Hertha BSC

Torwart Rune Jarstein - Der Beste zum Schluss

Kein Hertha-Profi lieferte im Jahr 2016 so konstant Topleistungen wie Rune Jarstein. Gegen Darmstadt will der Keeper sein Jahr krönen.

Keeper Rune Jarstein hat sich bei Hertha inzwischen unverzichtbar gemacht. Sein Vertrag in Berlin läuft bis Sommer 2019

Keeper Rune Jarstein hat sich bei Hertha inzwischen unverzichtbar gemacht. Sein Vertrag in Berlin läuft bis Sommer 2019

Foto: O.Behrendt / contrastphoto

Berlin.  Was soll man sich denn auch wünschen, wenn man am Ende eines fast perfekten Jahres steht? Rune Jarstein jedenfalls tut sich schwer. „Familie und Freunde – alle müssen gesund bleiben“, sagt Herthas Nummer eins, „aber ansonsten bin ich wirklich sehr glücklich.“ Der Norweger hat allen Grund dazu. 2016 war ein besonderes Jahr für ihn, es war sein Jahr, „das beste meiner Karriere“, wie er sagt.

In Berlin schwang sich Jarstein (32) 2016 endgültig zum unangefochtenen Stammtorhüter auf, nachdem er 2015 für den verletzten Thomas Kraft aufgerückt war. Im Nationalteam eroberte er ebenfalls den Platz zwischen den Pfosten zurück und wurde darüber hinaus sogar zu „Norwegens Fußballer des Jahres“ gekürt.

Dass Jarstein in der vergangenen Woche noch unauffällig seine langjährige Partnerin Hanne-Stine heiratete, passte ins Bild seines Traumjahres. Viel mehr geht nicht, weiß Jarstein, doch einen kleinen Makel möchte er am Mittwoch im Heimspiel gegen Darmstadt 98 (20 Uhr, Sky und im Liveticker bei immerhertha.de) noch allzu gerne korrigieren.

Offene Rechnung mit Darmstadt

„Darmstadt war schlimm“, sagt Jarstein, „wir haben damals unnötig verloren.“ Gemeint ist der vorletzten Spieltag der vergangenen Saison. Im Mai verlor Hertha im Olympiastadion gegen den Underdog 1:2 und verbaute sich so den Weg nach Europa.

Nach dem späten Gegentor durch Sandro Wagner warf Jarstein den Ball damals fluchend in Richtung seines früheren Teamkollegen. Später stapfte er wutschnaubend in die Kabine. Rückblickend, sagt er, sei die Pleite für ihn der „schlimmste Moment“ der vergangenen zwölf Monate.

Ansonsten aber produzierte Jarstein fast ausschließlich positive Bilder und kommentiert diese bereitwillig in etwas holprigem, aber bemerkenswert korrektem Deutsch. Bild eins: Jarstein bei der Trainingsarbeit mit Tennisbällen. „Das ist gut für die Reaktion, Augen und Kopf sind mehr gefordert.“ Klick, nächstes Motiv: Jarstein beim 0:3 im Pokal-Halbfinale gegen Borussia Dortmund, das Hertha ohne seine Großtaten noch höher verloren hätte. „Ein besonders Erlebnis“, sagt er, „die Atmosphäre im vollen Olympiastadion war sensationell.“

Kein Berliner war konstanter

Klick, nächstes Bild, Jarstein bei seinem Länderspiel-Comeback gegen Deutschland im September. Die Niederlage (0:3) sei zwar zu hoch ausgefallen, genossen habe er die Rückkehr aber trotzdem. In seiner Heimat haftete ihm lange Zeit ein Bad-Boy-Image an, unter anderem, weil er 2012 einen Reporter angegangen war. „Jetzt“, sagt Jarstein, „bekommen die Menschen langsam einen anderen Eindruck von mir.“ Klick.

Allein mit herausragenden Paraden könnte man eine ganze Dia-Serie befüllen. Jarstein mit einem Blitzreflex gegen den heranstürmenden BVB-Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang beim 1:1 Mitte Oktober. Oder gegen Hoffenheims Andrej Kramaric zwei Wochen später. Oder am vergangenen Sonnabend in Leipzig, als er mehrfach ein sich anbahnendes Debakel verhindert. Herthas Gegner konnten sich sicher sein: Selbst, wenn sie zehn Berliner übertrumpft hatten, wartete der Beste immer zum Schluss.

Grobe Fehler leistete sich Jarstein in diesem Jahr kaum. „Dadurch, dass ich mehr gespielt habe, ist mein Selbstvertrauen gewachsen“, sagt er. Und damit auch die Konstanz. Während sich andere Leistungsträger verletzten, patzten oder einfach eine schlechte Tagesform erwischten, war auf Jarstein stets Verlass. In Herthas Kader hat der zweifache Familienvater damit ein echtes Alleinstellungsmerkmal inne. Der 1,90-Meter-Hüne steht wie kein anderer für Konstanz – und darf sich deshalb auch in Berlin als Spieler des Jahres fühlen.

Nur zwei Keeper zeigen mehr Paraden als der Norweger

Schon 2015/16 wiesen nur vier Bundesliga-Torhüter eine bessere Quote an gehaltenen Bällen auf als Jarstein. In dieser Spielzeit hat er bislang die drittmeisten Paraden (48) gezeigt. Als versierter Fußballer spielt er zudem eine wichtige Rolle in Herthas Speilaufbau. Pro Partie kommt er im Schnitt auf 44 Ballkontakte. Nur zwei seiner Berufskollegen sind noch häufiger involviert.

Doch allen Erfolgen und Topwerten zum Trotz: Genau wie seinen Kollegen ist auch Jarstein die Erschöpfung im Jahresendspurt anzumerken. Über Weihnachten fährt er mit seiner Familie nach Norwegen – und sehnt schon jetzt den traditionellen Schweinebraten und das Herumtollen im Schnee mit seinen Töchtern herbei.

Vorerst aber gilt alle Konzentration Darmstadt. Jarstein wird ernst. „Man kann sich immer verbessern“, sagt er. Ein Sieg gegen die „Lilien“ wäre für ihn das i-Tüpfelchen auf einem unvergesslichen Jahr.