Mitgliederversammlung

Hertha blickt in Richtung Liga-Spitze

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Uwe Bremer und Jörn Lange
Herthas Finanzchef Ingo Schiller (l.), Geschäftsführer Michael Preetz (Mitte) und Präsident Werner Gegenbauer auf dem Podium

Herthas Finanzchef Ingo Schiller (l.), Geschäftsführer Michael Preetz (Mitte) und Präsident Werner Gegenbauer auf dem Podium

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Hertha bindet Ibisevic bis 2019 und will sich oben in der Liga einnisten. Brandenburg bleibt jedoch ein möglicher Stadion-Standort.

Berlin.  Erst sprach Michael Preetz von der U23 von Hertha BSC, dann vom Abschneiden der U19, dann vom Tabellenstand der U17. Beiläufig erwähnte der Manager von Hertha BSC, dass er am Nachmittag Besuch gehabt hat. „Vedad hat in meinem Büro vorbei geschaut.“ Auf der Videowand im Hintergrund wurde ein Blatt Papier an die Wand geworfen mit einem Stift – ein leises Raunen ging durch die Messehalle.

„Tja, und wo wir hier in kleiner Runde sitzen, kann ich Euch exklusiv mitteilen, dass Vedad Ibisevic seinen Vertrag bei Hertha verlängert hat.“ Jubelnder Applaus brandete auf unter den 1234 Mitgliedern von Hertha BSC, die zur Mitgliederversammlung unterm Funkturm erschienen waren. Der Bundesligist hat seinen Torjäger also überzeugen können, die Arbeitspapiere in Berlin bis Juni 2019 zu verlängern.

Sportlich lobte Preetz die Entwicklung der Mannschaft, die aktuell auf Rang drei der Bundesliga liegt. Der Manager versprach den Mitgliedern, dass anders als in der schwachen Rückrunde der Vorsaison, Hertha alles dransetze, besser abzuschneiden. „Wir wollen uns oben einnisten“, sagte Preetz, „dann haben wir eine Chance auf mehr Zuschauer, mehr Mitglieder und mehr Partner.“

Besucherzahlen lösen keine Freude aus

Einmal mehr formulierte Preetz seine Unzufriedenheit über die Besucherzahlen. Die Mannschaft habe nach fünf Siegen in den ersten fünf Heimspielen „mehr Zuschauer verdient als beim Spiel gegen Mainz.“ Am Sonntag waren 37.852 Besucher im Olympiastadion – Saison-Minuskulisse.

Turbulent wurde es bei der Aussprache zum Thema der Standortfrage für ein in der Zukunft geplantes eigenes Stadion. Die Hertha-Linie formulierte Bernd Schiphorst, der Vorsitzende des Aufsichtsratens: „Das Olympiastadion ist seit 50 Jahren unser Zuhause. Wir lieben das Olympiastadion. Jeder weiß aber auch: Ein modernes Fußballstadion sieht anders aus. Die Zuschauer der Zukunft stellen andere Ansprüche. Wenn wir darauf nicht reagieren, erwächst uns ein Wettbewerbsnachteil. Am besten wäre, eine Lösung auf dem Olympiagelände zu finden.“

Schiphorst verteidigte aber auch die Erwägung von Standorten in Brandenburg: „Wir würden unsere Pflichten grob verletzten, wenn wir nicht alle Alternativen prüfen, auch solche außerhalb von Berlin.“ Mehrere Mitglieder formulierten, von viel Beifall unterstützt, dass Hertha unbedingt im Olympiastadion bleiben soll. Wenn dort regelmäßig das DFB-Pokalfinale ausgetragen wird, Länderspiele und das Champions-League-Finale stattfinden, sei das Stadion auf der Höhe der Zeit.

Ein Minus von acht Millionen Euro in 2015/16

Im wirtschaftlichen Teil legte Ingo Schiller, Herthas Geschäftsführer Finanzen, folgende Bilanz vor: Demnach standen in der Saison 2015/16 bei Hertha Einnahmen von 95,2 Millionen Euro Ausgaben von 103 Millionen gegenüber. Schiller begründete das Minus von 7,8 Millionen vor allem mit Abschreibungen.

Bei den Einnahmen stellen mittlerweile die TV/Medien-Rechte (30,1 Mio.) den größten Teil. Nach dem neuen Fernseh-Vertrag rechnet Schiller für Hertha künftig mit einem Anstieg allein bei diesem Posten ab 2017/18 von 20 Millionen Euro.

Bei den Ausgaben wurden für Personalkosten eine so hohe Summe fällig wie noch nie – 46 Millionen Euro. Schiller verwies darauf, dass Hertha eine unerwartet erfolgreiche Saison gespielt hat, entsprechend wurden höhere Punktprämien fällig. Auch der Einzug ins Halbfinale des DFB-Pokals war mit der Zahlung üppiger Prämien verbunden.

Hertha ließ den HSV abblitzen

Die Verbindlichkeiten sind zum 30. Juni 2016 gestiegen auf 21,22 Millionen (2015: 15,86). Schiller verwies darauf, dass es sich um keine zinstragenden Verbindlichkeiten handele (mit Ausnahme der Hertha-Anleihe/3,5 Mio. sowie der Crowdlending-Anleihe/1 Mio.).

„Es war eine strategische Entscheidung von Hertha, in der vergangenen Saison viele Verträge vorzeitig zu verlängern“, sagte Schiller. „Wenn der neue TV-Vertrag ab 2017 greift, wird alles teurer werden.“ Hertha verlängerte in der vergangenen Saison mit Rune Jarstein, John Brooks, Sebastian Langkamp, Fabian Lustenberger oder Marvin Plattenhardt.

„Wir hätten im Sommer ohne weiteres Transfererlöse erzielen können“, sagte Schiller. So hatte etwa der Hamburger SV acht Millionen Euro geboten, um U21-Nationalspieler Niklas Stark zu verpflichten. Hertha lehnte ab. Schiller sagte: „Wir haben stattdessen in die Mannschaft investiert, um mittelfristig Einnahmepotenziale zu schaffen, von denen Hertha profitieren kann.“