Bundesliga

Ibisevic bleibt Herthaner bis 2019

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Jörn Lange
Vedad Ibisevic (r.) geht für Hertha weiter auf Torejagd

Vedad Ibisevic (r.) geht für Hertha weiter auf Torejagd

Foto: Boris Streubel / Bongarts/Getty Images

Hertha hat den Vertrag mit seinem Kapitän um zwei Jahre verlängert. Und der Stürmer hat auch nach 100 Toren längst noch nicht genug.

Berlin.  Herthas Profis hatten die Mitgliederversammlung längst verlassen, als Geschäftsführer Michael Preetz in der Messehalle unter dem Funkturm von einem Besuch Vedad Ibisevics in seinem Büro berichtete. Anschließend zeigte er ein Video davon, wie der Stürmer seine Unterschrift unter einen neuen Vertrag setzte, begleitet von tosendem Applaus des Auditoriums. Der Bosnier geht nun bis 2019 für die Berliner auf Torejagd.

Es war das i-Tüpfelchen auf ein Wochenende, das der 32-Jährige beim 2:1 (1:1) gegen Mainz am Sonntag mit seinen Bundesliga-Treffern 99 und 100 bereits gekrönt hatte. Ibisevic war 2015 vom VfB Stuttgart gekommen und von Trainer Pal Dardai im Sommer zum Kapitän bestimmt worden. Auch Salomon Kalou will Hertha weiter an sich binden. Der Vertrag des Stürmers endet im Sommer 2017.

Ibisevics Tor-Meilenstein hatten die Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle schon im Vorfeld antizipiert und nach Abpfiff im Olympiastadion T-Shirts mit großem Ibisevic-Aufdruck verteilt. „VedaTOR #100“, stand darauf geschrieben. Pal Dardai war am Sonntagabend von dieser Geste überrascht worden, outete sich tags darauf aber als großer Fan. „Ich brauche auch so eins und lasse es mir schnell von Vedad unterschreiben“, scherzte der Coach, „wenn ich irgendwann mal kurz vor dem Verhungern sein sollte, kann ich das gut versteigern.“

Genauso viele Torschüsse wie alle Mainzer

Wie wertvoll Ibisevic für die Berliner ist, unterstrich seine Leistung gegen Mainz. Handlungsschnelligkeit und Präzision im Abschluss, hervorragendes Timing und ein fantastisches Gespür für den freien Raum – nicht nur bei seinen Toren zum 1:1 (36.) und zum Sieg (67.) bewies er seine herausragenden Qualitäten als Torjäger. Insgesamt brachte Ibisevic den Ball neun Mal auf das gegnerische Tor. So häufig wie die komplette Mainzer Mannschaft in 90 Minuten.

Nun also befindet sich Ibisevic im elitären Klub der Hunderter. 100 Bundesligatore, diese Schallmauer haben vor ihm erst 50 Spieler geknackt, darunter nur sechs Akteure aus dem Ausland. Ob er Claudio Pizarro (190 Tore), Giovanne Elber (133) oder Robert Lewandowski (128) noch einholen wird, bleibt abzuwarten; Ailton und Stéphane Chapuisat (je 106) befinden sich jedoch in greifbarer Nähe. „Die Mannschaft macht eine Menge für Vedad, und er profitiert auch von unserem System“, sagt Dardai und fängt an zu grinsen. „Wir werden alles dafür geben, dass er weitere Marken knackt, aber dafür muss er gesund bleiben – und natürlich bei uns.“

Nun war allerdings nicht nur die Dopingprobe daran schuld, dass die Feierlaune etwas gedämpft wurde. Auch Ibisevic selbst hatte seinen Anteil daran. Nachdem er für eine krachende Grätsche bereits Gelb gesehen hatte (58.), hielt er Pablo de Blasis fest und sah Gelb-Rot (74.). „Ich hatte gehofft, dass der Schiedsrichter etwas mehr Fingerspitzengefühl zeigt“, sagt Ibisevic: „Man kann das so entscheiden, aber man muss es nicht.“ Vertretbar war der Platzverweis allemal.

Schieber darf auf Einsatz gegen Wolfsburg hoffen

Bei Hertha haben sie es zur Regel gemacht, dass Rotsünder das Team einladen. Zuletzt hatte es Valentin Stocker erwischt, der sich für seinen Platzverweis in Dortmund mit Hamburgern und Eis revanchierte. Auch Ibisevic wird nun eine Runde schmeißen müssen.

Im nächsten Spiel beim VfL Wolfsburg am Sonnabend (15.30 Uhr) bleibt ihm indes nur eine passive Rolle: die des Zuschauers. Das Toreschießen sollen dann andere übernehmen. Julian Schieber, in dieser Saison noch nie in der Startelf, mache derzeit einen guten Eindruck, sagt Dardai. Auch Salomon Kalou, der am Sonntag beide Ibisevic-Treffer vorbereitete, könnte aus dem Mittelfeld nach vorn rücken.

Vorn, da will auch Ibisevic unbedingt bleiben – und gibt deshalb trotz der jüngsten Erfolge den Mahner. „Wir wissen aus dem letzten Jahr, dass wir uns nicht täuschen lassen dürfen“, warnt er. Schwächelnde Topteams wie Schalke und Leverkusen würden sich im neuen Jahr zurückmelden, dazu komme die neue Konkurrenz aus Leipzig, Hoffenheim oder Köln. Ibisevics Appell: „Wir müssen weiter Vollgas geben!“ Gelingt Hertha das, gibt es sicher noch mehr Gelegenheiten zum Feiern.