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Bei Herthas Alexander Esswein steckt noch mehr drin

Der Neuzugang macht Herthas Spiel schneller. Er traf auch gegen Frankfurt, technisch und taktisch muss er sich aber steigern.

Torjubel fürs Baby: Herthas Alexander Esswein

Torjubel fürs Baby: Herthas Alexander Esswein

Foto: KAI PFAFFENBACH / REUTERS

Berlin.  Wäre alles nach Plan gelaufen, wäre Alexander Esswein niemals in Berlin gelandet. Der Flügelspieler, der im August für 2,5 Millionen Euro vom FC Augsburg verpflichtet wurde, war nicht Herthas erste Wahl bei der Suche nach einem Seitenliniensprinter. Aber im Leben muss man sich manchmal eben an neue Umstände anpassen. Hertha bekam nicht Timo Werner (heute Leipzig), sondern Esswein – und ist im Moment ziemlich glücklich damit.

Beim 3:3 in Frankfurt am Sonnabend hatte der 26-Jährige als Einwechselspieler zum ersten Mal im Hertha-Trikot bei zwei Toren seine Füße im Spiel. Eines erzielte er mit links von der rechten Strafraumgrenze selbst. Das andere legte Esswein seinem neuen Kapitän Vedad Ibisevic von fast derselben Stelle mit rechts und per feiner Flanke auf.

Ibisevic fand, „das darf jetzt so weitergehen“, und er grinste. Vielleicht wusste der Bosnier, dass Esswein in 130 Bundesligaspielen für Wolfsburg, Nürnberg und Augsburg zuvor eher selten dem gegnerischen Tor gefährlich geworden war (zehn Treffer, elf Assists).

Mit ihm gibt es nun drei Sprinter

Geht es nach Pal Dardai, dürfte sich das aber bald ändern. „Bei ihm steckt noch viel mehr drin“, sagte Herthas Cheftrainer über Essweins Torjäger- und Vorbereiterqualitäten. „Wenn wir das rauskitzeln, werden wir davon noch mehr sehen.“

Esswein stand auf der Einkaufsliste zwar nicht an der obersten Stelle, aber seine vornehmliche Qualität schon: Geschwindigkeit. Die hatte auf den beiden Flügeln bei den Berlinern schon seit längerer Zeit gefehlt. Nun, mit Esswein, kann Dardai endlich das spielen lassen, was er immer wollte: flinken Fußball. „Mit ihm haben wir nun drei Spieler mit dieser Qualität“, sagt der Ungar und meint dazu noch Mitchell Weiser und Genki Haraguchi. Alle drei kommen auf eine Sprintgeschwindigkeit knapp oberhalb der 34 km/h.

Esswein ist kein außergewöhnlicher Flügelspieler. Den konnte sich Hertha nur einmal in jüngster Vergangenheit leisten, und das ist heute immer noch erstaunlich, nämlich Weiser, der sich seit Wochen in herausragender Form befindet. Im Gegensatz zum ehemaligen Münchner hat Esswein trotz seiner 26 Jahre enorme taktische Defizite in der Rückwärtsbewegung und ist auch technisch nicht der beschlagenste Profi. Aber daran lässt sich ja arbeiten – und bei Hertha haben sie Lust dazu.

Auch am späten Gegentor hat er seinen Anteil

Ob er mit diesen beiden ersten Torbeteiligungen nun angekommen sei bei seinem neuen Klub, wurde Esswein in Frankfurt gefragt. „Das kann man so sagen“, antwortete er. „Die Mannschaft hat es mir aber auch leicht gemacht.“ Schon einmal war ein Spieler übrigens nicht erste Wahl auf Herthas Wunschzettel und stellte sich danach als besonderer Glücksgriff heraus: Ibisevic 2015.

Sich an völlig neue Umstände anpassen muss demnächst auch Alexander Esswein – und auch das macht ihn ziemlich glücklich. Seine Frau Franziska ist im vierten Monat schwanger. Für sie und das gedeihende Kind schob sich Esswein nach seinem Tor den Ball unters Trikot und den Daumen in den Mund.

Dass er auch am späten Ausgleich der Frankfurter beteiligt war, als er die Flanke von Ante Rebic zusammen mit Weiser nicht verhinderte, gehört ebenfalls zur Geschichte dieses Spiels. Aber vielleicht steckt ja bei ihm auch in der Abwehrarbeit noch mehr drin.