Bundesliga

Hertha mit Wut im Bauch gegen Mainz 05

Für Hertha geht es gegen Mainz nicht nur um wertvolle Punkte, sondern auch um Wiedergutmachung. Ein Leistungsträger fällt jedoch aus.

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Sie haben es nicht vergessen, das bitterste 0:0 der jüngeren Vereinsgeschichte. Natürlich nicht, schließlich sollte das besagte Unentschieden in Mainz weitreichende Folgen haben für Hertha. Am letzten Spieltag der vergangenen Saison hatten sich beide Teams ja zum entscheidenden Duell um den direkten Einzug in die Europa League getroffen. Mit einem Sieg wären die Berliner auf die internationale Bühne zurückgekehrt, doch daraus wurde bekanntlich nichts. Die Europa-Reise blieb dem FSV vorbehalten. Hertha scheiterte später in der zeitlich ungünstig gelegenen Qualifikationsrunde an Bröndby IF.

„Mit Mainz haben wir noch ein Hühnchen zu rupfen“, sagt also Hertha-Verteidiger Sebastian Langkamp vor dem Wiedersehen im Olympiastadion am Sonntag (17.30 Uhr). Natürlich hätte auch er gerne international gespielt, wenngleich der Respekt vor der Mehrbelastung groß ist.

Internationale Erfahrung gegen ausgeruhte Beine

Der Preis für die Tour durch Europa, er ist mitunter hoch. Freiburg, Frankfurt, Augsburg – sie alle sind in den vergangenen Jahren durch den zusätzlichen Wettbewerb ins Schlingern geraten. Anders Mainz: Die Rheinhessen haben international zwar nicht gerade brilliert (mit dem 0:0 in St. Etienne am Donnerstag war das Vorrunden-Aus besiegelt), dafür aber auch kaum Reibungsverluste im Kerngeschäft Bundesliga hinnehmen müssen. „Sie haben trotz der Doppelbelastung 17 Punkte geholt“, sagt Hertha-Manager Michael Preetz, „das ist eine Top-Leistung.“ Wer weiß, wie es für Hertha gelaufen wäre.

Vorerst haben die Berliner das Bild aus dem Mai korrigiert. Als Tabellensechster stehen sie zwei Plätze vor Mainz, mit vier Punkten mehr auf dem Konto. Und: Anders als die 05er, die in St. Etienne eine engagierte Leistung zeigten und nach kurzem Zwischenstopp in der Heimat nach Berlin weiterreisen, konnte sich Hertha in aller Ruhe vorbereiten.

Hertha ist das heimstärkste Team der Liga

Nicht der einzige Grund, weshalb Pal Dardai auf Attacke schaltet. „Wir haben zu Hause alle fünf Spiele gewonnen“, betont Herthas Cheftrainer, „wenn jemand zu uns kommt, sind wir deshalb Favorit. Mit einem Unentschieden werden wir uns nicht zufrieden geben.“ Tatsächlich sind die Hauptstädter momentan das heimstärkste Team der Liga.

Trotz der klaren Ansage: Natürlich hat auch Dardai großen Respekt vor der Leistung der Mainzer. Erst nach dem jüngsten 0:0 in Augsburg hatte er betont, wie schwer die vielen Dienstreisen zu verarbeiten sind, auch wenn das in Herthas Fall die vielen Nationalspieler betraf. Mainz hatte damit weit weniger Probleme als erwartet.

Im Vergleich zur Vorsaison hätten sich beide Mannschaften weiterentwickelt, sagt Dardai, und fiebert dem Duell auch deshalb entgegen. Mainz war schließlich schon dort, wo er mit Hertha noch hin möchte. „Die internationale Erfahrung hat ihnen gut getan“, ist er überzeugt, „mit ihnen können wir uns richtig messen.“ Da ist sie wieder, die Extra-Portion Mainz-Motivation.

Mitchell Weiser wird am Sonntag fehlen

Auf zwei seiner besten Kräfte wird Dardai jedoch verzichten müssen. Nach Per Skjelbred (Muskelfaserriss) meldete sich am Freitag auch Mitchell Weiser ab. Der 22-Jährige hatte seit dem vergangenen Wochenende mit muskulären Problemen zu kämpfen, war die gesamte Woche geschont worden. Den Belastungstest am Freitag musste er abbrechen. Bitter.

Mit Weiser fehlt Hertha einer der giftigsten Offensivspieler, einer, der mit seinen Eins-gegen-eins-Situationen für Unruhe und Torgefahr sorgt. „In den letzten 30 Metern vor dem Tor brauchen wir individuelle Qualität“, sagt Dardai, der nun wohl Genki Haraguchi auf die rechte Außenbahn beordern wird. Skjelbreds Part im defensiven Mittelfeld übernimmt derweil Fabian Lustenberger. Dazu wird Vladimir Darida nach seiner Außenband-OP erstmals wieder in den 18er-Kader rücken.

Haraguchi, Lustenberger und Darida, auch sie waren im Mai mit dabei, als das Ergebnis zwar ein Remis auswies, aber Mainz sich wie der große Sieger feierte. Bilder, die bis heute nachhallen. „Wir haben zu Hause gezeigt, was wir für einen Fußball spielen können“, sagt Langkamp, „und wir werden alles daran setzen, um das Duell diesmal für uns zu entscheiden.“ Mit „der nötigen Vernunft“ zwar, aber sicher auch mit einer gewissen Wut im Bauch.