Berliner 3:2-Sieg

Herthas Kalou schockt Wolfsburg mit Last-Minute-Elfmetertor

Trotz einiger Ausfälle hat Hertha beim VfL Wolfsburg den nächsten Dreier eingefahren. Kalou traf per Elfmeter in der Nachspielzeit.

Salomon Kalou setzt sich gegen Wolfsburgs Caligiuri durch

Salomon Kalou setzt sich gegen Wolfsburgs Caligiuri durch

Foto: Peter Steffen / dpa

Salomon Kalou lief nach seinem Schuss sofort nach links, dort wo die Hertha-Fans lautstark jubelten. Der Torjäger hatte mit einem verwandelten Elfmeter das 3:2 erzielt – und feierte nun ausgelassen mit den Teamkollegen das Tor, das den Sieg bedeutete. Die Berliner entwickeln sich Schritt für Schritt: Vergangenen Sonntag hatten sie gegen Mainz erstmals seit langem nach einem Rückstand gewonnen (2:1). In Wolfsburg besiegte Hertha auch die eigene Auswärtsschwäche, beim VfL gelang der zweite Erfolg in der Fremde. Der Lohn der Arbeit: Hertha schaut sich die Tabelle nach 13 Spieltagen als Dritter an.

„Das waren aufregende 90 Minuten, da war alles dabei“, sagte Stürmer Julian Schieber, „aber am Ende haben wir verdient gewonnen.“ Zunächst war Hertha vor 25.317 Zuschauern etwas passiert, was schon länger nicht geschehen ist: Dass sich die Mannschaft von der Wucht des Gegners überraschen ließ. Innerhalb von sechs Minuten ließen sich die Gäste von den dynamischen Hausherren beeindrucken. Ob es daran lag, dass mit Kapitän Vedad Ibisevic (gesperrt), Mitchell Weiser und Per Skjelbred (beide verletzt) drei Stammkräfte fehlten? In jedem Fall ließ sich Herthas Abwehr überraschen von einem Antritt von Yannick Gerhardt, dessen Flanke köpfte Daniel Caligiuri gegen die Laufrichtung von Rune Jarstein, doch der Hertha-Torwart reagierte mit einem starken Reflex – den Abpraller bugsierte jedoch Borja Mayoral über die Linie – 0:1 (12. Minute).

Hertha ließ sich zunächst nicht aus der Ruhe bringen und nutzte gleich die nächste Gelegenheit. Während sich die Wolfsburger Abwehr bei einem 22-Meter-Freistoß auf Salomon Kalou konzentrierte, lief der daneben stehende Marvin Plattenhardt an und zirkelte den Ball über die Mauer ins Netz. Ein Traumtor – 1:1 (16.).

Während sich die Berliner noch untereinander Mut zusprachen nach dem Motto „geht doch“, legten die Hausherren eine Schippe drauf. Erneut Gerhardt bereitete vor, Herthas Innenverteidigung schlief komplett, Paul Seguin rannte allein auf Torwart Jarstein zu – und schob den Ball flach ein, das 1:2 (18.).

Nun zeigten die Gäste Wirkung. Die Mannschaft um Kapitän Sebastian Langkamp hatte zwar mehr Ballbesitz, schob sich das Spielgerät aber stets weit weg vom VfL-Strafraum zu. Nach 59 Minuten brachte Trainer Dardai mit Vladimir Darida und Alexander Esswein zwei frische Offensivkräfte (für Genki Haraguchi und Valentin Stocker). „Der Trainer hat mir bei der Einwechslung gesagt, dass wir gewinnen wollen“, sagte Esswein. Und machte seinen Job. Als ein Ball aus dem Wolfsburger Strafraum heraussprang, jagte Esswein ihn mit fulminantem Aufsetzer unten ins linke Eck – 2:2 (69.).

Mit Schwung von der Bank zwei Rückstände aufgeholt

„Der Ausgleich war der Bruch bei uns“, sagte VfL-Trainer Valerien Ismael, „da müssen wir mehr denken und weniger Fehler machen. Wir haben ein Kopfproblem.“ Beim VfL lagen nach den vielen vorangegangenen erfolglosen Wochen die Nerven blank. Hertha hatte nun reichlich Räume, Wolfsburg unterliefen viele Fehler. Von den vermeintlichen Hochkarätern wie Mario Gomez oder den eingewechselten Luiz Gustavo und Julian Draxler war nichts zu sehen. Dazu kassierte Seguin eine Ampelkarte (87.).

Und erneut war Plattenhardt an der entscheidenden Situation beteiligt. Herthas Linksverteidiger war im gegnerischen Strafraum vor Caliguri am Ball, der Wolfsburger trat zu, Schiedsrichter Jochen Dreees pfiff – Elfmeter. Eine Situation, in der Salomon Kalou wieder einmal seine Nervenstärke ausspielte, er verwandelte ruhig und sicher zum 3:2 (90.+1).

„In der ersten Hälfte haben wir uns etwas anstecken lassen von der Nervosität des VfL“, sagte Hertha-Kapitän Langkamp. „Das haben wir in der Pause besprochen, dann haben wir ruhiger und zielgerichteter gespielt.“ Darida, der zum zweiten Mal nach seiner zehnwöchigen Verletzungspause eingewechselt wurde, sagte: „Trotz des zweimaligen Rückstandes hatte ich eigentlich immer das Gefühl, dass wir hier gewinnen.“

Trainer Pal Dardai grummelte: „Wir haben Geschenke verteilt, das ist eigentlich nicht unsere Sache. Der Sieg war verdient, aber es hat lange gedauert.“ Er habe der Mannschaft in der Pause aber gesagt, dass das ein Gegner sei, bei dem man gewinnen könne. Und lobte dann die Entwicklung, die die Mannschaft genommen hat: „Die Einwechselspieler haben Schwung gebracht. Großes Kompliment an Salomon Kalou. In der Schlussminute den Siegtreffer zu erzielen, das ist nicht selbstverständlich.“

Hertha will seine gute Position am nächsten Sonnabend im Heimspiel Werder Bremen ausbauen. Beim VfL mit seinem hochpreisigen Kader sagte Trainer Ismael: „Wir stecken im Abstiegskampf.“