Immer Hertha

Bei Hertha wird sich 2017 eine Menge tun

Hertha vor großen Veränderungen: Es geht um ein eigenes Stadion, Investoren und neue Einnahmequellen, meint Uwe Bremer.

Hertha-Präsident Werner Gegenbauer (l.) und Manager Michael Preetz

Hertha-Präsident Werner Gegenbauer (l.) und Manager Michael Preetz

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Dass die Welt einfach sein möge, das ist die Botschaft auf dem Transparent in der Fankurve. „Ihr im Internet – wir im Stadion“, so hieß es beim letzten Hertha-Heimspiel in der Ostkurve. Dabei hat die Digitalisierung längst den Profifußball samt den Besuchern im Griff.

Trainieren die Hertha-Profis auf dem Schenckendorffplatz, twittert der Klub zeitgleich im Internet, was los ist. Wenn Hertha im Olympiastadion Anstoß hat, sitzt der Autor dieser Zeilen auf der Pressetribüne und beschreibt im Immerhertha-Liveticker, was passiert. Ich bin dann im Stadion – und im Internet.

So unruhig wie die Welt aktuell ist, gibt es bei vielen Fans eine Sehnsucht nach Tradition. Der Klub will die Emotionen bedienen mit dem Dampfer „Hertha“, der zum 1. Januar von einer Hertha-Betreibergesellschaft gekauft wird. Auf dem 130 Jahre alten Schiff ist zwar kaum noch etwas in dem Zustand, in dem es 1892 war, als der Dampfer als Namensgeber fungierte. Damals gründeten die Brüder-Paare Fritz und Max Lindner sowie Otto und Willi Lorenz einen Fußballverein. Macht nichts, es ist vieles geplant, um ­Mitglieder von Hertha für das bisherige Ausflugsschiff zu begeistern. Kopfzerbrechen dürfte bereiten, wo der Dampfer, der zuletzt über die Kyritzer Seenkette geschippert ist, in Berlin liegen soll: an Land? auf dem Wasser? Das Werben um die Zuneigung der Herthaner (und deren Geld) wird rings um die Mitgliederversammlung Ende ­November beginnen.

Immer Hertha - der Hertha-Blog der Morgenpost

Spannende Diskussionen um neues Hertha-Stadion

Eigentlich beschäftigt sich die Klubführung aber mit ganz anderen Zielen. Hinter den Kulissen ringen die 36 deutschen Profiklubs um die Verteilung von 4,6 Milliarden aus dem TV-Geld, die zwischen Juli 2017 und 2021 ausgeschüttet werden. Ein Ergebnis wird Anfang 2017 erwartet.

Dann dürfte auch das Ergebnis der Machbarkeitsstudie zum Thema „eigenes Fußballstadion“ vorliegen, die Hertha im Sommer in Auftrag gab. Was kostet eine eigene Arena? Wo könnte gebaut werden? Wie ist das zu ­finanzieren – da stehen spannende ­Diskussionen an.

Vor allem aber wird eine Einnahmequelle gesucht, die nur dem Hauptstadt-Klub zugute kommen soll. Hertha braucht einen weiteren Investor, um den finanziellen Abstand zu den Topklubs der Liga zu verkürzen. Deshalb sind die Berliner im Fernen Osten aktiv.

Hertha auf Tour in Asien

Zu Wochenbeginn machten sich Manager Michael Preetz und Finanzchef Ingo Schiller auf, um „Sponsorenpflege in Asien“ zu betreiben. Damit dürften Treffen mit Horst Julius Pudwill gemeint sein. Der einflussreiche Industrielle, vor 40 Jahren nach Hongkong ausgewandert, hat nicht nur Genussscheine bei Hertha gezeichnet: Er ist bestens vernetzt im Pazifikraum.

Dazu passt, dass Finanzchef Schiller im Herbst bereits in China war und den Markt für einen strategischen Partner sondiert hat. Es steht nicht zu erwarten, dass Preetz und Schiller jetzt mit unterschriebenen Verträgen zurückkehren. Die nächste Transferperiode im Januar 2017 ist noch nicht so wichtig. Aber im Sommer, zum 125. Klub-Jubiläum, würde Hertha gern viel Geld in die Hand nehmen können, um den Kader aufzurüsten.

Anders als in Italien oder England, wo Investoren Klubs komplett übernehmen können, gilt in der Bundesliga nach wie vor die 50+1-Regel, die sicherstellen soll, dass ein Verein im eigenen Haus stets die Mehrheit hat. Trotzdem kann Hertha noch 66 Prozent seiner Aktienanteile veräußern. Für die ersten zehn Prozent hat im Januar 2014 das Private-Equity-Unternehmen KKR aus New York 18 Millionen Euro bezahlt.

Ein Spagat zwischen Tradition und Zukunft

Die Klubführung arbeitet mit Hochdruck an einem Abschluss. Kommt er zustande, wird sich Hertha verändern. Wer auch immer strategischer Partner wird: Der Investor wird Plätze im Aufsichtsrat der Hertha-Kommanditgesellschaft (und damit Einfluss) erhalten. Dort sitzen bereits der erwähnte Pudwill sowie ein Vertreter von KKR.

Der Bundesliga-Verein von heute im Spagat zwischen Tradition und Zukunft. Eines ist jetzt schon klar: Bei ­Hertha wird sich 2017 eine Menge tun.