heimsiegen von Hertha BSC im Olympiastadion

In Feierstimmung: Vedad Ibisevic (mit Binde) feiert einen von bisher sieben Heimsiegen von Hertha BSC im Olympiastadion

Foto: imago sport / imago/Jan Huebner

Berlin.  Das Auftaktprogramm ist knackig. In den ersten fünf Partien des neuen Jahres spielt Hertha BSC vier Mal auswärts, beginnend mit der Dienstreise nach Leverkusen am Sonntag (15.30 Uhr). Dann geht es nach Freiburg (29. Januar). Nach dem Heimspiel gegen Ingolstadt (4. Februar) folgen das DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund (8.) sowie in der Liga die Begegnung auf Schalke (11.).

Anspruchsvoller geht es kaum noch – um so bemerkenswerter erscheint der Mut, mit dem Hertha die Aufgaben angeht. Trainer Pal Dardai hat nach dem bislang guten Saisonverlauf mit 30 Punkten und Platz drei für die zweite Saisonhälfte als Ziel weitere 30 Punkte ausgegeben. Die Mannschaft hat sich im Trainingslager auf Mallorca auf das Saisonziel „ein Platz unter den ersten Sechs“ verständigt – und dieses Vorhaben öffentlich kommuniziert. Das ist eine Ansage an die Liga.

Angriff auf Europa

Das hat es so seit 14 Jahren nicht mehr gegeben bei Hertha. Im Sommer 2003 war nach Platz fünf die Champions League als Ziel publiziert worden. Wie sich allerdings rasch herausstellte, hatte der damalige Manager Dieter Hoeneß das Team samt der Verstärkungen Fredi Bobic und Niko Kovac dahingehend gelenkt, die Königsklasse anzustreben. Um dann Trainer Huub Stevens, der kein Freund solcher Vorgaben war, zu fragen: Wenn die Mannschaft das will, hast du nichts ­dagegen, oder?

Keine Bange, dem Hertha-Jahrgang 2017 soll hier nicht bedeutet werden, dass sie in Abstiegsgefahr geraten wird, wie der Jahrgang 2003/04, bei dem Stevens wenige Monate später (als Tabellen-17.) seinen Job los war. Viel mehr soll gewürdigt werden, dass Manager Michael Preetz zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt 2009 mit dem Ziel „Angriff auf ­Europa“ an die Öffentlichkeit geht.

Acht Klub geben mehr Geld für Spieler aus

Die Großspurigkeit, die Berlinern gern unterstellt wird, hatte die Führung unter Preetz und Präsident Werner Gegenbauer über Jahre demonstrativ nicht bedient. Nach den Abstiegen 2010 und 2012 war stets die Rede von Klassenerhaltung und Etablierung in der Liga. Nach wie vor ist es so, dass sieben, acht Konkurrenten deutlich mehr Geld für Spieler ausgeben als Hertha (Bayern, Dortmund, ­Leverkusen, Schalke, Wolfsburg, ­Mönchengladbach, Leipzig, HSV).

Den Wechsel der Strategie erklärt Manager Preetz: „Der offensive Umgang mit dem Saisonziel ist Teil einer Entwicklung und basiert auf Erfahrung.“ Anders als sein Vorgänger hat sich Preetz vorab mit seinem Trainer besprochen. „Und wir haben intern auch mit den Spielern gesprochen.“ Die Mannschaft um Kapitän Vedad Ibisevic zieht mit. Preetz sagt: „Es ist das erklärte Ziel von allen, dass wir es besser machen als vor Jahresfrist.“ Damals war Hertha nach starker Hinrunde mit nur 18 Rückrunden-Zählern aus den Europa-Cup-Rängen ­gerutscht. Auch Präsident Werner Gegenbauer, der die Vorgänge von 2003 genau in Erinnerung hat, registriert erfreut, dass sich diesmal ­alle Beteiligten verpflichteten.

Trainer Pal Dardai sagt, das sei ein positiver Druck

Sonntag in Leverkusen kann Trainer Dardai auf Innenverteidiger John Brooks setzen, der am Donnerstag und Freitag das komplette Trainings­programm mitmachen konnte. Obwohl derzeit wichtige Spieler fehlen wie Torjäger Salomon Kalou (spielt bis in den Februar für die Elfenbeinküste beim Afrika-Cup) und U21-Nationalspieler Mitchell Weiser (wird nach einer Nervenentzündung im Rücken noch mindestens zwei Wochen brauchen, ehe er mit dem Team trainieren kann), trägt auch Dardai das Ziel Europa: „Die Mannschaft ist erfahrener geworden. Ich habe jetzt mehr Leistungsträger – 14, 15 Spieler, die auf diesem Niveau helfen können. Die hatte ich im ­Vorjahr nicht.“

Gespannt sein darf man auf die Reaktion im Umfeld. Sportlich hat Hertha mit sieben Siegen aus acht Heimspielen beeindruckt. Daran gemessen ist der durchschnittliche Besuch im Olympiastadion (47.770 Zuschauer) nicht beeindruckend. „Ich erwarte in der Rückrunde eine deutliche Steigerung bei den Zuschauernzahlen“, sagt Ingo Schiller, Herthas Geschäftsführer Finanzen, mit Verweis auf die attraktiven Heimspiele gegen den FC Bayern (18. Februar), Borussia Dortmund (11. März) sowie RB Leipzig (6./7. Mai).

Dardai: Das ist positiver Druck

Hertha wird am Saisonende daran gemessen werden, ob das Ziel Europa erreicht wird. Bedenken, ob es Spott gibt, falls die Hürde nicht genommen wird, hat Dardai nicht. „Ob Manager, Mannschaft oder Trainer – alle glauben daran. Das ist ein positiver Druck.“ Dardai überlegt einen Moment: „Aber schon klar, das muss alles gut laufen.“