Bundesliga

Hertha BSC und die neuen Wege zum Glück

Hertha und RB Leipzig müssen vor dem Topspiel ungewohnte Hürden meistern. Beide Klubs weichen deshalb von ihren Routinen ab.

Feintuning: Trainer Pal Dardai (l.) bei der Trainingsarbeit mit Niklas Stark

Feintuning: Trainer Pal Dardai (l.) bei der Trainingsarbeit mit Niklas Stark

Foto: Ottmar Winter

Berlin.  RB Leipzig setzte auf Pomp, Hertha BSC ließ es leger angehen. Der Aufsteiger hatte sich am Montagabend im edlen Jugendstil-Saal der Leipziger Kongresshalle eingemietet, wo die Spieler samt Begleitung über rote Teppiche flanierten. Die Berliner gaben sich am Dienstagabend mit rustikaler Almhütten-Atmosphäre am Wannsee zufrieden, der Anlass aber war der gleiche: Beide Klubs zelebrierten ihre Weihnachtsfeier. Längst nicht die einzige Parallele in einer ungewöhnlichen Woche bei den beiden Bundesligisten.

Für beide war ja am vergangenen Spieltag eine Serie gerissen. Leipzig hatte die erste Bundesliga-Niederlage kassiert, Hertha die erste Heimpleite der Saison. Das hatte Konsequenzen. Vor dem direkten Duell am Sonnabend (15.30 Uhr) in Leipzig wichen beide Teams von ihren Routinen ab.

Leipzig schottet sich ab, Hertha reduziert die Belastung

RB-Trainer Ralph Hasenhüttl setzte auf Geheimhaltung, die Übungseinheiten des Tabellenzweiten fanden, anders als sonst, unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Dass der 49-Jährige für das Topspiel gegen den Dritten eine neue Taktik einstudieren lässt, darf angesichts der Leipziger Systemtreue bezweifelt werden. Stattdessen wird es Hasenhüttl darum gehen, vor dem Jahresfinale gegen Hertha und Bayern München (Mittwoch) die Sinne zu schärfen.

Der Kniff mit dem Geheimtraining, er hat in Leipzig schon einmal funktioniert – vor der Partie gegen die wiedererstarkten Schalker. Beim 2:1 habe RB dann „eine der besten Saisonleistungen gezeigt“, so Hasenhüttl.

Hertha-Coach Pal Dardai verzichtete auf derartiges Versteckspiel. Aber: Auch er ließ anders arbeiten als zuletzt. „Wir haben einiges geändert“, sagt der Ungar, „wir haben nicht so intensiv und hart trainiert.“ Erschöpfung und Konzentrationsschwächen habe er ausgemacht – auf der Zielgeraden des Jahres gehen körperliche und mentale Frische der Spieler zur Neige. Auch bei den Leipzigern meint Dardai „ein Zeichen von Müdigkeit“ entdeckt zu haben. RB hätte zuletzt auffällig viele Torchancen liegen lassen.

Talent Baak rasselt mit Stürmer Schieber zusammen

In einem Punkt glichen sich die Trainer jedoch. Mit den Enttäuschungen der Vorwoche, betonen sie unisono, wolle man sich nicht mehr aufhalten. Sowohl Hertha als auch RB darf sich zwar schon jetzt als Gewinner der Hinrunde fühlen, allerdings steht in den letzten zwei Partien des Jahres noch viel auf dem Spiel. Leipzig will beweisen, dass es mit Rückschlägen umgehen kann und den Bayern die Herbstmeisterschaft streitig machen.

Die Berliner wollen unterstreichen, dass sie zu Recht in der Spitzengruppe stehen und dem von Red Bull alimentierten Emporkömmling trotzen – von der Prestigewirkung eines Sieges ganz zu schweigen. Knapp 4500 Hertha-Fans werden nach Leipzig reisen und den ungeliebten Gastgebern sicher nicht nur Nettigkeiten entgegenbringen.

Dardai hingegen reicht die rein sportliche Brisanz. Die ist groß genug. Mit Florian Baak (17) zog sich am Donnerstag einer der möglichen Ersatzkandidaten für die verletzten Innenverteidiger Sebastian Langkamp und John Brooks eine Gehirnerschütterung zu. Er war mit Stürmer Julian Schieber zusammengeprallt. Erste Wahl wäre das Talent aber wohl eh nicht gewesen.

Niklas Stark hat seinen Fehler gegen Bremen abgeschüttelt

So wie sich Baak nun wieder berappeln muss, muss auch Hertha das enttäuschende Spiel gegen Bremen abschütteln. Als Musterbeispiel nennen Dardai und Manager Michael Preetz denjenigen, der am 0:1 die größten Aktien hatte: den unfreiwilligen Vorlagengeber Niklas Stark.

Es sei nun mal „das Schicksal eines Innenverteidigers, dass Fehler oft zu Gegentoren führen“, sagt Preetz, „aber ihm war danach keine Verunsicherung mehr anzumerken.“ Auch Dardai schien nicht viel Aufbauarbeit leisten zu müssen. Er sah im Training „einen Niklas Stark, der sich keinen Fehlpass geleistet hat“.

Es wird spannend sein zu beobachten, welches der beiden Teams die größere Gier auf Wiedergutmachung entwickelt. Leipzigs Schlüsselspieler Naby Keita prophezeit: „Die erste Niederlage macht uns nur heißer.“ Herthas Erfahrenster, Salomon Kalou, hatte schon unmittelbar nach dem Bremen-Spiel gefordert, dass „wir uns in Leipzig zurückmelden müssen“. Ob das mit Glanz gelingt oder eher mit rustikalen Mitteln, wird den Beteiligten egal sein.