Bundesliga

Hertha ohne Chance gegen Leipzig

Hertha hat das Spiel gegen den RB Leipzig 0:2 verloren. Wirkliche Chancen hatten die Berliner nicht.

Torwart Rune Jarstein (Berlin) streckt sich vergebens

Torwart Rune Jarstein (Berlin) streckt sich vergebens

Foto: imago sportfotodienst / imago/Picture Point LE

Verzockt. Der Plan von Pal Dardai, gegen RB Leipzig etwas Besonderes zu zeigen, ging daneben. Hertha BSC war völlig chancenlos gegen das Überraschungsteam dieser Saison und unterlag am Sonnabend mit 0:2 (0:1). „Wir haben es nicht geschafft, uns von dem Druck zu befreien, Leipzig war brutal schnell“ sagte Mittelfeldspieler Niklas Stark. Hertha rutschte nach der zweiten Niederlage in Folge auf Rang vier der Bundesliga zurück. RB ist zumindest für eine Nacht Tabellenführer – und reist am Mittwoch zum Topspiel beim Meister Bayern München

Das erste Pflichtspiel-Duell dieser Klubs war vor 42.588 Zuschauern in der ausverkauften WM-Arena eine unerwartet einseitige Angelegenheit. Mit seiner Aufstellung sorgte Trainer Dardai für eine Überraschung: Mit Vedad Ibisevic und Julian Schieber standen zwei Stürmer in der Startelf, mit Allan und Jens Hegeler zwei Profis, die wenig Spielpraxis haben. Hegeler hatte zuletzt am 24. September gespielt. Dafür saßen Stammkräfte wie Per Skjelbred und Vladimir Darida auf der Bank.

Mit langen Bällen wollte Hertha dem gefürchteten Pressing der Hausherren entgehen, viele Zweikämpfe führen und den Gegner aus dem Konzept bringen. Nur war davon nichts zu sehen. Hertha wurde von den pass­sicheren Leipzigern komplett am eigenen Strafraum eingeschnürt. Einen ersten Warnschuss durch Marcel Halstenberg drehte Hertha-Torwart Rune Jarstein um den Pfosten (7. Minute). Nach elf Minuten der erste Rückschlag für die Gäste: Bei Mitchell Weiser brach seine alte Muskelverletzung auf, der U21-Nationalspieler musste seinen Platz für Peter Pekarik räumen.

Geschmackloses Banner gegen RB-Chef Ralf Rangnick

Was sich nicht änderte, war der Druck der Hausherren. Erneut Jarstein parierte bei einem 16-Meter-Schuss von Marcel Sabitzer (20.). Dann hatte Hertha Glück, dass der sechs Meter vor dem Tor freigespielte Naby Keita den Ball nicht richtig traf (25.).

Als die Berliner in Unterzahl waren – Schieber wurde wegen einer Platzwunde am Kopf an der Seitenlinie genäht – nahm das Unheil seinen Lauf. Hegeler verteidigte zu passiv gegen Keita, der im Berliner Strafraum Timo Werner anspielte. Der enteilte Marvin Plattenhardt und schob den Ball flach ins linke Eck, 0:1 (41.).

Unterdessen hatten einige der Hertha-Fans den guten Eindruck, mit dem die Anhänger begonnen hatten, wieder zerstört. Zunächst war der Gästeblock noch ein echter Hingucker: „Nur echt in Blau-Weiß seit 1892“ stand da. Die 2500 Berliner Fans im Oberring trugen komplett Plastiküberzieher in Blau, die 2500 im Unterring in Weiß – eine gelungene Choreographie. Menschenverachtend war dann aber das Spruchband zu Ralf Rangnick, dem RB-Sportdirektor, das einige Hertha-Fans kurz vor der Pause minutenlang zeigten: „Ey Ralf, wir warten sehnlichst auf deinen nächsten Burnout.“ 2011 hatte Rangnick als Schalke-Trainer unter einem Burnout gelitten. Hertha-Manager Michael Preetz reagiert unmittelbar nach Abpfiff via Twitter: „Wir gratulieren RB zum verdienten Heimsieg. Hertha BSC distanziert sich von diesem widerlichen Banner.“

Die Hertha-Verteidigung schaute aus respektvollem Abstand zu

Zur zweiten Hälfte kam Darida für den schwachen Salomon Kalou. Die Dramaturgie indessen blieb gleich: Die Hausherren schwungvoll, die Gäste phlegmatisch. Auch nach der Pause war es erneut Torwart Jarstein, der dank seiner Paraden gegen Yussuf Poulsen (48.) und Halstenberg (52.) zunächst im Spiel hielt. Wie groß der Abstand zwischen den Mannschaften an diesem Nachmittag war, zeigte sich nach 62 Minuten: Emil Forsberg trat eine Ecke, RB-Kapitän Willi Orban flog in den Ball und köpfte ihn hoch unter die Latte, 0:2. Die Hertha-Verteidigung schaute aus respektvollem Abstand zu.

In allen Bereichen waren die Berliner unterlegen. RB brachte 81 Prozent seiner Pässe zum Mitspieler, Hertha 60 Prozent. Phasenweise hatte RB 73 Prozent Ballbesitz. Dafür, dass der Zweite gegen den Dritten angetreten war, erstaunte, dass Hertha nicht stattfand. Bezeichnend: Die erste brenzlige Situation für Leipzigs Torwart war ein Rückpass von seinem Verteidiger Halstenberg – in Minute 76. „Von der Schnelligkeit war das ein Riesenunterschied“, sagte Trainer Dardai. „Das war unser bester Gegner bisher. Sie sind schnell genug, kompakt genug und gierig.“

Die Spötter unter den Berliner Anhängern behaupten, dass Hertha seine notorische Rückrunden-Schwäche vorgezogen und mit dem 0:1 in der Vorwoche gegen Bremen begonnen hat. Nun das 0:2 in Leipzig. Niklas Stark erhebt Einspruch:. „Hier kann man verlieren. Keine Angst, uns geht nicht die Puste aus“, sagte er. Die letzte Gelegenheit in diesem Jahr, den Gegenbeweis zu führen, hat Hertha am Mittwoch. Da gastiert der SV Darmstadt im Olympiastadion (20 Uhr).