Pokal gegen St. Pauli

Salomon Kalous Weg zurück zur Freude

Ohne Salomon Kalou gäbe es Herthas Pokalspiel bei St. Pauli nicht. Nach schweren Zeiten sucht der Ivorer nun seinen Rhythmus.

Salomon Kalou hat in 60 Ligaspielen für Hertha 20 Tore erzielt. Im Pokal waren es drei und zwei Vorlagen in sieben Partien

Salomon Kalou hat in 60 Ligaspielen für Hertha 20 Tore erzielt. Im Pokal waren es drei und zwei Vorlagen in sieben Partien

Foto: Matthias Kern / Bongarts/Getty Images

Berlin.  Es gibt Momente in einem Spiel, in denen kann eine ganze Saison kippen. Wer weiß, ob Hertha heute 17 Punkte nach nur acht Bundesliga-Spielen auf dem Konto hätte, wäre dieser Elfmeter von Salomon Kalou Ende August nicht im rechten, unteren Toreck gelandet, sondern daneben.

Pal Dardai hatte nicht hinsehen können, als sich seine Mannschaft gegen den Drittligisten Jahn Regensburg in der ersten Runde des DFB-Pokals nach einem 0:1 noch ins Elfmeterschießen quälte und Kalou sich den Ball zum entscheidenden Versuch hinlegte. Berlins Trainer wandte sich ab, als sein Stürmer anlief und traf. Kalou erlöste Hertha von der Angst eines völlig verkorksten Saisonstarts. Ein Schlüsselmoment.

Seither sind zwei Monate vergangen, in denen die Formkurve der Blau-Weißen nach oben raste bis zum besten Saisonstart der Vereinsgeschichte, während Kalou in ein Loch fiel und verschwand. Erst emotional in eine eigene Welt voller Trauer, dann physisch nach Hause in die Elfenbeinküste und heraus aus Herthas Spiel. Zwei Todesfälle in der Familie: erst der Vater kurz vor der Partie gegen Regensburg, dann eine Tante.

Gegen Köln erstmals seit zwei Monaten wieder auf dem Feld

Während für Hertha nach dem Aus im Europapokal doch noch eine Zeit der Freude anbrach, erlebte Kalou die allerschwerste. „Eigentlich dreht sich alles im Leben um den richtigen Rhythmus“, hat er einmal der Morgenpost gesagt. Hier brachte ihn das Leben aus dem Rhythmus – und er brauchte zwei Monate, um wieder den Weg zurück zu finden.

An diesem Dienstag ist erneut Pokal. Zweite Runde beim Zweitligaletzten St. Pauli (20.45 Uhr, Sky und im Liveticker bei immerhertha.de), und Kalou wird dabei sein – vielleicht von Beginn an, vielleicht erst als Einwechselspieler. Das hängt von der Müdigkeit anderer ab wie dem Vielflieger Genki Haraguchi. Entschieden wird es erst heute. Der in der Liga gesperrte Valentin Stocker beginnt in jedem Fall auf der Zehnerposition , für Kalou bliebe die linke Seite. Dardai muss abwägen, aber endlich kann er Kalou wieder in seine Überlegungen einschließen.

Gegen Köln am Sonnabend (2:1) stand der Angreifer zum ersten Mal seit Regensburg wieder auf dem Feld. 82 Minuten lang. „Es tut gut, zurück zu sein. Ich habe zwei Monate nicht gespielt. Es war wichtig, die Freude am Fußball wiederzufinden“, sagt der 31-Jährige. „Die 82 Minuten waren sehr hart, aber das kommt alles wieder – auch die Tore und Vorlagen.“

Den Pokal-Fluch vertrieben

Für Hertha sind das gute Nachrichten, denn ohne die Tore und Vorlagen von Kalou, wäre der Pokal in der vergangenen Saison nicht befreit worden von all der Negativität der Berliner Historie in diesem Wettbewerb. Mit drei Treffern und einem Assist führte Kalou Hertha bis ins Halbfinale. Auch hier kippte etwas: Aus der Pleiten-, Pech- und Pannen-Geschichte der Vergangenheit erwuchs eine, an der sich die Mannschaft aufrichten konnte und durch die Spielzeit trug.

Kalou hat Hertha die Freude am Pokal zurückgebracht. Nun soll ihm Hertha im Pokal dabei helfen, die Freude weiter für sich wiederzuentdecken.

Auch Dardai hat als Spieler einen Todesfall in seiner Familie erlebt. Sein Bruder starb auf dem Fußballplatz, danach wollte er eigentlich mit dem Sport aufhören. „Aber ich habe erkannt, dass der Fußball für mich ein Medikament war“, sagt der Ungar. Das hat das Verständnis für Kalou erhöht, heraus aus dem Loch helfen konnte ihm Dardai aber nicht: „Jeder Mensch muss das allein verarbeiten“, sagt der 40-Jährige. Nur da sein für seinen Angreifer, das wollte der Trainer, das wollte auch der Verein.

Und nun, da Kalou zurück ist aber noch sichtlich entfernt von seiner 14-Tore-Form der vergangenen Bundesliga-Saison, sagt Kapitän Vedad Ibisevic: „Salomon braucht noch Spielpraxis, aber seine Qualität ist unbestritten. Wir müssen ihm helfen, denn wir werden ihn brauchen.“

Der 31-Jährige spielt auch um einen neuen Vertrag

Aber Kalou ist auch in eine Mannschaft zurückgekehrt, die sich weiterentwickelt hat und in der er nun erst mal seinen Platz finden muss. Hertha spielt jetzt mit zwei schnellen Außenstürmern (Haraguchi und Zugang Alexander Esswein), hinter der Spitze Ibisevic hat sich Stocker nach dem Ausfall von Vladimir Darida behauptet. Kalou, der beste Torschütze der Vorsaison, muss auf eine Gelegenheit warten – und die kommt nun in Hamburg gegen St. Pauli und gegen Hoffenheim am Sonntag, wenn Stocker noch gesperrt fehlen wird.

Für Kalou geht es darüber hinaus ab sofort auch um einen Platz im Hertha-Team der Zukunft. Sein Vertrag läuft im nächsten Sommer aus. Man will sich zusammensetzen. Der Afrikaner kann an guten Tagen immer noch Spiele kippen lassen, sie entscheiden und dieser Mannschaft der Fleißigen mit seinen Dribblings und seiner Ballfertigkeit eine besondere Qualität verleihen.

Aber er ist auch der Großverdiener bei Hertha. Im Sommer gab es ein Angebot für ihn aus China, wo er sechs Millionen Euro netto hätte verdienen können. Verein und Spieler lehnten ab. Die Geschichte ist noch nicht beendet.

Dardai sagt: „Mit seiner Technik und Spielfähigkeit tut Salomon unserer Mannschaft gut, wenn er seinen Rhythmus findet.“ Alles im Leben dreht sich darum, sagt Kalou.