Kolumne

Wenn Dardai mit einem Baby im Sturm den HSV schlagen will

Pal Dardai und sein Assistent entwerfen Herthas Taktik gegen den Hamburger SV. Ein satirisches Gesprächsprotokoll.

Herthas Chefcoach Pal Dardai (vorn) und sein Co-Trainer Rainer Widmayer

Herthas Chefcoach Pal Dardai (vorn) und sein Co-Trainer Rainer Widmayer

Foto: Annegret Hilse / dpa

Im Trainerzimmer von Hertha BSC sitzen Pal Dardai und sein Assistent Rainer Widmayer. Sie grübeln. An diesem Sonnabend kommt der Hamburger SV ins Olympiastadion, aber Dardai hat ein Problem: Der HSV hat mal wieder seinen Trainer gewechselt, und so weiß der Ungar nicht, was auf ihn und sein Team zukommt. Dardai zieht die Stirn kraus.

Pal Dardai (genervt): Die Videos können wir weghauen, Rainer! Wenn die jetzt mit diesem Doll antanzen, ist das ganze Gegnerstudium fürn Arsch.

Rainer Widmayer: Gisdol, nicht Doll!

Dardai: Was, Rainer?

Widmayer: Der neue Trainer des HSV, der heißt nicht Thomas Doll, sondern Markus Gisdol.

Dardai: Ey, wer soll da noch durchblicken? Jedes Jahr marschieren die hier mit ‘nem neuen Trainer an. Ist das eigentlich erlaubt? Ich meine, das ist doch Wettbewerbsverzerrung oder so. Wer soll sich denn da anständig auf ein Spiel vorbereiten können?

Widmayer: Aber Pal, so ist das Geschäft heutzutage. Trainer fliegen halt.

Dardai (wütend): Weißt du Rainer, zu meiner Zeit war die Sache ganz einfach: Der HSV kam zu uns ins Olympiastadion, hat sich vier oder sechs Stück abgeholt und ist dann schön beleidigt wieder abgezogen … so, wie es sich gehört. Der Micha (Michael Preetz, Anm. d. Redaktion) hat gegen die mal drei Buden in einem Spiel gemacht. Und wie hieß noch einmal dieser langweilige Holländer, der sogar vier Kisten in einer Partie gegen die geschossen hat?

Widmayer: Bart Goor, Pal! Aber der war nicht Holländer, sondern Belgier.

Dardai: Ist ja auch egal. Fakt ist: Gegen keine andere Truppe aus der Bundesliga haben wir so oft gewonnen wie gegen die. Schon 27 Mal. Einmal hat sogar dieser blinde Brasilianer in der Nachspielzeit zum Sieg getroffen, dabei hatten wir den letzten Müll gespielt. Wie hieß der?

Widmayer: Mineiro, Pal!

Dardai (hört nicht zu): … ist ja auch egal. Der hat jedenfalls aus 50 Metern aufs Tor gebolzt, weil er nicht wusste wohin mit der Pille, und drin war sie. Ich sag’ dir: Der Fußballgott liebt uns, wenn wir gegen Hamburg spielen. Uns und Ungarn.

Widmayer (stichelt): Aber ihr habt doch bestimmt auch mal zu Hause gegen den HSV verloren oder, Pal?

Dardai (zieht die Augenbraue hoch): Ey, jetzt komm mir nicht damit, Rainer! Was kann ich dafür, dass der Burchert aus der Kiste gerannt kam wie ein aufgestacheltes Mangalica-Schwein? Zwei Stück haben wir so bekommen. Von der Mittellinie! Ich stand aufm Rasen und habe nur in die Luft geglotzt … zack, flogen die Bälle über mich rüber, und drin waren die. Da konnte ich nicht mal einen umtreten. Das war vielleicht peinlich. (schüttelt den Kopf)

Widmayer (zufrieden): Und was machen wir jetzt am Sonnabend, Pal?

Dardai (kratzt sich am Kinn): Burchert spielt nicht mehr bei uns, oder?

Widmayer: Nein, Pal!

Dardai: Das ist schon mal gut. Dann lass uns dem Doll zeigen, wo der Frosch die Locken hat.

Widmayer: Gisdol, Pal!

Dardai (kämpferisch): Ist doch egal, Rainer! Wichtig ist, dass unsere Jungs eines nicht vergessen: Ein Herthaner verliert nicht gegen die Fischköppe. Monika hat gesagt, ich brauche gar nicht erst nach Hause zu kommen, wenn wir verlieren.

Widmayer: Also wie immer, Pal? Alles nach vorn auf Vedad Ibisevic?

Dardai (sicher): Genau so machen wir’s, Rainer. Wir sind genial!

Widmayer (denkt nach): Aber die Frau vom Vedo, die ist doch hochschwanger. Was machen wir, wenn die genau in der Nacht vor dem Spiel das Töchterchen bekommt?

Dardai (schmunzelt): Normalerweise müsste es gegen die Gurken vom HSV sogar reichen, wenn ich die Kleine dann bei uns im Sturm aufstelle. (lacht diabolisch)

Widmayer: Aber Pal, wie soll das …?

Dardai: Nee, nee, Rainer. So machen wir’s. Wir schlagen die mit ihren eigenen Waffen: Da kann der Doll dann seine Spielvorbereitung auch in die Tonne kloppen. Wir sind genial!