Bundesliga

Hertha besteht 1:1 im hitzigen Topspiel gegen Dortmund

Valentin Stocker hatte die Hertha vor 80 800 Zuschauern zuvor in Führung geschossen. Man spielte kompakt und diszipliniert.

Schiedsrichter Patrick Ittrich zeigt Herthas Valentin Stocker die rote Karte

Schiedsrichter Patrick Ittrich zeigt Herthas Valentin Stocker die rote Karte

Foto: Lars Baron / Bongarts/Getty Images

Die Begrüßung fiel knapp aus. Äußerst knapp. Ein kurzer Händedruck, mit Wohlwollen war auch ein beiläufiger Blickkontakt auszumachen, dann gingen Hertha-Coach Pal Dardai und sein Dortmunder Kollege Thomas Tuchel ihrer Wege. Ausgetauscht hatten sie sich ja auch vor dem Spiel schon ausführlich, wenngleich nur über die Medien. Den Vorwurf der systematischen Härte gegen den BVB (Tuchel) beantwortete Dardai mit dem Verweis auf „Männersport“, ehe Tuchel die Frage stellte, was Hertha überhaupt die Sorgen des BVB angehen.

Dardai lobt seine Mannschaft nach großem Kampf

Wer in der „Foul-Debatte“ bessere Argumente hat, ließ sich auch am Freitagabend nicht abschließend beantworten. Wer von beiden seine Mannschaft besser auf den Gegner eingestellt hatte, blieb ebenfalls unentschieden: Am Ende einer intensiven, packenden Partie stand nach Toren von Valentin Stocker (51. Minute) und Pierre-Emerick Aubameyang (80.) ein 1:1 (0:0).

„Wir haben den Punkt verdient“, kommentierte Dardai das Ergebnis. Der Ungar war voll des Lobes für seine Spieler. „Für uns ist dieser Punkt wunderbar, gegen so ein Topteam ist das ein weiterer Schritt nach vorn“, sagte er, „von der Disziplin und der Taktik her war das sehr gut von meiner Mannschaft. Ich bin sehr zufrieden.“

Der Punkt, den Hertha aus Dortmund entführt, ist angesichts der überragenden Heimbilanz des BVB kaum hoch genug zu bewerten. 25 Spiele lang haben die Borussen nun nicht mehr vor heimischem Publikum verloren, und Hertha zählt zu den vier Teams, die ihnen in dieser Zeit immerhin ein Remis abgetrotzt haben. Das von Dardai vorgegebene Ziel ist damit erreicht: Hertha bleibt in der Tabelle vor Dortmund – und zumindest bis Sonnabendnachmittag auf Platz zwei.

Die Diskussion um die Härte, sie dürfte nach diesem Spiel aber neue Nahrung bekommen haben. Vor allem in Durchgang zwei, als beide Mannschaften verbissen um den Sieg kämpften, geriet die Partie aus den Fugen. Elfmeter, Rudelbildung, Rote Karten gegen Dortmunds Emre Mor (83.) und Herthas Stocker (89.) – die Ereignisse überschlugen sich.

Harmlose erste Halbzeit

Die erste Halbzeit gestaltete sich noch harmlos. Das erste Foulspiel schon nach zwei Minuten, okay, danach aber hielt sich der Schlagabtausch in fairen Grenzen. Hertha stand in der eigenen Hälfte kompakt, ließ wenig zu, einzig die Jungspunde Emre Mor und Christian Pulisic bekamen die Berliner bei deren spektakulären Sololäufen nicht in den Griff. Wirklich gefährlich wurden die Dortmunder aber nicht. Viel Ballbesitz, kaum klare Torchancen. Hertha trat von Beginn an energisch auf.

Fast kam es einem vor, als ginge es um eine Wiedergutmachung für das verpatzte Pokal-Halbfinale gegen Dortmund im April, als Hertha viel zu zurückhaltend agiert hatte, um den BVB in Verlegenheit zu bringen. Diesmal wurden die Zweikämpfe nicht nur in der Defensive gesucht, auch im Angriff. Egal, ob Genki Haraguchi, Alexander Esswein oder Mitchell Weiser, sie alle wagten sich mit Chuzpe in Eins-gegen-eins-Situationen. Vorerst aber wurde ihr Wagemut nicht belohnt.

Für den großen Paukenschlag sorgten dann zwei bis dahin unauffälligere Akteure. Sechs Minuten nach der Halbzeitpause steckte Vedad Ibisevic den Ball mit der Hacke von der Strafraumgrenze auf Valentin Stocker durch. Der Schweizer fand sich allein vor Torwart Roman Bürki wieder, behielt die Nerven und schob das Spielgerät flach ins rechte Eck – 1:0. Rund 3000 mitgereiste Hertha-Fans waren happy, und Dortmund war nun richtig angepiekst.

Aubameyang verzweifelt fast am Berliner Torhüter

Tuchel reagiert, brachte mit Shinji Kagawa und Dembele frische Offensiv-Kräfte. Zwei Wechsel, die Wirkung zeigen. Der BVB drückte, doch Hertha-Keeper Rune Jarstein schien sich als unüberwindbare Wand zu erweisen. Der Norweger rettete zweimal spektakulär gegen Aubameyang (65., 67.), parierte sogar einen Elfmeter des Gabuners (77.). „Ich habe versucht, lange stehen zu bleiben“, sagte er, „dann hatte ich so eine Ahnung, dass er nach rechts schießt.“ Richtig geahnt, großartig gehalten.

Drei Minuten später musste sich Jarstein dann aber doch noch geschlagen geben. Nach Zuspiel von Dembele traf Aubameyang zum Ausgleich, und 80.800 Kehlen machten das ausverkaufte Stadion zum Tollhaus. Dann begann die hässliche Schlussphase, die dieses Topspiels nicht würdig war. „Der BVB war genauso körperlich wie wir“, fand Herthas Per Skjelbred, „so soll Fußball sein, danach soll man sich die Hände geben und nach Hause fahren.“ Die Berliner werden nun schnell das Geschehen abhaken müssen. Am nächsten Sonnabend (15.30 Uhr) empfangen sie den 1. FC Köln im Olympiastadion.