Bundesliga

Der Beste kommt noch bei Hertha BSC

Hertha BSC liegt nach zwei Siegen auf Rang zwei, dabei hat der treffsicherste Stürmer Salomon Kalou noch nicht eine Minute gespielt.

Joker und Maskottchen: Salomon Kalou mit Herthinho

Joker und Maskottchen: Salomon Kalou mit Herthinho

Foto: imago sport / imago/Bernd König

Berlin.  Die Aufgabe am Ende dieser Woche wird nicht einfacher. Dann gilt es für Pal Dardai, das 18er-Aufgebot für die Bundesliga-Partie gegen den FC Schalke festzulegen (Sonntag, 17.30 Uhr, Olympiastadion). „Das hat mir nach dem Abschlusstraining vor Ingolstadt richtig weh getan, einigen Spielern zu sagen, dass sie nicht dabei sind“, bekannte Dardai. Zumal im Sturm, dort wo Spiele entschieden ­werden, alle Beteiligten neue Argumente gesammelt haben.

Sami Allagui antwortete auf den Frust, nicht im Profikader zu stehen, mit zwei Toren, die Herthas U23 in der Regionalliga ein 2:0 gegen den VfB Auerbach bescherten. Kapitän Vedad Ibisevic gelang in der Hitze von Ingolstadt der wichtige Führungstreffer. Und der zum zweiten Mal eingewechselte Julian Schieber erzielte wie schon gegen Freiburg (2:1) seinen zweiten Treffer zum 2:0-Endstand. „Das spricht für unseren Teamgeist, dass alle gut mitmachen“, lobte Dardai.

Dabei geht manchmal unter, dass Herthas Bester, Salomon Kalou, in dieser Saison noch keine Bundesliga-Minute gespielt hat. Mit 14 Toren im vergangenen Spieljahr war er der mit Abstand beste Schütze im blau-weißen Trikot. Im Erstrunden-Pokalspiel in Regensburg verwandelte Kalou den entscheidenden Versuch im Elfmeterschießen, der Hertha in die zweite Runde brachte.

„Bei Salomon muss die Körpersprache besser werden“

Doch zwei Todesfälle in der Familie erforderten zwei kurzfristige Reisen in seine Heimat, die Elfenbeinküste. „Es ist gerade nicht einfach für Salomon“, sagte Trainer Dardai. Seit vergangener Woche trainiert ­Kalou wieder mit, den Vorzug als Einwechselstürmer erhielt aber jeweils Schieber.

Der hat das Momentum, ebenso wie Allagui. „Bei Salomon muss die Körpersprache besser werden“, forderte Dardai. „Es ist gut, dass wir jetzt richtigen Konkurrenzkampf haben.“

Und Kalou? Der hat die Bundesliga 180 Minuten von der Bank aus erlebt. „Zwei Spiele, zwei Siege, das bringt nicht nur Punkte, sondern auch Selbstvertrauen“, sagte Kalou der Morgenpost. Beunruhigt ihn sein Status als Bankspieler? Kalou schaut fragend. „Wir stehen am Anfang. Jeder Spieler wird gebraucht. Für Vedad ist es gut, dass er trifft. ­Julian hat eine schwere Zeit hinter sich. Für ihn sind diese ­Erfolgserlebnisse ­total wichtig.“

Mehr Druck auf die Etablierten

Kalou (31) ist kein Lautsprecher, er ist auf stille Art selbstbewusst. Er war mit dem FC Chelsea englischer Meister und vier Mal Pokalsieger, hat die Champions League (2012) gewonnen, mit der Elfenbeinküste den Afrika Cup 2015. Nachdem er in der vergangenen Saison durchgehend Stammspieler war, spornt ihn der Konkurrenzkampf an?

Kalou runzelt die Stirn. „Nein, so funktioniert Profisport nicht. Ich bin nicht wegen anderer motiviert.“ Kalou deutet auf seine Brust. „Du musst selbst motiviert sein und die Bereitschaft haben, hart zu arbeiten, um dein bestes Niveau zu erreichen. Dann kannst du der Mannschaft ­helfen.“

Die Aufgabe, die Mannschaft zu moderieren, wird für Dardai wichtiger werden als im Vorjahr. Hertha hat nicht zuletzt deshalb 2015/16 ein schwaches letztes Saisonviertel gespielt (zwei Punkte aus acht Spielen), weil die Einwechselspieler zu wenig Druck auf die Etablierten ausgeübt hatten. Das verändert sich gerade. Allein im Sturm wetteifern Ibisevic, Kalou, Schieber und Allagui um Einsatzzeiten.

Dardai kritisiert Negativstimmung in Berlin

Die bisherigen Siege helfen nicht nur Hertha, sie helfen auch dem Trainer. Dardai hat nach dem unnötigen Aus gegen Bröndby (1:0, 1:3) in der Europa League Anfang August riskante Entscheidungen getroffen. Auch, wenn der Trainer nun sagt, dass er nicht aus dem Frust über das Verpassen der Gruppenphase heraus gehandelt habe.

„Ich war über Kopenhagen nicht so negativ wie die Medien und das Umfeld.“ Überhaupt beschwert sich der Trainer, es herrsche grundsätzlich eine zu schlechte Stimmung um Hertha. „Wir spielen eine Saison mit 50 Punkten und schaffen es in der Sommerpause, dass in Berlin alles negativ gesehen wird. Ich finde das nicht gut.“

Wenn alles nicht so wild war, warum hat der Trainer spektakuläre Personalentscheidungen nach dem Bröndby-Aus getroffen, Mitchell Weiser zehn Tage ins Einzeltraining geschickt, Fabian Lustenberger als Kapitän ab- und Vedad Ibisevic eingesetzt?

Dardais Sicht: „Das war keine Reaktion auf Kopenhagen. Das waren Reaktionen auf die Rückrunde. Da waren wir 20 Prozent schlechter, weil die Gier gefehlt hat. Wir als Hertha BSC brauchen diese Gier, wenn wir Erfolg haben wollen.“

„Keine Bange, wir werden uns ­spielerisch steigern“

Zwischenfazit: Lustenberger hat sich auch ohne Kapitänsamt in die Startelf zurückgekämpft. Weiser, der hätte beleidigt sein können, hat Ende August seinen ­Vertrag bei Hertha bis 2020 verlängert. Hertha hat seither dreimal gespielt – und dreimal ­gewonnen. Diese Siege sind auch ­vertrauensbildende Maßnahmen für die Beziehung zwischen Trainer und Team.

Dardai nimmt es pragmatisch: „In den ersten Spielen einer Saison ist es nicht wichtig, wie du spielst. Wichtig ist, dass du punktest.“ Den Kritikern, die Herthas Start als Glückssiege abtun, antwortete er: „Keine Bange, wir werden uns ­spielerisch steigern.“

Auch Kalou hat die gesamte Saison im Blick. „Wir müssen Beständigkeit hinbekommen und regelmäßig punkten.“ Und das Spiel am Sonntag gegen Schalke, das erste Topteam, auf das Hertha trifft? Kalou: „Das wird ein ­guter Test, wo wir stehen.“