Bundesliga

Hertha besiegt Darmstadt - nach Gedenken an Anschlags-Opfer

Nach dem Anschlag von Berlin versucht Hertha BSC den Spagat zwischen Anteilnahme und dem Fokus auf das Sportliche. Mit Erfolg.

Herthas Salomon Kalou köpft den Ball

Herthas Salomon Kalou köpft den Ball

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Einen versöhnlichen Jahresabschluss bereiteten die Fußballer von Hertha BSC ihren Fans. Gegen den Tabellenletzten SV Darmstadt gelang den Blau-Weißen ein 2:0 (0:0)-Sieg. Nach langem Anlauf sorgten ein spektakuläres Freistoßtor von Marvin Plattenhardt (53. Minute) sowie ein Treffer von Salomon Kalou (66.) für die Entscheidung. „Es war ein schwieriges Spiel“, sagte Hertha-Kapitän Vedad Ibisevic. „Die Lösung war Plattes Rakete. So etwas zeichnet eine gute Mannschaft aus, wenn sonst nichts funktioniert.“ Nach dem neunten Saisonerfolg geht Hertha mit starken 30 Punkten als Dritter in die Weihnachtspause.

Lichtermeer und Stille für die Anschlagsopfer

Eindrucksvoll die Schweigeminute vorab nach dem Terroranschlag am Montag. Das Olympiastadion schwieg und leuchtete – weil 31.912 Besucher die Arena mit Handys in ein Lichtermeer verwandelten. Dazu wurde eine einsame Fahne mit dem Stadtwappen in der Ostkurve geschwenkt und das Banner mit der Aufschrift hochgehalten: Berlin bleibt stark. Schon am Mittag hatte die Mannschaft den Tatort vor der Gedächtniskirche besucht. Manager Michael Preetz und Trainer Pal Dardai legten einen Kranz nieder. „Wir haben dort die Trauer und den Schmerz der Menschen gespürt. Wir wussten, dass wir für die Stadt gewinnen mussten, dass wir die Möglichkeit haben, Freude spenden zu können“, erzählte Torschütze Kalou später.

Beim Einlass ins Olympiastadion war trotz Minuskulisse Geduld nötig wegen verschärfter Einlasskontrollen. Sperrgitter wurden aufgestellt, die Zuschauer kamen nur über Gassen ins Stadion-Innere. Schwere Polizeifahrzeuge sicherten das Gelände.

Auch beim Spiel mussten die Anhänger zunächst Langmut aufbringen. Dardai hatte mit Salomon Kalou, Vladimir Darida und Valentin Stocker seine ballsicheren Spieler in die Startelf beordert, weil man nach den Niederlagen gegen Bremen (0:1) und in Leipzig (0:2) unter Zugzwang stand. Tatsächlich wirkte Hertha so in allen Belangen überlegen: Beim Ballbesitz, der Passquote, gewonnenen Zweikämpfen – nur sprang dabei nichts heraus. Und wenn die passiven Darmstädter sich mal in die Hertha-Hälfte wagten, spielten die Berliner ihre Konter schlecht zu Ende. So nach 16 Minuten, als Vladimir Darida zu früh und zu überhastet aus 21 Metern aufs Darmstädter Tor schoss – statt den besser postierten Vedad Ibisevic zu bedienen.

Wenn aus dem Spiel heraus nichts läuft, so die alte Fußballregel, bleiben immer noch Standardsituationen. Gegen Darmstadt belegte Marvin Plattenhardt einmal mehr, warum er Freistöße lieber etwas weiter vom Tor als direkt von der Strafraumgrenze tritt. Herthas Freistoßspezialist legte sich den Ball knapp 30 Meter vor dem Tor zurecht und zirkelte ihn mit Wucht und Präzision in den oberen rechten Winkel, unerreichbar für Torwart Esser. Ein Traumtor zum 1:0 (53.). Und kein Zufall: Auch in Wolfsburg (3:2) hatte Plattenhardt bereits nach ruhendem Ball getroffen. Es war sein sechstes Bundesliga-Tor – alle per Freistoß. Der Schütze war nicht überrascht. „Ich habe Admir Hamzagic (Co-Trainer) vor dem Spiel gesagt, dass es mal wieder Zeit für ein Tor ist“, sagte Plattenhardt.

Einmal in Schwung glänzte Plattenhardt beim nächsten Hertha-Freistoß nicht als Vollstrecker, sondern als Vorlagengeber. Plattenhardts Flankeköpfte Kalou aus fünf Metern ein, 2:0 (66.). Die ganze Mannschaft nahm Kalou, der zuletzt etwas geschwächelt hatte, in die Mitte und feierte mit dem Stürmer dessen fünften Saisontreffer. Zu Beginn der Rückrunde – Hertha startet am 22. Januar 2017 bei Bayer Leverkusen ins neue Jahr – wird Kalou fehlen. Der Ivorer wird mit der Elfenbeinküste im Afrika-Cup in Gabun spielen (14. Januar bis 5. Februar).

Dardai will ab Januar noch einmal 30 Punkte sammeln

Danach brachten die Berliner den siebten Sieg im achten Heimspiel der Saison sicher nach Hause. Lautstark bejubelten die Fans noch den Werder-Ausgleich in Sinsheim. Weil Hoffenheim (28 Punkte) damit Platz drei an die Berliner (30) abtreten musste. Die Berliner Mannschaft um Kapitän Vedad Ibisevic bedankte sich mit einem Spruchband für die Unterstützung der Fans, wünschte frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Und Dardai versprach sogar: „Mein Ziel ab Januar ist, dass wir noch mal 30 Punkte sammeln.“ Der Traum von Europa würde dann wahr werden.