Hertha-Gegner

Warum der Hamburger SV so ist wie einst Atlético Madrid

Der Hamburger SV reist mit neuem Trainer Markus Gisdol und neuer Spielphilosophie zu Hertha BSC.

Gibt jetzt den Takt beim HSV an: Trainer Markus Gisdol

Gibt jetzt den Takt beim HSV an: Trainer Markus Gisdol

Foto: Olaf Damm / Damm Pictures

Hamburg/Berlin.  Wenn man sich auf das bezieht, was Markus Gisdol zuletzt beeindruckt hat, dann müssen sich die Spieler von Hertha BSC an diesem Sonnabend (15.30 Uhr, Olympiastadion) auf etwas gefasst machen: Der neue Trainer des HSV, der am Montag auf den entlassenen Bruno Labbadia folgte, war neulich zu Gast bei Atlético Madrid und Trainer Diego Simeone. „Man hat das Gefühl, die Spieler sterben für ihren Klub, für ihre Aufgabe. Sie hauen alles rein. Deswegen bin ich der festen Überzeugung, dass jeder Mannschaft 30 Prozent Atlético guttun würde“, so Gisdol.

Atlético ist eine Malochermannschaft, hart gegen sich und andere, die dem Gegner keine Luft zum Atmen lässt. Das mussten die Bayern am Mittwoch in der Champions League mal wieder erfahren (0:1), und geht es nach Gisdol, dann spielt auch der HSV nun in Berlin ein bisschen von diesem radikalen Fußball bis hin zur Selbstaufgabe.

Es ist eine neue Denkweise, die da mit Gisdol bei den Hanseaten eingetroffen ist. Das ist nötig: Mit dem 47-Jährigen, der auf eigenen Wunsch nur einen Vertrag bis Saisonende unterschrieben hat, soll eine neue Zeitrechnung beginnen.

Aggressives Pressing und Selbstaufgabe als Maxime

Gisdols ist einer dieser neuen „Konzepttrainer“ – wobei noch zu klären wäre, was die anderen dann sind. Seine Cheftrainer-Karriere begann 2013, als er die abstiegsbedrohte TSG Hoffenheim übernahm, prompt die halbe Mannschaft austauschte (darunter Tim Wiese, Stichwort: Trainingsgruppe zwei) und den Klassenerhalt mit Jugendspielern in der Relegation schaffte.

Aggressives Pressing, schnelles Umschalten – das sind Gisdols Maxime. Bei der TSG war es die Rückkehr zur eigentlichen Hoffenheim-Idee. Beim gebeutelten HSV soll es eine Zeitenwende werden. Unter dem Fehlstart der Norddeutschen, die zuletzt vier Pleiten in Folge hinnehmen mussten (Platz 17), will Gisdol „einen dicken Strich machen“. Er erwarte, „dass die Spieler bereit sind für einen Neustart“.

Der Spaß soll zurückkehren

Um den Aufbruch in die neue Zeitrechnung n. B. (nach Bruno) zu schaffen, setzt Gisdol zunächst auf das, was alle neuen Trainer machen: Er versucht, die von Selbstzweifeln verstopften Köpfe seiner Spieler mit Spaß frei zu bekommen. „Es ist wichtig, dass man in der Kabine auch die nötige Lockerheit vermittelt“, sagte Gisdol.

Fehler, und die hatten seine Spieler zuletzt reichlich gemacht, seien erlaubt, „aber ich erwarte von allen die volle Einsatzbereitschaft“, sagte Gisdol und bewegte sich ganz auf den Spuren von Simeone.

Und die Statistik spricht nicht gerade gegen ihn: Zwölf der letzten 15 HSV-Trainer punkteten bei ihrer Premiere.