Länderspiel

Herthas Brooks bekommt von Klinsmann eine Geschichtsstunde

Hertha-Verteidiger John Brooks tritt mit dem US-Nationalteam zum Freundschaftsspiel auf Kuba an. Ein Duell von historischer Dimension.

Auf US-Nationalspieler John Brooks (Mitte) wartet ein Freundschaftsspiel der ganz besonderen Art

Auf US-Nationalspieler John Brooks (Mitte) wartet ein Freundschaftsspiel der ganz besonderen Art

Foto: Matt Rourke / picture alliance / AP Photo

Havanna.  Kuba öffnet sich, wenn auch langsam, widerstrebend und unter einigen Wachstumsschmerzen. Doch nach dem Ende der jahrzehntelangen Eiszeit zwischen Havanna und Washington setzt nun auch auf dem Rasen Tauwetter ein. Erstmals seit fast 70 Jahren trifft die US-Fußballnationalmannschaft am Freitag in einem Freundschaftsspiel auf der sozialistischen Karibikinsel wieder auf das kubanische Nationalteam.

„Wir sind sehr froh darüber, mit unserer Mannschaft nach Kuba kommen zu können“, sagt der deutsche US-Nationaltrainer Jürgen Klinsmann. „Außerdem ist es ein guter Test. Wir versuchen immer, unserem Team neue Erfahrungen zu ermöglichen. Das ist eine einmalige Gelegenheit.“

Das Spiel im Stadion Pedro Marrero – benannt nach jenem Revolutionär, der bei einem Sturm auf eine Kaserne am 26. Juli 1953 ums Leben kam, für Kuba der Start der kommunistischen Revolution – ist erst die zwölfte Begegnung der beiden Mannschaften und die dritte auf Kuba. Den einzigen Sieg erzielten die Kubaner am 20. Juli 1947 in Havanna mit einem 5:2. Sportlich dürfte die Begegnung wenig Überraschungen bieten. In der Fifa-Weltrangliste stehen die USA auf Platz 22, Kuba auf Rang 139.

Für Kuba ein Schritt zur Aussöhnung mit den USA

Fußball ist in Kuba eine Randsportart, dort regiert der Baseball. Doch die Partie ist ein weiterer Schritt der Aussöhnung mit dem einstigen Erzfeind USA. Vor gut einem Jahr nahmen Washington und Havanna wieder diplomatische Beziehungen auf. Auch gesellschaftlich, sportlich und wirtschaftlich öffnet sich Kuba derzeit.

Im Sommer 2015 kam mit den New York Cosmos erstmals seit 1978 wieder ein Profi-Fußballteam aus den USA zu einem Spiel nach Kuba. Das historische Baseball-Spiel zwischen den Tampa Bay Rays und Kubas Nationalteam im März schauten sich die Präsidenten Barack Obama und Raúl Castro gemeinsam an. Immer mehr Stars wie Madonna, Katy Perry, Rihanna und Leonardo Di Caprio besuchen die Karibikinsel. Die Rolling Stones spielten ein kostenloses Konzert in Havanna. NBA-Stars gaben kubanischen Kindern Basketballunterricht.

Vor der Landung am Donnerstag in der kubanischen Hauptstadt präsentierte Klinsmann seinen Spielern, darunter Hertha-Verteidiger John Brooks, die Geschichte der beiden Länder. Dabei wies Klinsmann seine Mannschaft eindringlich darauf hin, „was für eine Dimension so etwas hat. All diese Dinge, das sind Türöffner, die nur durch den Fußball passieren. Den Spielern wird ein besonderes Bild vermittelt. Sie merken, da ist mehr als nur Fußball. Wir haben die Spieler mit ins Boot genommen, damit sie wissen, warum die Dinge passiert sind. Wir wissen, wie wir uns zu verhalten haben“.

Spielern soll Tragweite der Reise bewusst werden

Dem 52-Jährigen ist es sehr wichtig, „dass, wenn du ein Land repräsentierst, den Spielern sehr wohl bewusst sein sollte, welche Tragweite solche Besuche oder Spiele dann haben. Es ist wichtiger, das im positiven Bereich anzugehen, als wenn man mit etwas unzufrieden ist“.

Für die US-Boys ist das Spiel in Havanna vor allem ein guter Testlauf für die nächste Qualifikationsrunde vor der WM 2018 in Russland. In der kommenden Woche spielt Klinsmanns Team noch in Washington gegen Neuseeland. Am 11. November geht es dann in der WM-Qualifikation in Columbus gegen Mexiko. „Worum es in den nächsten zehn Tagen geht, ist klar: Vorbereitung auf Mexiko“, sagt Klinsmann.

In den Freundschaftsspielen will der Trainer auch jüngeren Profis eine Einsatzchance geben. „Für die Spieler geht es um viel. Sie können uns zeigen, wo sie gerade stehen.“ Von der Gelegenheit, die USA in Kuba positiv zu präsentieren, ganz zu schweigen.