Bundesliga

Ibisevic schießt Hertha gegen Mainz auf Platz 3

Beim 2:1 gegen Mainz dreht sich alles um Ibisevic, der mit seinem Doppelpack die Berliner auf Platz drei schießt.

Vedad Ibisevic setzt an zum Schuss

Vedad Ibisevic setzt an zum Schuss

Foto: Boris Streubel / Bongarts/Getty Images

Die Bundesliga staunt über Leipzig, wundert sich über Bayern, rätselt über Dortmund – und im Schatten der vielen Diskussionen schleicht sich Hertha BSC auf Rang drei. Gegen den FSV Mainz 05 gelang den Berlinern mit einem 2:1 (1:1) im sechsten Heimspiel der sechste Sieg. Eine solche Serie gelang dem Hauptstadt-Klub erst einmal zuvor – in der Saison 2000/01. Aktuell liegt Hertha mit 24 Punkten nur drei Zähler hinter dem Zweiten, dem FC Bayern. „Wie jeder sieht, sind wir zu Hause eine Macht“, sagte Verteidiger John Brooks.

Dabei hatte es zunächst vor 37.852 Zuschauern im kalten Olympiastadion nicht nach einem erfolgreichen Abend ausgesehen. Beide Mannschaften legten einen matten Start hin. Mainz präsentierte sich nach dem Europa-League-Auftritt in St. Etienne am Donnerstag (0:0) müde – die Hausherren passten sich dem Niveau an.

Der Wachmacher dieser Partie war der erste Torabschluss der Gäste. Auf der linken Abwehrseite ließ sich Marvin Plattenhardt vom Mainzer Levin Öztunali austanzen. Dessen Flanke bekam Innenverteidiger Sebastian Langkamp nicht weg, so dass Bundesliga-Debütant Aaron Seydel seinen ersten Treffer erzielte – 0:1 (24. Minute).

Dies zeigte Wirkung. Vor allem John Brooks leistete sich im Spielaufbau unverständliche Ballverluste, Trainer Pal Dardai fluchte lautstark. Zum Glück für die Berliner waren da die erfahrenen Spieler. Salomon Kalou passte zu Vedad Ibisevic. Der Torjäger drehte sich um zwei Verteidiger und zog energisch von der Strafgrenze ab – flach unten im rechten Eck schlug es ein – 1:1 (36.). Die Berliner waren dank des siebten Saisontreffers von Ibisevic wieder im Spiel. Unmittelbar vor der Pause hatte der Herthas Stürmer-Star die nächste Chance, sein Kopfball verfehlt aber das Mainzer Tor.

Zu Beginn der zweiten Hälfte hinterlegten einige Fans aus der Ostkurve ihre Meinung zu eventuellen Standorten für ein künftiges Stadion außerhalb Berlins. Auf mehreren Transparenten hieß es: „Heute Berliner Start-up – morgen Brandenburger Platte. Hallo Identitätskrise! Aus Berlin für Berlin, Brandenburg ohne uns. Bevor Ihr Hertha ins Umland schickt, jagen wir euch in die Wüste.“ Dieses Thema wird emotional diskutiert werden auf der heutigen Mitgliederversammlung ab 19 Uhr in der Messehalle unterm Funkturm.

Nach der Pause ging es vor allem intensiv zur Sache. Herthas Peter Pekarik wurde böse erwischt von Pablo de Blasis, konnte aber weiterspielen. Ibisevic war gut bedient mit einer Gelben Karte, die er für eine Brachialgrätsche sah (58.). Dann ging der Mainzer Gbamin mit Gelb-Rot vom Platz nach einem Foul an Pekarik (62.).

Torwart Jarstein rettet den Sieg in der Schlussphase

Nun erhöhten die Hausherren die Schlagzahl. Zum ersten Mal nach zehn Wochen Verletzungspause wurde Vladimir Darida eingewechselt – für den blassen Valentin Stocker (64.). Der Tscheche sorgte sofort für Schwung. Er wurde im Mainzer Strafraum freigespielt, flankte an den zweiten Pfosten, Salomon Kalou legte den Ball zurück in die Mitte. Dort war Ibisevic zuerst am Ball, der flipperte gegen Torwart Jonas Lössl von dort wieder gegen den Fuß von Ibisevic und von dort ins Netz – 2:1 für Hertha (67.). Es gibt einfachere Wege, als den von Ibisevic, um seinen 100. Bundesligatreffer zu erzielen.

„Ein Siegtor zu machen, bleibt in Erinnerung“, sagte Trainer Dardai zum Jubiläumstreffer des Bosniers: „So wie er arbeitet, kommen die Tore automatisch.“ Zu einer möglichen Vertragsverlängerung sagte Dardai nur: „Ich arbeite sehr gern mit Ibisevic, er fühlt sich hier sehr wohl. Er ist ein guter Kapitän und Führungsspieler.“

Für Ibisevic war es noch nicht genug Drama. Sieben Minuten später hielt der Bosnier den Mainzer de Blasis fest, erneut Gelb – auch Ibisevic musste mit der Ampelkarte vom Platz, sein vierter Platzverweis in der Bundesliga. „Von 100 Toren in der Bundelsiga kann man nicht träumen. Das ist einfach unglaublich. Aber schön ist, dass Nr. 99 und 100 zum Sieg geführt haben. Gegen Mainz, das war ein schwieriges und sehr wichtiges Spiel für uns. Nur der Schiedsrichter hat nicht ganz mitgespielt. Aber das kann man wegstecken“, sagte Ibisevic. Torwart Rune Jarstein rettete den Sieg, der Norweger lenkte einen 22-Meter-Freistoß von de Blasis an die Latte (84.).

In der Nachspielzeit warf Mainz alles nach vorn, inklusive Torwart. Beinahe hätte Hertha es bitter bezahlen müssen, dass der eingewechselte Stürmer Alexander Esswein in der Nachspielzeit den Ball nicht im verlassenen Mainzer Tor unterbrachte (90.+2). In der letzten Aktion des Spiels konnte Hertha-Torwart Jarstein einen 20-Meter-Schuss nur nach vorn abklatschen, der Mainzer Bungert schob den Ball in Richtung Tor – doch auf der Linie schlug Brooks den Ball weg. Am 13. Spieltag tritt Hertha am kommenden Sonnabend beim VfL Wolfsburg an.