Bundesliga

Hertha feiert historisches Hoch

Hertha liegt nach 13 Spieltagen auf Platz drei in der Bundesliga - das hat es vorher noch nicht gegeben.

Hertha hat Rang drei in der Bundesliga gefestigt

Hertha hat Rang drei in der Bundesliga gefestigt

Foto: Jürgen Engler

Berlin.  Der NDR schickte den abreisenden Hertha-Fans noch einige Liedzeilen hinterher: Auf der Heimfahrt irgendwo zwischen Braunschweig und Helmstedt klang es aus den Boxen: „Wer friert uns diesen Moment ein“ und „Bei uns geht jeder für jeden durchs Feuer“ - ein Text von Liedermacher Andreas Bourani, der laut mitgesungen wurde. Hertha BSC steht nach dem achten Bundesliga-Sieg auf Platz drei. 27 Punkte nach 13 Runden sind die beste Ausbeute, die je ein blau-weißer Jahrgang seit Liga-Gründung 1963 eingefahren hat.

Das 3:2 beim VfL Wolfsburg war einmal mehr ein Beleg für „bei uns geht jeder für jeden durchs Feuer“. Mit Vedad Ibisevic, Per Skjelbred und Mitchell Weiser fehlten drei Schlüsselspieler. In der VW-Arena war Hertha zudem zweimal in Rückstand geraten – und verließ die Auto-Stadt dennoch als Sieger, weil jeder seinen Teil dazugab.

„Wenn man in der Schlussminute durch ein Elfmetertor gewinnt, ist das schon glücklich“, sagte Manager Michael Preetz. „aber unter dem Strich war der Sieg verdient.“ Ob Torchancen, Ballbesitz, Passquote, gewonnene Zweikämpfe – in allen relevanten Bereichen dominierten die Gäste.

Hertha kann schon jetzt für 2017/18 planen

Mit 27 Punkten Anfang Dezember hat Hertha bereits zu diesem frühen Saisonzeitpunkt Planungssicherheit, dass der Hauptstadt-Klub (sehr, sehr wahrscheinlich) auch 2017/18 erstklassig sein wird. Ein Faktor, der ­Hertha hilft, wenn die Verantwort­lichen sich um neue Spieler oder Sponsoren bemühen.

Pal Dardai erklärte am Tag nach dem Erfolg seine Taktik: Der VfL hatte sich nach der Pause mit der 2:1-Führung im Rücken vor dem eigenen Tor mit einer Fünfer-Abwehrkette verschanzt. „Wir hatten viel Ballbesitz in der gegnerischen Hälfte“, sagte der Trainer. „Dann haben wir von rechts nach links und wieder zurück gespielt. Der Gegner musste wieder und wieder verschieben. Und irgendwann kommt er mal einen Schritt zu spät – dann haben wir den Raum, den wir brauchen.“

Das ist nun eine Spielanlage, die seit vielen Jahren von Hertha nicht gefordert war. Schlicht, weil die Berliner meist nicht als Favorit angetreten sind. Dardai beschrieb das System als „wertvollen Ballbesitz“, weil sie in der gegnerischen Hälfte stattfindet.

Durch die Einwechslungen noch variabler

Dazu griffen die Einwechselungen des Trainers: Mit Vladimir Darida und Alexander Esswein spielten die Gäste noch mal variabler. „Aber bei der engmaschigen Abwehr ist es dann kein Zufall, dass es den tollen Weitschuss von Alexander Esswein braucht, damit wir den Ausgleich machen“, sagte Preetz.

Esswein, im August vom FC Augsburg ­gekommen, freute sich über sein zweites Tor für Hertha, reichte das Lob aber weiter ans Team: „Der Schlüssel war, dass wir geduldig geblieben sind und auf unsere Chance gewartet haben.“

Wenn im Hertha-Jahrgang 2017 Tor-Garant Ibisevic mal fehlt, springen andere in die Bresche. Marvin Plattenhardt verwandelte nicht nur einen 18-Meter-Freistoß zum 1:1. Zudem holte der Linksverteidiger mit seinem Sprint in den VfL-Strafraum in Minute 90 den entscheidenden Elfmeter heraus.

Salomon Kalou und seine makellose Elfmeter-Bilanz

Dort bewies Salomon Kalou, warum er bei seiner Nationalmannschaft, der ­Elfenbeinküste, im Finale des ­Afrika-Cups 2015 gegen Äquatorial­guinea beim Stande von 0:0 nach 116 Minuten eingewechselt wurde: Kalou ist Mr. Cool. Im Elfmeterschießen gewann die Elfenbeinküste den Titel. Kalou traf im Endspiel des Afrika-Cups ebenso wie nun in der Nachspielzeit in Wolfsburg, dort zum 3:2.

Seine Strafstoßbilanz für ­Hertha seit 2014 ist ­makellos: Kalou trat in der Bundesliga fünf Mal an – fünf Tore. Dazu kommt ein verwandelter Elfmeter im DFB-Pokal (2:1-Siegtreffer beim FSV Frankfurt) sowie im August der entscheidende letzte Schuss im Erstrunden-Elfmeterschießen bei Jahn ­Regensburg – Hertha setzt sich Mitte August beim Drittligisten mit 5:3 durch.

„Ich bin nicht überrascht, dass wir unsere Ausfälle gegen Wolfsburg kompensieren konnten“, sagte Manager Preetz. „Weil wir Wochen ohne Vladimir Darida gespielt haben. Und Wochen ohne Salomon Kalou – und man hat nichts gemerkt.“ Der Kader dieser Saison ist deutlich breiter aufgestellt als im Vorjahr. „Jetzt haben wir 14, 16 Spieler, die alle fit sind und, weil wir eingespielt sind, alle unser System kennen“, sagt Trainer Dardai.

„Nach 13 Spieltagen lügt die Tabele nicht“

Hertha hat bei weitem nicht die drittteuerste Mannschaft in Deutschland und (beim Blick auf die Stars der Liga) sicher nicht die drittbeste Mannschaft – steht aber auf Rang drei.

„Nach 13 Spieltagen lügt die Tabelle nicht“, sagt Dardai, „aber der Weg zum Ziel ist noch weit.“ Preetz ergänzt: „Wenn wir Ansprüche nach oben anmelden wollen, müssen wir im ersten Halbjahr 2017 besser abschneiden als im ersten Halbjahr 2016.“ Da hatte Hertha mit nur zwei Punkten aus den letzten acht Begegnungen seine gute Ausgangsposition auf einen Platz im internationalen Geschäft verspielt.

Die Hertha-Anhänger sind guter Dinge, dass es diesmal besser wird. Oder wie Bourani singt: „Ein Hoch auf das, was vor uns liegt.“