Fussball

Reizende Ziele gegen reizende Komplimente bei Ibisevic

Wie sich Hertha-Coach Pal Dardai müht, Kapitän Ibisevic zu halten. Und der Stürmer auch jenseits des Platzes im Mittelpunkt steht.

Im Blickpunkt des Interesses: Vedad Ibisevic

Im Blickpunkt des Interesses: Vedad Ibisevic

Foto: Britta Pedersen / picture alliance / ZB

Berlin.  Auf dem Fußballplatz schafft Vedad Ibisevic momentan fast alles – mit neun Scorerpunkten in acht Partien stellt Herthas Stürmer bekanntlich den besten Wert der Bundesliga. Am Mittwoch gelang dem Bosnier aber auch ein Coup ohne Ball: nämlich selbst dann im Mittelpunkt zu stehen, wenn er gar nicht anwesend ist.

Während Ibisevic seine Beine im Warmen auf dem Fahrradergometer lockerte, fing Pal Dardai draußen am Schenckendorffplatz an, verbal zu strampeln. Es müsse „das Ziel der ganzen Liga sein“, Ibisevic zu halten, sagte der Hertha-Coach, schließlich gebe es nicht mehr viele Typen seines Formats.

Einen Stürmer alter Schule, der den Ball zuverlässig ins gegnerische Tor wuchtet. Und einen, der eine Mannschaft mit seiner Angriffslust führen kann. Inzwischen, sagte Dardai, mache sich beim Gegner ja allein dadurch Unbehagen breit, dass Ibisevic aus dem Teambus steigt.

Seine Aussagen wecken Gesprächsbedarf

Aus heiterem Himmel kam die Laudatio freilich nicht. Ibisevics Kontrakt bei Hertha läuft nach dieser Saison aus, das Thema Vertragsverlängerung steht seit Wochen im Raum. In der „Sport Bild“ wurde Ibisevic nun mit Worten zitiert, wonach ihn „mit 32 noch viele andere Ziele reizen“ würden, wenngleich er hinterherschob, „für ein paar Euro mehr“ nicht „jeden Blödsinn“ zu machen. Dennoch: Die Aussagen weckten Gesprächsbedarf.

Als torgefährlichster Angreifer, zumal kürzlich zum Mannschaftskapitän befördert, hat Ibisevic viele gute Argumente auf seiner Seite. Herthas finanzielle Möglichkeiten sind indes begrenzt, also bringt Dardai auch weiche Faktoren ins Spiel.

„Wenn du fit genug bist, ist die Bundesliga die schönste Liga der Welt“, meint der Ungar. Wegen des hohen sportlichen Niveaus, und auch wegen der vollen Stadien. Dass 30.000 Fans ein Pokalspiel feiern, so wie am Vorabend beim Zweitligisten St. Pauli, erlebe man schließlich nicht überall.

In Hamburg hatte Ibisevic zwar nicht getroffen, als indirekter Vorbereiter aber immerhin Anteile am Führungstor. „Wir sehen an seinen Fitness-Werten, dass er jeden Tag das Maximum gibt“, sagt Dardai. „In dieser Verfassung kann er locker noch zwei, drei Jahre Bundesliga spielen.“ Ob es tatsächlich so kommt, wird nicht zuletzt vom Geld abhängen – das weiß auch Dardai. Ibisevic steht vor dem letzten fetten Vertrag seiner Karriere, und verglichen mit der Premier League oder China kann ihm Hertha kein großes Geld bieten. Dafür aber eine große Rolle in einem intakten Team und eine gute sportliche Perspektive. Wie viel das wert ist, wird sich zeigen.