Bundesliga

Warum Hertha nüscht wie raus nach Brandenburg will

Weil es aus dem Berliner Senat keine Unterstützung für ein eigenes Stadion gibt, schaut Hertha über die Stadtgrenze hinaus.

Hertha-Macher: Manager Michael Preetz (l.) und Präsident Werner Gegenbauer

Hertha-Macher: Manager Michael Preetz (l.) und Präsident Werner Gegenbauer

Foto: Annegret Hilse / picture alliance / dpa

Berlin.  Kaum ein Thema emotionalisiert Fußballfans so sehr wie die Frage nach der Heimstätte ihres Vereins. Bei Hertha BSC hat sich die Frage seit Jahrzehnten nicht gestellt. Schlicht, weil der Hauptstadt-Klub seit 1963, der Gründung der Bundesliga, im Olympiastadion spielt. Das soll sich ändern. Die aktuelle Vereinsführung um Präsident Werner Gegenbauer und Manager Michael Preetz treibt Pläne für eine eigene Fußballarena voran.

Bei der Mitgliederversammlung am kommenden Montag wird es erneut Fragen geben. Zwar soll die Machbarkeitsstudie, die Hertha in Auftrag gegeben hat, erst im Februar 2017 vorliegen. Aber bereits die Reaktionen auf die ersten Infos, die via „Bild“ durchsickerten, sorgten für große Resonanz unter den Fans.

Machbarkeitsstudie wird im Februar 2017 öffentlich

In der Studie, die das Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner derzeit erstellt, gibt es einen klaren Schwerpunkt auf mögliche Standorte in Brandenburg. Unter anderem genannt werden Dreilinden, Stahnsdorf, Oranienburg und Königs-Wusterhausen.

Hintergrund: Grundsätzlich möchte Hertha am liebsten in Berlin bleiben. Doch ein Fußballstadion braucht eine erhebliche Fläche. Und dazu eine gute Anbindung mit großen Straßen, U- und S-Bahn und/oder Regionalbahnen. Außerdem hatte der Verein den Architekten mit auf den Weg gegeben, dass Hertha nicht in Konkurrenz treten will zu Gewerbe- oder Wohnungsbauvorhaben.

Tegel und Tempelhof stehen nicht zur Verfügung

Somit entfallen Areale, die in der Diskussion häufig genannt werden: Das Gelände des derzeitigen Flughafens Tegel ist anderweitig verplant. Auch die Fläche des ehemaligen Flughafens Tempelhof steht wegen des Volksentscheides von 2014, die jegliche Bebauung untersagt, nicht zur Verfügung. Auf der Elisabeth-Aue im Norden von Pankow wurde gerade ein geplanter Wohnungsbau gekippt. Da ist es nicht vorstellbar, dass dort eine Fußballstätte durchzusetzen wäre.

Die Signale, die die Macher der Hertha-Studie beim Berliner Stadt­entwicklungssenat erhalten haben, lauten: Wo immer Hertha sich in Berlin ansiedeln möchte, es wird keine Unterstützung des Senates geben.

Königslösung: 45.000er Arena im Olympiapark

Nun gibt es eine andere Variante, die vielleicht der Königsweg sein könnte: Hertha errichtet auf dem weit­räumigen Gelände des Olympiaparks ein reines Fußballstadion. Kapazität vielleicht 45.000 Zuschauer. Die „großen“ Partien wie gegen den FC Bayern, gegen Borussia Dortmund, Länder­spiele und das DFB-Pokalfinale werden im benachbarten Olympiastadion ausgetragen. Die neue Arena könnte mit einem Stadiondach noch weiteren Nutzungen möglich machen (etwa Konzerte).

Mit einer solchen Lösung könnte die gesamte Infrastruktur (Parkplätze, öffentlich Verkehrsanbindung) weiter genutzt werden. Die Reaktion, die Hertha bei den Berliner Stadtentwicklern erhielt: Vergesst es. Denkmalschutz. Im Olympiapark bleibt alles, wie es ist.

Neues Stadion kostet 250 Millionen

Gegenbauer und Preetz wollen jedoch ein Fußballstadion, um die Zukunftsperspektiven von Hertha zu verbessern. Die Kosten für eine eigene Arena werden sich auf rund 250 Millionen Euro belaufen. Ein Vorhaben, das außerhalb des Klubs finanziert und realisiert werden müsste.

Derzeit ist Hertha Mieter im Olympiastadion, zahlt bis 2025 pro Saison fünf Millionen Euro Miete. „Unsere Pläne werden nicht an der Stadtgrenze halt machen“, hatte Präsident Gegenbauer schon im April in der Morgenpost prognostiziert. Aus Brandenburg erhält Hertha positive Signale. Es geht nicht um Geschenke. Was immer passiert, wird marktüblich bezahlt ­werden. Aber die Regierungsverantwortlichen in Potsdam signalisieren: Hertha ist herzlich willkommen. Deshalb werden in der Machbarkeitsstudie Standorte wie Dreilinden, Stahnsdorf, Oranienburg und weitere aufgeführt. Auch hier müssen die Kriterien wie etwa Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln erfüllt sein.

65 Prozent votieren für eine eigene Hertha-Arena

Selbst wenn das Trainingsgelände samt Nachwuchsakademie, Amateurstadion und Geschäftsstelle im Olympiapark verbleibt: Ein Stadion in Brandenburg wäre ein heftiger Kulturschock für einen Verein, der im nächsten Sommer sein 125. Jubiläum feiert - und immer in Berlin beheimatet war.

Bei Immerhertha.de, dem Blog der Morgenpost, votierten mehr als 1500 Nutzer zu 65 Prozent für „Bau einer neuen Arena“, 35 Prozent waren für den Verbleib im Olympiastadion. Bei der Standortfrage erhielt die Option „an einem anderen Ort in Berlin“ 39 Prozent, für „Dreilinden“ stimmten 23 Prozent, für das „Olympiastadion“ 21 Prozent.

Umfrage: Was wäre ein geeigneter Standort für ein Hertha-Stadion?

Diskussionen im Blog Immerhertha

Die Spannbreite der Meinungen ist groß. Die Nutzerin „Moogli“ schrieb: „Ich finde das Oly einfach zu grandios, um es abwählen zu wollen.“ Der User „Speckgürtel-Herthaner“ argumentierte: „Der Standort Dreilinden ist die realistischste Variante.“ Der Nutzer „hermsdorfer“ schrieb: „Dreilinden würde ich gut finden. Guter Autobahnanschluss. S-Bahn ist auch da. Mein Favorit wäre allerdings das Poststadion.“ Nutzer „HerrThaner“ schrieb: „Wäre schade, wenn Hertha nach Brandenburg rausmüsste. Das kann letzten Ende nicht im Interesse des Berliner Senats sein.“

Hauptstadt-Klub in Brandenburg - was sagen die Mitglieder?

Nüscht wie raus nach Brandenburg – ehe es soweit ist, wird Hertha bei der Vorlage der Machbarkeitsstudie im Februar den Mitgliedern überzeugende Argumente darlegen müssen. Gegenbauer und Preetz verweisen auf die Dynamik des wachsenden Berlins, darauf, dass der Klub auch 2025 und 2030 zukunftsfähig sein soll. Dass Hertha derzeit als Mieter hoffnungslos im Hintertreffen liegt gegenüber Konkurrenten wie Borussia Mönchengladbach, das pro Saison rund zehn Millionen Euro allein aus dem Borussia-Park erlöst.

Es wird Fragen geben: Warum der Hauptstadt-Klub, der gerade eine Werbekampagne fährt, um sich besser in Berlin zu verwurzeln, in Brandenburg Bundesliga spielen will.