Bundesliga

Bei Herthas Kalou kehrt das Lachen zurück

Hertha feiert seinen Dreifach-Torschützen Salomon Kalou, spielt ein starkes erstes Saisondrittel – und bastelt am Jahrgang 2018.

„Danke, Kollege“ - Hertha-Torschütze Salomon Kalou (r.) bedankt sich bei Vorlagengeber Mitchell Weiser

„Danke, Kollege“ - Hertha-Torschütze Salomon Kalou (r.) bedankt sich bei Vorlagengeber Mitchell Weiser

Foto: Rainer Jensen / dpa

Berlin.  Stehende Ovationen im Olympiastadion, Gänsehaut beim Trainer, Erklärungen vom Manager – über Salomon Kalou schlug eine große Welle der Zuneigung und Sympathie zusammen. Eher beiläufig erwähnte sein Vorgesetzter, Trainer Pal Dardai, dass der Held der Partie gegen Mönchengladbach beinahe nicht gespielt hätte. „Ich habe lange überlegt, ob ich Salomon aufstelle oder Julian Schieber“, berichtete Dardai am Tag nach dem triumphalen 3:0 gegen Mönchengladbach. Der Faktor Zufall wird beim Fußball häufig unterschätzt. Der Trainer entschied sich für Kalou – der aus der ­Partie ein Fußball-Märchen machte.

Gladbachs Trainer stöhnt über Herthas Effektivität

Nach dem Pokalspiel vor neun Tagen auf St. Pauli (2:o) „habe ich gesagt, dass Salomon ein Tor braucht“, sagte Dardai, „nun, wenn er drei gebraucht hat, soll’s mir recht sein.“ Mit einem Dreierpack knüpfte Kalou nach sieben Monaten Pause an sein Image als „Mr. Cool“ an: Drei Abschlüsse, drei Tore.

„Hertha war brutal effektiv“, stöhnte Gladbachs Trainer Andre Schubert. Kalous Sturmkollege Vedad Ibisevic sagte: „Salomon ist ein geiler Spieler, der sehr viel Qualität hat.“ Noch kürzer fasste sich der neben Kalou beste Herthaner auf dem Platz, Mitchell Weiser: „Salomon macht aus wenig viel.“

Das Dardai-Team wird reifer

Hertha legt mit 20 Punkten aus zehn Partien ein fabelhaftes erste Saison-Drittel hin. „Die Leistung der Mannschaft ist um so höher zu bewerten“, lobt Manager Michael Preetz, „weil bisher mit Kalou und Vladimir Darida Schlüsselspieler des Vorjahres gefehlt haben.“ Der Hertha-Jahrgang 2016/17 hat an Abgeklärtheit zugelegt. „In der vergangenen Saison, als Salomon in der Rückrunde nicht so getroffen hat, hatten wir Probleme“, sagt Dardai. „Jetzt ist es so: Als Salomon nicht da war, hat Vedad Ibisevic getroffen. Und dann Julian Schieber. Dann Valentin Stocker. Und jetzt Salomon.“

Kalou, der im August und September wegen Trauerfällen zweimal für zehn Tage bei seiner Familien an der Elfenbeinküsten gewesen war, war vor allem dankbar. „Es war eine schwere Zeit für mich und meine Familie. Ich bin durch viele Emotionen gegangen. Da ist es toll, die Liebe von den Fans zu spüren.“

Kalou sieht viel Potenzial bei Hertha

Der Stürmer lobte Vorlagengeber Weiser, der das erste und dritte Tor vorbereitet hatte: „Mitch hat exzellent gespielt. Für mich ist es wichtig, wieder dieses Gefühl zu haben, spielen und treffen zu können. Tore vor den eigenen Fans zu erzielen, war ein fantastisches Gefühl.“

Über sich selbst mochte Kalou nicht viel reden. Wie viel Saisontore er erziele will? „Ich will der Mannschaft helfen.“ Was für Hertha in dieser Saison möglich ist? Kalou: „Wir haben viele junge Spieler und viel Potenzial. Wir müssen an uns glauben, dann ist etwas möglich.“

Lange Nacht für Gastgeber Dardai

Bei Hertha sind sie nach dem Vorjahr, als die Blau-Weißen überraschend lange auf Europacup-Kurs liegend, am Ende ohne internationalen Wettbewerb ausgingen, diesmal vorsichtig mit Prognosen. Manager Michael Preetz sagt: „Wohin die Reise geht, lässt sich nicht genau sagen.“ Doch die Elf gegen Gladbach – „alle Spieler waren auch in der Vorsaison dabei“, so Preetz, „wir sind abgeklärter, reifer geworden.“

Dabei fehlten gegen Gladbach nicht nur Darida, sondern weitere Startelf-Kandidaten wie Sebastian Langkamp, Marvin Plattenhardt (beide verletzt) und Valentin Stocker (gesperrt). Preetz sagt: „Der Trainer wird demnächst also noch mehr ­Optionen haben.“ Dardai war am Tag nach dem sechsten Saisonsieg müde. „Ich habe Besuch aus Ungarn.“ Man hat das Gladbach-Spiel nochmal angeschaut. „Es war eine kurz Nacht.“ Dardais Umgang mit dem aktuellen Hoch: „Ich kaufe heute alle Zeitungen und schneide die Hertha-Artikel aus. Die kommen in die Tiefkühltruhe. Im Mai taue ich sie auf – und hoffe, dass Hertha dann auf dem gleichen Tabellenplatz steht wie jetzt.“

2017 laufen drei Stürmer-Verträge aus

Der Manager steht bei der Kader-Planung vor interessanten Herausforderungen. Zum Saisonende im Juni 2017 laufen die Arbeitspapiere der Hertha-Angreifer Ibisevic (32), Sami Allagui (30) und von Kalou (31) aus. Hertha will Erfahrung und Qualität halten, muss aber auch auf die Finanzen schauen. Zudem ist eine Verjüngung erwünscht. Der Manager berichtet, dass er sowohl mit Ibisevic als auch mit Kalou „im Austausch ist. Wir sprechen miteinander.“ Unstrittig ist, so Preetz, „dass ­Kalou in einer körperlichen Top­verfassung weiter ein Topspieler ist. Es wird spannend sein zu sehen, wie die Entscheidungen ausfallen.“